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Software-Riese SAP hat seine Kunden verärgert.

SAP-Kunden revoltieren gegen Preisdiktat

Walldorf - Zuerst brodelte der Widerstand nur in Internetforen, dann wurden Fachmedien aufmerksam und jetzt sieht sich der Walldorfer Software-Riese SAP plötzlich einer breiten Bewegung gegenüber. Mittelständler quer durch alle Branchen und über die ganze Republik verteilt fordern: Weg mit der Erhöhung der Wartungsgebühren für Software!

Es sind drastische Worte, die aus den Unternehmen kommen. Von einer “Ausnutzung der Marktmacht“ spricht man beim Hausgeräte- Hersteller Miele, von “reiner Geldmacherei“ bei der Drogeriekette dm und Spar Österreich zitiert die “Lebensmittel Zeitung“ gar mit dem Satz: “Wir fühlen uns erpresst.“

Stein des Anstoßes ist der Mitte des Jahres verkündete Plan von SAP, den Standardservice für seine betriebswirtschaftliche Software einzustellen und stattdessen nur noch einen Premiumservice anzubieten. Das bedeutete für die meisten Kunden de facto: Es wird teurer. Statt heute 17 Prozent der Lizenzgebühren jährlich für die Wartung der Programme zu zahlen, sind demnächst 22 Prozent fällig.

“Bislang hat man mit SAP immer reden können. Bei diesem Thema stoßen wir aber auf Schweigen“, klagt IT-Chef Michael Kranz vom börsennotierten Getränkeabfüllanlagen-Hersteller Krones, immerhin ein Unternehmen mit mehr als 10 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von deutlich mehr als 2 Milliarden Euro. Er werde den neuen Vertrag angesichts der inakzeptablen Vorgaben durch SAP nicht unterschreiben, sagt Kranz.

Krones, Miele und weitere knapp 100 Unternehmen haben sich organisiert, zuerst einen Brief an die beiden SAP-Chefs Henning Kagermann und Léo Apotheker geschrieben und sind nun an die Öffentlichkeit gegangen. Ihr Ziel: SAP an den Verhandlungstisch zu bekommen. “Es soll nicht zu einem Bruch kommen“, sagt ein Sprecher der Initiative. “Herr Kagermann und Herr Apotheker haben uns bislang aber noch nicht geantwortet.“

Bei SAP versteht man die Aufregung nicht so recht. Die Gebührenerhöhung erfolge nur auf das “branchenübliche Niveau“, sagt ein Sprecher. Seit zehn Jahren habe es keine Anhebung gegeben. Zudem bekämen die Kunden nun auch mehr Leistung geboten.

Branchenkenner Jochen Klusmann von der BHF Bank zeigt Verständnis für die Unternehmen: “Dass die Kunden sich nicht über eine Preiserhöhung freuen, ist klar, und auch, dass sie SAP Monopolgehabe vorwerfen.“ Dennoch rechnet er nicht mit einem durchschlagenden Erfolg der Revolte: “Der jetzige Gebührensatz ist schon am unteren Ende des Wettbewerbs. Was ist also die Alternative für die Kunden: Zu einer Oracle zu gehen, die noch teurer ist?“ Maximal werde sich SAP darauf einlassen, die Gebührenerhöhung über einen längeren Zeitraum zu strecken. “Wenn überhaupt.“

Klein beigeben kommt für die Gruppe der 100 Unternehmen aber nicht in Frage. “Auch im Ausland formiert sich der Widerstand“, sagt der Sprecher der Initiative. Doch BHF-Analyst Klusmann gibt zu bedenken: “Die Unternehmen haben noch knapp vier Wochen Zeit. Sonst stehen am 1. Januar viele ohne Wartung für Ihre Software da.“

Daniel Schnettler/dpa

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