Sabans Umbau beunruhigt Belegschaft

- München - Deutschlands größter TV-Konzern Pro-Sieben-Sat.1 ist auch knapp ein halbes Jahr nach der Machtübernahme durch neue Investoren um US-Milliardär Haim Saban noch nicht zur Ruhe gekommen. Personell haben die neuen Besitzer schon hart durchgegriffen. Nun soll in den nächsten Wochen auch die inhaltliche Strategie überprüft werden. "Es wird Zeit, dass sich Saban äußert, was inhaltlich und strukturell passieren soll", heißt es in Unternehmenskreisen. Auch die Belegschaft warte auf Signale.

<P>Nach der Kirch-Pleite hatte Saban gemeinsam mit Finanzinvestoren für gut eine halbe Milliarde Euro die Stimmrechts-Mehrheit bei der Pro-Sieben-Sat.1 Media AG übernommen. Neuer starker Mann im Vorstand ist seither der Belgier Guillaume de Posch, der die operativen Geschäfte verantwortet. Er soll vor allem die Kosten drücken. Fernsehvorstand Ludwig Bauer musste als erstes gehen, auch Nachrichten-Vorstand Claus Larass wird den Vorstand verlassen. Ein Paukenschlag war die Ablösung von Sat.1-Chef Martin Hoffmann, kurz danach verkündete Harald Schmidt - mit Hoffmann befreundet - eine Schaffenspause für seine Latenight-Show. "Keiner blickt genau durch, warum Schmidt wirklich aufhört", heißt es in Betriebsrats-Kreisen. Daher habe auch diese Personalie für weitere Unruhe gesorgt.</P><P>Der chronisch defizitäre Sender Sat.1 ist seit Jahren das große Sorgenkind bei Pro-Sieben-Sat.1. In den vergangenen Wochen war es Hoffmann allerdings gelungen, die Marktanteile beispielsweise mit dem "Wunder von Lengede" und einem erfolgreicheren Vorabend-Programm zu steigern. Daher kam seine Ablösung zumindest zu diesem Zeitpunkt für viele überraschend. "Hoffmann hatte in jedem Fall gute Verbindungen", sagt ein Unternehmenskenner. Der neue Sat.1-Chef Roger Schawinski stellte schon einmal klar, dass ihm tägliche Formate wichtiger seien als künstlerisch ambitionierte Projekte wie "Das Wunder von Lengede". Nicht alle seine forschen Äußerungen seien glücklich gewesen, heißt es in Unternehmenskreisen.</P><P>Unklar ist noch, ob sich Pro-Sieben-Chef Nicolas Paalzow langfristig halten kann. Eine Konzernsprecherin dementierte aber, dass ein Beschluss über seine Ablösung gefallen sei. Im Unternehmen wird derzeit denn auch kein Wechsel an der Sender-Spitze erwartet. "Bei der Weihnachtsfeier ist Paalzow als Nikolaus aufgetreten und war in bester Stimmung."</P><P>Mit Spannung wird in der Branche erwartet, wie stark die Rendite künftig für Saban und die Finanzinvestoren im Vordergrund steht. Der US-Unternehmer hatte nach der Übernahme betont, dass er die Sender nicht zu reinen Abspielstationen für billige US-Ware machen wolle. Allerdings wird in Betriebsratskreisen darauf verwiesen, dass gerade Sabans Partner eine rigorose Linie fahren könnten. "Die investieren nur in Unternehmen, bei denen sie eine Rendite von 15 Prozent erwarten." </P>

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