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Treten mutig gegen US-Riesen an: Geschäftsführer René Opitz und die beiden Inhaber Michael Dörrenberg und Uli Springer (von links) sind überzeugt von ihrem Konzept.

Hausgemachtes mit kalifornischem Spirit

Darum gibt es bei der San Francisco Coffee Company jetzt bio

München - Klingt amerikanisch, sieht auch so aus – ist aber klein, fein und bayerisch. Die 17 Filialen der San Francisco Coffee Company wollen sich abheben von der übermächtigen US-Konkurrenz. Deswegen gibt es dort jetzt Hausgemachtes.

Für die meisten Kunden ist die San Francisco Coffee Company eine der vielen Coffee-Shop-Ketten aus den USA, mit Filialen verteilt über den ganzen Globus. Doch das ist ein – wenn auch naheliegender – Irrtum. „Wir sind stolz darauf, ein Münchner Unternehmen zu sein“, sagt Michael Dörrenberg, einer der Inhaber. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Uli Springer ist er in den Wettbewerb gegen die großen Ketten wie Starbucks, McCafé und Costa Coffee eingestiegen.

Bisher gab es die Coffee Places, wie die Filialen der San Francisco Coffee Company heißen, vor allem in München, aber auch in Berlin und Regensburg. Jetzt wagen sich die Inhaber Dörrenberg und Springer auf Neuland vor: Das türkisfarbene Logo prangt jetzt auch in Abu Dhabi. Die Filiale vor Ort läuft derzeit noch im Probebetrieb, soll aber Anfang Mai offiziell eröffnet sein. Die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, sei kurz, sagt Uli Springer: „Die haben einfach angefragt.“ Die Araber sind mehrmals in Münchner Filialen zu Gast gewesen und haben ganz offensichtlich Gefallen an dem Konzept der Bayern gefunden. Nach einiger Zeit stand der Vertrag. Ganz leicht wird es nicht, die Filiale in Abu Dhabi zu betreiben, betonen Schreiber und Dörrenberg doch immer die Regionalität bei ihren Produkten. „Wir probieren das jetzt einfach mal aus“, sagt Springer. Ausprobieren, das könne sich eine kleine Kette eher erlauben als die großen, internationalen Anbieter.

Das Ambiente ist kalifornisch modern

Die beiden Münchner Gastronomen sitzen in der renovierten Filiale in der Salvatorstraße, nur wenige hundert Meter von einer zweiten Filiale am Münchner Odeonsplatz entfernt. Das Ambiente kalifornisch, modern: Helle Farben, viel Holz, Designer-Tische und Stühle, Bilder von Stränden und ein Surfbrett als Tisch im Eingangsbereich. Sommer-Gefühle sollen aufkommen. In allen denkbaren Variationen können die Kunden Kaffee bestellen, zum Trinken in der Filiale oder zum Mitnehmen. Auf den ersten Blick alles wie gewohnt. Doch die Unterschiede liegen im Detail: Hinter der Theke bedient ein Mitarbeiter die Siebträgermaschine. „Die anderen Ketten haben nur Vollautomaten, bei uns ist das Kaffee-Machen noch Handwerk“, sagt Uli Springer. Und in den Kaffee kommt ausschließlich Bio-Milch. Stolz sind sie auch darauf, dass alles frisch und von Hand gemacht wird, jedes Sandwich, jeder frisch gepresste Saft.

Die San Francisco Coffee Company will aus der Masse der unzähligen Coffee Shops herausstechen. Die Bohnen, die für ihren Kaffee verwendet werden, sind Fair Trade klassifiziert und aus biologischem Anbau. Zur Verwendung kommen außerdem biologisch abbaubare Reiniger und Recycling-Papier. 2015 kam dafür die Auszeichnung: Die San Francisco Coffee Company ist die erste Coffee-Shop-Kette in Deutschland mit Bio-Siegel. Diese „nachhaltige Orientierung“, die Uli Springer sehr wichtig ist, spreche viele Kunden an. Aber er weiß auch, dass das seinen Preis hat. Ein Espresso kostet um die zwei Euro, ein Cappuccino etwas über drei Euro. Nicht jeder will so viel ausgeben, wenns beim Bäcker ums Eck deutlich billiger ist.

Gegründet wurde die San Francisco Coffee Company 1999 von Katherina Bernau-Seiguer, die die Idee zur Gründung nach einem längerem Aufenthalt in Kalifornien hatte. Vor allem San Francisco mit seinem Surfer-Lebensgefühl hatten es ihr angetan. Die erste Filiale eröffnete im Münchner Lehel, weitere Coffee Places in ganz Deutschland folgten.

Jahresumsatz der San Francisco Coffee Company: 5 Millionen Euro

2012 übernahmen Springer und Dörrenberg die Kette. Die beiden betreiben heute zwölf Filialen im Bundesgebiet selbst. Fünf weitere werden von Franchisenehmern geführt. Insgesamt arbeiten 110 Menschen unter dem Münchner Logo. Der Jahresumsatz lag 2014 bei über fünf Millionen Euro. Das Deutschland-Geschäft soll, unabhängig von der Entwicklung der Kette in Abu Dhabi, weiter ausgebaut werden. Vor allem auf kleinere Städte wollen sich die Geschäftsführer konzentrieren, zu hoch seien einfach die Mietpreise für die Filialen in Ballungszentren wie München. Außerdem hätte die San Francisco Coffee Company außerhalb der Metropolen ein großes Plus: Dort sind die großen Ketten, wie Starbucks, kaum oder gar nicht vertreten. Anfang des Jahres wurde der zweite Coffee Place in Regensburg eröffnet – in genau solchen Städten soll die Zukunft der Kette liegen.

Die Geschäftsführer der San Francisco Coffee Company wollen vor allem auch schnell auf neue Trends reagieren. Einer davon ist der Kaffee aus Kapseln – selbstverständlich auch der „bio“ und „Fair Trade“. Als eine der ersten der Branche hat die Münchner Kette eigene solche Kaffeekapseln entwickelt, für den Automaten daheim. Das Angebot werde gut angenommen, „ist aber nur eine Ergänzung“, sagt Mitgeschäftsführer René Opitz. So werden Kunden an die Marke gebunden, das Hauptgeschäft soll aber ganz entspannt in den Coffee Places stattfinden.

Florian Reil

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