Sammelklagen belasten Infineon

- München - Der Münchner Halbleiter-Hersteller Infineon hat ein gutes Geschäft gemacht - zeitweise möglicherweise ein zu gutes. Im dritten Quartal seines Geschäftsjahres hat das Unternehmen prächtig verdient. Allerdings belasten drohende Schadensersatzforderungen in den USA das Ergebnis. Infineon und seine Konkurrenten sollen 2002 die Preise für Speicherchips wettbewerbswidrig abgesprochen haben.

<P>Im Markt für Speicherchips gibt es nur eine Hand voll großer Anbieter, neben Infineon sind das Samsung, Hynix, Micron und Nanya. Zwischen ihnen besteht ein harter Konkurrenzkampf. Die Preise für Speicherchips - auch als DRams ("Dynamic Random Access Memory") bezeichnet - waren über zwei Jahre lang gefallen, ehe sie 2002 zu einem Sprung ansetzten. Das US-Justizministerium leitete daraufhin im Juni 2002 eine Untersuchung ein. Es ging dem Verdacht nach, dass Preisabsprachen unter den Herstellern der Hightech-Bausteine zu der abrupten Marktbewegung geführt haben.<BR><BR>Seitdem haben sich "insgesamt 25 Sammelklagen gegen Infineon und andere DRam-Hersteller" angesammelt, wie das Münchner Unternehmen mitteilte. Dabei forderten Kunden "erheblichen Schadensersatz". Offenbar schätzt man das Risiko, diesen auch wirklich leisten zu müssen, hoch genug ein, dass man jetzt entsprechende Rückstellungen bildete. 184 Millionen Euro hebt sich Infineon für diesen Fall auf. Weitere 28 Millionen Euro waren schon Mitte vergangenen Jahres zurückgestellt worden. "Wir sind zuversichtlich, damit einen Großteil der Risiken abgedeckt zu haben", sagte Infineons zwischenzeitlicher Vorstandschef Max Dietrich Kley. Spätestens im September soll ihn der bisherige Conti-Manager Wolfgang Ziebart ablösen. Der muss sich dann wohl noch mit entsprechenden Untersuchungen in Europa auseinander setzen. Auch die EU-Kommission hatte von Infineon schon Auskunft in der Angelegenheit verlangt.<BR><BR>Durch die Rückstellungen steht unter dem Strich ein Verlust von 56 Millionen Euro im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 (Ende zum 30. September). Im Vorquartal hatte Infineon einen Überschuss von 39 Millionen Euro gemeldet. Klammert man die außergewöhnliche Belastung aus, hat sich das Geschäft deutlich verbessert. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorquartal um 14 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte von 71 Millionen auf 186 Millionen Euro zu. "Für das vierte Quartal erwarten wir weitere Zuwächse beim Umsatz sowie beim Konzernüberschuss", sagte Kley.<BR>Die Infineon-Aktie rutschte zunächst ins Minus, legte dann aber zeitweise um knapp 3,9 Prozent auf 9,66 Euro zu.<BR><BR></P>

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