Samsung löst Nokia ab

Boston - Lange 14 Jahre verkaufte Nokia mehr Handys als andere Hersteller. Doch mit den aktuellen Absatzproblemen haben die Finnen die Krone an einen erfolgreichen Rivalen aus Asien verloren.

Wechsel an der Spitze der Mobilfunk-Branche: Samsung hat Nokia nach 14 Jahren vom Thron des Handy-Weltmarktführers gestoßen. Samsung verkaufte im ersten Quartal nach Berechnungen des Marktforschers Strategy Analytics 93,5 Millionen Mobiltelefone. Damit sei etwa jedes vierte weltweit verkaufte Handy von den Südkoreanern gebaut worden. Nokia war auf 82,7 Millionen Geräte gekommen.

Das finnische Unternehmen hatte sich 1998 an die Spitze der Handy-Branche gesetzt, als es den US-Mobilfunk-Pionier Motorola überholte. Damals reichte für den ersten Platz noch ein Jahresabsatz von 37,4 Millionen Handys. Jetzt verkaufte allein Apple gut 35 Millionen iPhones in einem Quartal. Ironischerweise hat Nokia jetzt mit 22,5 Prozent einen ähnlichen Marktanteil wie 1998 (22,9 Prozent).

Allerdings ist Nokia bei den lukrativen und zukunftsträchtigen Smartphones weit hinter Samsung und Apple zurückgefallen. Die Südkoreaner setzten laut Strategy Analytics im ersten Quartal 44,5 Millionen Computer-Telefone ab und holten sich damit die Krone von Apple zurück. Allerdings macht Apple auch mit 35,1 Millionen iPhones mehr Gewinn dank höherer Preise. Nokia kam in dem Quartal nur auf 11,9 Millionen verkaufte Smartphones. Am Freitag stufte Standard & Poor's als zweite große Rating-Agentur nach Fitch die Nokia-Bonität auf sogenanntes Ramschniveau ab, bei dem ein Investment grundsätzlich nicht mehr empfohlen wird.

Der Samsung-Konzern meldete dagegen dank der starken Smartphone-Verkäufe einen Rekord-Quartalsgewinn von 5,05 Billionen Won (etwa 3,4 Mrd Euro), obwohl das Geschäft mit Speicherchips schwächelte. Samsung nennt keine Handy-Absatzzahlen mehr, die Zahlen von Marktforschern wie Strategy Analytics sind die einzige Orientierung.

Samsung profitierte in den vergangenen Monaten vor allem von der starken Nachfrage nach Smartphones der Galaxy-Reihe mit dem Betriebssystem Android. Dank der Smartphones verdoppelte die Sparte IT und Mobile Kommunikation den Umsatz im Jahresvergleich auf 23,22 Billionen Won. Mehr als 70 Prozent des konzernweiten operativen Gewinns entfielen demnach auf das Geschäft mit mobilen Geräten (4,27 Billionen Won). Im nächsten Monat will Samsung die dritte Version des Flaggschiff-Modells Galaxy S vorstellen.

Die Stärke im Smartphone-Markt verdeckte zugleich die Schwächen im Chip-Geschäft, das von sinkenden Preisen und Überkapazitäten belastet wird. Der operative Gewinn der Halbleitersparte betrug im ersten Quartal mit 760 Milliarden Won weniger als die Hälfte des Gewinns im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel um 13 Prozent auf knapp 8 Billionen Won.

dpa

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