MAN & Scania: Karten sind neu gemischt

- München -­ Der Abgang von Bernd Pischetsrieder sorgt für weitere Turbulenzen im Übernahmekampf in der Lastwagenbranche. "Die Frage ist: Wer spricht jetzt eigentlich für Volkswagen?", heißt es. Die ohnehin schon festgefahrene Lage werde nun noch komplizierter. MAN versucht derzeit den widerstrebenden schwedischen Konkurrenten Scania zu übernehmen. VW spielt dabei als Großaktionär beider Lastwagenbauer eine Schlüsselrolle und würde gern eigene Lastwagen-Aktivitäten in einen neuen Dreierbund einbringen.

VW hält 20 Prozent an MAN und 34 Prozent der Scania-Stimmrechte. Pischetsrieder hatte sich aktiv in die Angelegenheit eingeschaltet. Zunächst sah es so aus, als würde VW die Übernahmeofferte von MAN unterstützen. Doch kurz darauf wies Pischetsrieder das Angebot zurück und forderte MAN und Scania auf, auf friedlichem Wege eine Allianz zu schließen. "Es sieht so aus, als sei Pischetsrieder von Piëch zurückgepfiffen worden", spekuliert ein Branchenexperte. Dies sei auch ein denkbarer letzter Auslöser für die jetzt erfolgte Trennung.

Ob der künftige VW-Chef Martin Winterkorn sich bei dem Thema ähnlich engagieren wird wie Pischetsrieder, ist offen. "Er ist ein reiner Automann", sagt ein Branchenexperte. Allerdings wird im Umfeld von Scania darauf hingewiesen, dass auch Piëch bei dem Thema engagiert war und Gespräche mit dem anderen Scania-Großaktionär Investor geführt habe.

Investor lehnt bisher eine Übernahme von Scania durch MAN ab. Die Beteiligungsgesellschaft aus dem Umfeld der Industriellenfamilie Wallenberg stockte gerade erst ihre Scania-Anteile auf über 20 Prozent auf, um sich noch mehr Einfluss zu sichern. Nach schwedischer Einschätzung kann die Übernahme nun durch Investor blockiert werden. Daher müsse MAN noch stärker auf Scania und Investor zugehen.'

Bei Scania ist Pischetsrieder Aufsichtsratsvorsitzender und man habe keine Signale, dass er dies ändern wolle, heißt es in Schweden. Jedenfalls dürfte das Ziel, bis Ende des Jahres eine Lösung zu finden, nicht einfacher geworden sein. "Da ist noch zu viel Nebel da", heißt es in Branchenkreisen. "Die Karten werden jedenfalls neu gemischt."

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