Saison der Aktionärstreffen: Was Anleger jetzt wissen müssen

Tipps: - Als vor wenigen Wochen die Hauptversammlung (HV) der Siemens AG in der Münchner Olympiahalle stattfand, war das Interesse sehr groß. Nach Korruptionsskandal und BenQ-Pleite mussten sich Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären stellen. Hauptversammlungen stehen aber nicht nur wegen der öffentlichen Aktionärskritik im Vordergrund, dort stimmen die Anteilseigner auch über wichtige Zukunftsentscheidungen des Unternehmens ab. Die meisten Hauptversammlungen finden im ersten Halbjahr statt.

Rechte der Aktionäre

Mit dem Erwerb einer Aktie wird der Käufer Miteigentümer des Unternehmens und hat somit neben der Chance des steigenden Aktienkurses auch weitere Rechte. Sollte das Unternehmen Gewinn erwirtschaften, bekommt er eine jährliche Dividende. Er darf an allen Hauptversammlungen teilnehmen und hat dort sowohl ein Auskunfts-, wie auch ein Stimmrecht. Außerdem hat jeder Aktionär bei Kapitalerhöhungen ein Recht auf den Bezug junger Aktien und bei Konkurs der Firma ein Anrecht auf seinen Anteil am Liquidationserlös.

Das Programm

Neben den genannten Rechten hat man bei einem Aktionärstreffen auch die Möglichkeit, das Unternehmen näher kennenzulernen, oder die sogenannte Naturaldividende in Form eines Gratis-Mittagessens zu genießen. Die Aktionäre erhalten bei deutschen Dividendentiteln wenige Wochen vor der HV eine Einladung ­ je nach Aktienart von ihrer Bank (bei Inhaberaktien) oder von der AG (bei Namensaktien). Die Eintrittskarten bekommt der Aktionär dann auf Antrag zugesandt.

Eine vor der Hauptversammlung veröffentlichte Tagesordnung gibt den Ablauf der HV vor. Die Versammlungen beginnen meist zwischen 10 und 11 Uhr mit der Bilanz des Aufsichtsrates. Danach gibt der Vorstand einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Im Anschluss haben die Aktionäre die Möglichkeit, per Wortmeldungen Kritik zu üben oder Fragen an die Unternehmensführung zu stellen. Die Veranstaltung endet mit den Abstimmungen über verschiedene Punkte.

Wortmeldungen

Wer eine eigene Wortmeldung plant, muss diese bei der HV am entsprechenden Infostand anmelden. Eine vorgegebene Reihenfolge gibt es nicht. Der Aufsichtsratsvorsitzende stellt die Reihenfolge zusammen und bittet die einzelnen Redner ans Mikrofon. Vorstand oder Aufsichtsrat müssen die Fragen nicht sofort beantworten. Sie haben auch die Möglichkeit, nach mehreren Rednern eine Sammelantwort zu geben.

Abstimmung

Welche Punkte bei der Hauptversammlung zur Abstimmung kommen, wird in der Tagesordnung vorab bekannt gegeben. Fest stehende Punkte sind die Beschlussfassung über die Gewinnverwendung und Genehmigung der vorgeschlagenen Dividende, die Abstimmung über die Entlastung (bei guter Arbeit) des Vorstandes und Aufsichtsrates, aber auch die Wahl des Abschlussprüfers. Plant die AG eine Kapitalerhöhung, so muss diese mit entsprechender Mehrheit genehmigt werden. Wie stark die Stimmen der einzelnen Aktionäre ins Gewicht fallen, hängt von der entsprechenden Anzahl der Aktien ab. Aktionäre, die ihr Stimmrecht nicht persönlich ausüben, können eine Bank, eine Aktionärsschützervereinigung oder eine beliebige dritte Person bevollmächtigen (siehe Kasten).

Die Aktie

Um zu vermeiden, dass Stimmrechte mehrfach ausgeübt werden, werden die Aktien der an der HV teilnehmenden Aktionäre bis zum Ende der Veranstaltung gesperrt. Die Werte können also erst am Tag danach wieder verkauft werden. Zumeist wird an diesem Tag dann auch die in der Abstimmung genehmigte Dividende ausbezahlt.

Fazit

Der Besuch einer Hauptversammlung macht auch für Kleinaktionäre durchaus Sinn. Einerseits wird der Einfluss der Großinvestoren etwas eingeschränkt, andererseits lernt man so auch das Unternehmen näher kennen, dessen Aktien man hält. Da man die Fahrtkosten selbst tragen muss, besuchen die meisten Privatanleger ausschließlich die Hauptversammlungen der lokal ansässigen Firmen. Mittlerweile kann man die Aktionärstreffen einiger großer Unternehmen aber auch im Internet (www.hauptversammlung.de) verfolgen.

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