Aus Schaden klug geworden: Die Hightech-Branche rappelt sich auf

- München - Aus Schaden wird man klug. Das gilt auch für die Unternehmen der Technologieindustrie. Dem ungebremsten Expansionsdrang Ende der neunziger Jahre folgte bei vielen Firmen die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft. Das Ergebnis: Hightech-Unternehmen erzielen wieder Gewinne, die Kurse steigen. Damit könnte die schwer lädierte Branche für Aktionäre wieder interessant werden.

<P>Der Börsenboom Ende der neunziger Jahre dürfte vielen Anlegern noch frisch im Gedächtnis sein. Die Aktienkurse junger Hightech-Schmieden schossen in nie geahnte Höhen, spektakuläre und völlig überteuerte Firmenübernahmen waren an der Tagesordnung, die Mitarbeiterzahlen mancher Unternehmen vervielfachten sich in kürzester Zeit. Doch dann kam das jähe Ende. </P><P>Eine schwächelnde Weltwirtschaft, zahlreiche Bilanzskandale, der Anschlag vom 11. September 2001 und der Irak-Krieg zogen die Börsen rund um den Erdball in die Tiefe - vor allem die überbewerteten Technologie-Aktien. Doch nach und nach gelang es den Hightech-Unternehmen sich auf die veränderte Situation einzustellen. Der Rotstift wurde ausgepackt und die Kosten den stark rückläufigen Umsätzen angepasst. Seit Jahresanfang stellen sich erste Erfolge ein. Jene Firmen, die den drei Jahre andauernden Abwärtstrend an den Finanzmärkten überlebt haben, melden sich zum Teil eindrucksvoll zurück.</P><P>Beispiel SAP: Der Softwarekonzern dürfte nach rückläufigen Gewinnen in den vergangenen beiden Jahren sein Ergebnis je Aktie in diesem Jahr auf über 3,30 Euro mehr als verdoppeln. Beim Münchener Halbleiterhersteller Infineon erwarten Experten nach Verlusten im vergangenen und im laufenden Geschäftsjahr bald wieder schwarze Zahlen.</P><P>Im Technologiesektor ist eine Bodenbildung zu erkennen, bestätigt Roland Pitz, Technologieexperte der HypoVereinsbank. Dies liege zum einen an den Kostensenkungen in vielen Hightech-Unternehmen. Zum anderen sei auch mit zunehmenden Investitionen in neuere Technologien und deshalb mit einer steigenden Nachfrage nach Informationstechnologie (IT) zu rechnen. Dies ist kaum verwunderlich. Schließlich wurde zuletzt in praktisch allen Branchen gespart, wo es ging. Die Folge: In vielen Firmen plagen sich Mitarbeiter mit veralteten Soft- und Hardwaresystemen herum oder klagen über überlastete Netzwerke. Beginnt die Konjunktur, wie von vielen Experten erwartet, sich weiter zu erholen, dürfte sich dieser Investitionsstau langsam auflösen. "Ich rechne deshalb nicht damit, dass es im Technologiesektor weiter abwärts geht", resümiert Experte Pitz. Und wenn nächstes Jahr beides zusammenfällt, verbesserte Kostenstrukturen bei den IT-Unternehmen und eine steigende Nachfrage von den Kunden, dann wird es zu einer Trendwende bei Hightech-Aktien kommen.</P><P>Allerdings, warnt Pitz auch, ist die Technologiebranche sehr vielschichtig und es werden nicht alle Bereiche gleichermaßen profitieren. Zu seinen Favoriten zählt die Softwareindustrie. Jedoch hat dort, wie auch in den anderen Bereichen der Hightech-Branche, die Entwicklung der Aktienkurse in den vergangenen Wochen einen Teil dieser positiven Erwartungen bereits vorweg genommen. Rückschläge sind also nicht auszuschließen, warnt der Analyst. Für vorsichtige Anleger gilt deshalb, sich bei Investments auf profitabel arbeitende Branchenführer, die über eine ausgezeichnete Technologie, aber auch eine solide Bilanz mit entsprechendem finanziellen Polster verfügen, zu konzentrieren. Auch Anleger sollten schließlich aus dem Schaden, den sie in Zeiten des vergangenen Börsenbooms erlitten haben, klug geworden sein.<BR></P>

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