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Volkswagen kann jetzt bei Scania durchregieren.

Volkswagen

Scania-Aktionäre machen Weg für Piëch frei

Wolfsburg/München - Volkswagen kann jetzt bei Scania durchregieren. Damit rückt der Nutzfahrzeugkonzern unter dem VW-Dach, zu dem auch MAN gehören soll, in greifbare Nähe.

Nach einer Verlängerung ist Volkswagen doch noch im Ziel. Pünktlich zur gestrigen Hauptversammlung in Hannover konnte der Konzern die geglückte Übernahme von Scania melden. Der schwedische Nutzfahrzeugbauer, wird zwar bisher schon dem Konzern zugeordnet. Wirkliches Durchregieren hat aber das schwedische Aktienrecht verhindert. Doch nun kontrolliert Volkswagen 90,47 Prozent der Aktien und 96,26 Prozent der Stimmrechte. Das verschafft dem Wolfsburger Autogiganten Zugriff auch auf die letzten Aktien. VW kann deren Eigner im Rahmen des Sqeeze-Out-Verfahrens aus dem Unternehmen drängen und Scania von der Börse nehmen. Die Komplettübernahme kostet die Wolfsburger 6,7 Milliarden Euro.

Damit ist der Weg frei zum integrierten Nutzfahrzeugkonzern, zu dem Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch und der Konzern-Lenker Martin Winterkorn Scania, MAN und die Transportersparte VW-Nutzfahrzeuge zusammenschmieden wollen.

Die Münchner Tochter muss deshalb nicht von der Börse. Wie bei Audi kann Volkswagen MAN über den bestehenden Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag steuern. Bisher hält VW 75,26 Prozent der MAN-Aktien. Auch hier würde eine Komplettübernahme einen Milliardenbetrag kosten.

Piëch mahnt seit Jahren eine engere Zusammenarbeit an. VW und Scania sollen ihren Einkauf und die Entwicklung bündeln. Und die Fahrzeuge sollen ähnlich wie im Pkw-Bereich soweit möglich auf Gleichteile zurückgreifen.

Bisher waren die Erfolge bescheiden. Zum Teil waren es rechtliche Gründe, die eine engere Zusammenarbeit verhinderten. Doch zum Teil lag es auch an den beteiligten Personen. Zunächst vermutete Piëch den früheren MAN-Chef Håkan Samuelsson als Bremser. Der Schwede, der früher bei Scania war und im Streit mit Konzernchef Leif Östling ausgeschieden war, musste seinen Posten räumen. Doch die Sache lief immer noch nicht so, wie Piëch sich das vorstellte. Er setzte den Scania-Manager Anders Nilsen bei der Münchner MAN-Nutzfahrzeugsparte als Statthalter ein und holte Östling als Nutzfahrzeug-Vorstand nach Wolfsburg. Auch das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Als jüngste Coups folgten nun die Komplettübernahme von Scania und die Verpflichtung des ehemaligen Daimler-Nutzfahrzeugchefs Andreas Renschler nach Wolfsburg, der ab 2015 die Nutzfahrzeugaktivitäten des gesamten Konzerns leitet.

Wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, wird seit Jahren diskutiert. Ein gemeinsamer Einkauf kann durch größere Marktmacht die Kosten senken. Das ist bereits möglich und wird auch genutzt. Ebenso könnten beide Konzerne in der Entwicklung zusammenarbeiten. Motoren und Fahrerhäuser werden dagegen zum Markenkern gezählt und werden wohl nicht vereinheitlicht.

Ein Kooperationsfeld sind die Schaltgetriebe. Scania baut sie selber, MAN kauft sie beim Zulieferer ZF. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass auch die Getriebe für MAN künftig aus dem schwedischen Södertälje kommen. MAN dagegen gilt als spezialisiert auf die Antriebsachsen von Nutzfahrzeugen und drängt darauf, dass die entsprechende Entwicklungskompetenz und auch die Produktion in München bleiben. Auch eine Plattform für leichte Nutzfahrzeuge könnte bei MAN angesiedelt werden. MAN und VW haben bereits vor Jahrzehnten in einem entsprechenden Projekt zusammengearbeitet.

Wegen der langen Modellzyklen von Nutzfahrzeugen und der langen Vorlaufzeit für einen Generationswechsel kann es aber noch viele Jahre dauern, bis die von Piëch geforderten Einsparungen von 650 Millionen Euro im Jahr tatsächlich erreicht sind.

Martin Prem

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