Scania-Übernahme: Heute legt MAN die Karten auf den Tisch

- München - Im Milliardenpoker um den schwedischen Lastwagenhersteller Scania legt der MAN-Konzern die Karten auf den Tisch. Heute wird mit dem offiziellen Kaufangebot für Scania gerechnet. Gestern informierte der Vorstand bei einer Sondersitzung in München den Aufsichtsrat über die Details der Übernahme. Zu den Inhalten der gestrigen Sitzung hinter verschlossenen Türen äußerte sich MAN nicht. Die Zustimmung des Kontrollgremiums galt in Branchenkreisen aber als Formsache.

Durch die Übernahme von Scania will MAN zum größten Hersteller von Lastwagen und Bussen in Europa aufrücken. Sein Interesse an Scania hatte der Konzern bereits in der vergangenen Woche bekundet, aber keine Details genannt. Der Kaufpreis für Scania wird sich nach Einschätzung von Fachleuten in einer Größenordnung von rund 10 Milliarden Euro bewegen. Mit Spannung wird erwartet, welche Rolle Scania- Großaktionär VW künftig spielen wird.

Volkswagen hält bei Scania 34 Prozent der Stimmrechte und 18,7 Prozent des Kapitals. VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh sprach sich am Wochenende für eine Nutzfahrzeug-Allianz von Volkswagen mit MAN und Scania aus. Es wäre vorteilhaft, wenn Scania-Großaktionär VW in diese Verbindung sein Schwerlaster-Geschäft in Brasilien einbringen würde, sagte Osterloh. Wie eine solche Allianz genau aussehen könnte, müsse abgewartet werden.

"Ein Verkauf des Scania-Anteils würde aber keinen Sinn machen." Auch die schwedische Industriellen-Familie Wallenberg als weiterer großer Aktionär hat bei dem Milliardendeal ein wichtiges Wort mitzureden. Nach Informationen aus Branchenkreisen wollte die Holdinggesellschaft Investor, die von der Wallenberg-Familie kontrolliert wird, bei einem Verkauf der Anteile bar ausgezahlt werden. Durch die Übernahme würde ein Nutzfahrzeug- Riese mit jährlich mehr als 120 000 verkauften Lastern und mehr als 13 000 Bussen entstehen. Gemeinsam haben die Unternehmen rund 80 000 Beschäftigte.

Die Markennamen MAN und Scania sollen auch nach der Übernahme erhalten bleiben. Mit den Übernahmeplänen liefert MAN das beherrschende Thema für die IAA Nutzfahrzeuge, die von 21. bis 28. September in Hannover stattfindet. Viel mehr noch als bisher wird die Aussteller, die in Rekordzahl nach Hannover kommen, die Frage bewegen, wie es weitergeht -bereits seit längerem sagen Experten eine Neuordnung des Marktes voraus. Derzeit läuft das Geschäft mit Lastwagen und Transportern im Gegensatz zum Pkw-Markt auf vollen Touren.

Die Nutzfahrzeug-Branche befindet sich auf dem Höhepunkt des Konjunkturzyklus. Die Auftragsbücher sind voll, die Kapazitäten ausgelastet, die Gewinne sprudeln. "Nach einer schwierigen Restrukturierungsphase Ende der 90er-Jahre präsentiert sich die europäische Nutzfahrzeugindustrie heute in hervorragender Verfassung", diagnostiziert das Institut für Automobilwirtschaft. Das Nutzfahrzeuggeschäft sei derzeit das Zugpferd der gesamten Automobilbranche, sagt der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk.

2006 werde es bei den Zulassungen, dem Export und der Produktion im vierten Jahr in Folge einen robusten Aufschwung geben. Unterm Strich wird mit einem Umsatzplus der Branche von sieben Prozent gerechnet.

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