Ein Sanierer ohne Fortune tritt ab

- Essen - Der finanziell schwer angeschlagene Handelskonzern Karstadt-Quelle kommt nicht zur Ruhe. Auch der nach tagelangen Spekulationen erwartete Rücktritt von Vorstandschef Christoph Achenbach brachte gestern keine Klarheit. Mit Finanzchef Harald Pinger übernimmt zwar ein ausgewiesener Finanzexperte das Ruder allerdings nur vorübergehend. Nach einem neuen Spitzenmann wird unterdessen international mit Hochdruck gesucht.

<P>Gerade einmal zehn Monate hatte sich Achenbach an der Spitze des Konzerns halten können. Die Abwärtsspirale hatte er jedoch trotz des eingeleiteten harten Sanierungskonzepts nicht stoppen können. Ihm wird vorgeworfen, zu langsam gehandelt zu haben. Beobachter erwarten nun eine weitere Verschärfung des Sanierungstempos. Unter den rund 100 000 Beschäftigten wächst die Furcht vor weiteren Einschnitten und einer möglichen Zerschlagung des Konzerns.<BR>Die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jella Brenner-Heinbacher, etwa fordert eine härteres Vorgehen. Das von Achenbach vorgelegte Konzept werde nicht mehr ausreichen.<BR><BR>Interims-Chef Pinger hatte in den vergangenen Monaten in den Verhandlungen mit den Banken das finanzielle Überleben des angeschlagenen Konzerns sichergestellt. Er war vor einem halben Jahr vom Gasehersteller Messer-Griesheim nach Essen gewechselt - zuvor war der Posten des Finanzchefs bei Karstadt-Quelle mehr als ein Jahr unbesetzt gewesen. Vor dem Rücktritt von Achenbach war auch darüber spekuliert worden, dass Pinger dessen Nachfolger werden könnte.<BR><BR>In Verhandlungen mit den Banken hatte Pinger in den vergangenen Monaten eine Verlängerung der Kreditlinie von 1,75 Milliarden Euro erreichen können und so zumindest kurzfristig das Überleben des Handelskonzerns gesichert. Auch bei den Anteilseignern konnte er bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt eine Kapitalerhöhung erfolgreich durchsetzen. Achenbach sei bei den Banken als Gesprächspartner nicht so ernst genommen worden, wie es notwendig gewesen wäre, wurde in Bankenkreisen kritisiert. <BR><BR>Auf den künftigen Vorstandschef - der Vierte in fünf Jahren - warten schwierige Aufgaben: Karstadt-Quelle verhandelt über einen Kredit von nochmals 400 Millionen Euro, dringend muss auch der Umsatzrückgang gestoppt werden.<BR><BR>Achenbach hatte erst vor wenigen Wochen mit einem Umsatzminus von zehn Prozent einen Fehlstart in das entscheidende Sanierungsjahr einräumen müssen. Ausgerechnet das Versandhaus Quelle, das er vor seinem Wechsel an die Konzernspitze geführt hatte, schnitt noch schlechter ab.<BR><BR>Auch das bislang nur schleppend angelaufene Verkaufsprogramm muss von dem neuen Mann nun endlich in Schwung gebracht werden, um die für die Sanierung dringend benötigten Erlöse von 1,1 Milliarden Euro noch in diesem Jahr einzufahren. Die dabei zunächst einkalkulierten Verkaufspreise dürften sich in vielen Fällen jedoch als wenig realistisch erweisen.<BR><BR>Mit 400 Millionen Euro soll etwa ein von dem Hamburger Finanzinvestor BC Partners vorgelegtes Angebot für die zum Verkauf stehenden 75 kleinen Warenhäuser um rund ein Drittel unter den ursprünglichen Preisvorstellungen von Karstadt-Quelle liegen.<BR><BR></P>

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