Sanofi-Chef sieht keinen "weißen Ritter" für Aventis

- Paris - Der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo sieht nach den Worten seines Chefs Jean-François Dehecq keinen "weißen Ritter", der das Übernahmeangebot an den deutsch-französischen Konkurrenten Aventis abwenden könnte. Für eine amerikanische Firma "dürfte es sehr schwierig sein und in Europa sind die Unternehmen rar und zur Zeit zu beschäftigt", sagte Dehecq der französischen Tageszeitung "Le Figaro".

<P>Gleichzeitig berichtet die Tageszeitung "Die Welt" über einen Konflikt zwischen Aufsichtsrat und Vorstand von Aventis. Vorstandschef Igor Landau habe bereits Anfang Januar von feindlichen Übernahmeplänen des Konkurrenten Sanofi-Synthélabo gewusst, schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen Bericht von Sanofi an die US-Börsenaufsicht SEC.</P><P>Mitglieder des Kontrollgremiums fühlten sich von Landau schlecht informiert. Außerdem forderten sie eine klare Strategie, um die feindliche Offerte abzuwehren. Bereits drei Wochen vor dem feindlichen Angebot, das am 26. Januar in Paris vorgelegt wurde, habe der Vorstand des Straßburger Konzerns von den Angriffs-Planungen gewusst. Die Konzern-Kontrolleure seien darüber aber nicht informiert worden. Zudem seien die Vorbereitungen für einen Abwehrkampf nur schleppend begonnen worden, hieß es.</P><P>Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat sich unterdessen nachdrücklich für eine Erhaltung des Standorts Frankfurt des Pharmakonzerns Aventis ausgesprochen. In den ARD-Tagesthemen sagte Clement, die Politik könne wenig gegen die geplante feindliche Übernahme von Aventis durch den französischen Konkurrenten Sanofi-Synthélabo ausrichten. Diese Frage müsse von den Unternehmen entschieden werden.</P><P>"Ich habe den Eindruck, das wird noch eine längere Schlacht werden. Ich gehe davon aus, dass, wie immer sie ausgeht, der Standort Frankfurt und die vielen, vielen außerordentlich wertvollen Arbeitsplätze dort erhalten bleiben", sagte Clement. Am Montag will Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac auch dieses Problem erörtern.</P><P>Die deutsche Aventis-Führung forderte die Politik auf, sich aus dem Übernahmekampf mit Sanofi-Synthélabo herauszuhalten. Es handele sich um die Auseinandersetzung zwischen zwei Privatfirmen, sagte der Chef der Aventis Pharma Deutschland GmbH, Heinz-Werner Meier. "Mit Sanofi können wir alleine kämpfen, aber nicht mit der französischen Regierung." Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Konzerns will am Mittwoch in Straßburg über das weitere Vorgehen beraten.</P><P>Bei Aventis in Deutschland wächst unterdessen bei Management und Mitarbeitern der Widerstand gegen eine feindliche Übernahme des Konzerns durch den Sanofi-Synthélabo. Das Angebot sei "ein Witz" und weder im Sinne der Aktionäre noch der Mitarbeiter, sagte Meier, am Dienstag bei einer Protestveranstaltung vor mehr als 6000 Mitarbeitern in Frankfurt. "Wir wollen nicht aufgekauft werden, auch nicht für einen höheren Preis", betonte Meier. Es gebe Optionen, die strategisch mehr Sinn machten.</P><P>Sanofi hatte am Montag vergangener Woche den Aktionären des deutsch-französischen Konzerns Aventis ein Kaufangebot über insgesamt 47,8 Milliarden Euro unterbreitet. Aventis-Vorstand und -Aufsichtsrat wiesen das Angebot als zu niedrig zurück. Für Dehecq basiert der Widerstand in Deutschland "auf einem Missverständnis". Ziel sei es, "die Nummer eins in Europa" zu bilden. "Wir wollen keine Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Ich will die Forschung in Deutschland stärken."</P>

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