Sanierung macht Chemie-Konzerne zu Übernahme-Schnäppchen

- Kronberg/New York/Frankfurt - Der amerikanische Finanzinvestor Blackstone will den Chemiekonzern Celanese für 3,1 Milliarden Euro übernehmen. Die Investmentgesellschaft plant, den Aktionären ein Angebot zum Preis von 32,50 Euro je Aktie zu unterbreiten. Das teilten Blackstone Capital Partners und die Celanese AG mit. Der Vorstand des Unternehmens unterstützt die Offerte. Außerdem habe der mit 29 Prozent der Anteile größte Einzelaktionär, die Kuwait Petroleum Corporation, bereits seine Zustimmung erklärt.

<P>Die geplante Übernahme ist ein weiterer Milliardendeal, bei dem sich ein ausländischer Finanzinvestor ein deutsches Unternehmen angelt. So übernahm vor wenigen Tagen Kohlberg Kravis Roberts (KKR) die Triebwerksparte MTU von Daimler-Chrysler, der Konsumgüterkonzern Henkel verkaufte vor zwei Jahren seine Chemiesparte Cognis.</P><P>Der Trend zur Konzentration auf das Kerngeschäft treibt die Abspaltung einzelner Sparten aus Großkonzernen voran. In der Vergangenheit waren deutsche Chemiekonzerne wahre Gemischtwarenläden, die in einzelnen Bereichen nicht zur Weltspitze zählten oder Verluste erwirtschafteten. So gehörte Celanese bis 1998 zum Industriekonglomerat Hoechst (s. unten). 2002 erzielte Celanese Umsätze von 4,3 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit 10 700 Mitarbeiter.</P><P>Ziel des Investors Blackstone ist es, die Celanese-Aktie vom Kurszettel zu nehmen. "Ein mögliches Delisting (Der Rückzug von der Börse) würde dem Unternehmen eine größere Flexibilität bei der Erreichung seiner strategischen Ziele bieten", sagte Blackstone-Vorstandschef Stephen Schwarzman.</P><P>Das Angebot von Blackstone liegt um 13 Prozent über dem Durchschnittskurs der Celanese-Aktie in den vergangenen drei Monaten. In der Offerte sind Schulden in Höhe von 446 Millionen Euro und Pensionsverpflichtungen von 1,039 Milliarden Euro enthalten. Blackstone will nach den Angaben zusätzlich rund 380 Millionen Euro in die Pensionskasse einzahlen, um deren Unterdeckung zu beseitigen.</P><P>Die Zeit scheint günstig für Beutezüge von Investoren wie Blackstone. Viele deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren schmerzhafte Restrukturierungen hinter sich gebracht und sich neu ausgerichtet. Vom kommenden Jahr an lockt ein weltweiter Wirtschaftsaufschwung, der die Umsätze wachsen und damit den Wert der Investitionen in die Höhe treiben könnte. "Wir werden unseren Weg für mehr Wachstum und Produktivität fortsetzen. Wir gehen davon aus, dass Blackstone als starker Partner uns den finanziellen Spielraum geben wird, um unsere Chancen auf diesem Weg wahrzunehmen", sagte Claudio Sonder, Vorstandschef von Celanese.</P><P>Oft steigen Finanzgesellschaften wie Blackstone, die nur ihren eigenen Investoren - vermögenden Privatleuten oder Fonds - verpflichtet sind, aber nach einigen Jahren wieder aus und verkaufen ihre Firmen weiter - im Fachjargon heißt dies "Exit". Die Anleger erwarten Renditen im zweistelligen Bereich von solchen Investments. Um so größer ist daher der Konkurrenzdruck für Blackstone und andere, die begehrten Schnäppchen zu ergattern.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

WLAN im Zug gefordert - Bahn verspricht stabilere Telefonate 
Berlin - Erst kostenloses Internet, bald auch Spielfilme. Die Bahn löst Versprechen für mehr Komfort beim Reisen ein - bisher aber vor allem im ICE. Jetzt muss der …
WLAN im Zug gefordert - Bahn verspricht stabilere Telefonate 
Markenrechte von Schlecker sollen verkauft werden
Düsseldorf - Schlecker will seine Markenrechte verkaufen. Das Insolvenzverfahren der Drogeriekette läuft noch. Die Verhandlungen dürften noch ein paar Jahre in Anspruch …
Markenrechte von Schlecker sollen verkauft werden
Minister: Neues Tierwohl-Siegel nicht zum Nulltarif zu haben
Agrarminister Schmidt nutzt die Bühne der Grünen Woche, um sein Tierwohl-Label vorzustellen. Es soll den Tieren, aber auch den Fleischkonsumenten helfen. Doch noch …
Minister: Neues Tierwohl-Siegel nicht zum Nulltarif zu haben
Gegenwind für Mays Brexit-Kurs in Davos
In Davos wirbt Premierministerin May für Großbritannien als Wirtschaftsstandort mit guten Handelsbeziehungen in alle Welt. Doch für ihren Brexit-Kurs gibt es auch …
Gegenwind für Mays Brexit-Kurs in Davos

Kommentare