Schadstoffarmes Renovieren: Umwelt-Siegel helfen beim Einkauf

- Motiviert durch Ratgebersendungen im Fernsehen oder Bemerkungen von Nachbarn, machen sich viele Heimwerker immer wieder daran, die eigenen vier Wände zu verschönern. Doch der Schaffensdrang kann Schattenseiten haben: Durch Unwissenheit gelangen beim Renovieren unter Umständen Gifte ins Haus, die Gesundheitsbeschwerden auslösen können. Mit den richtigen Farben und Teppichen sind Heimwerker auf der sicheren Seite.

Im Baumarkt stehen jede Menge Dosen und Eimer im Regal. Da tun sich Laien oft schwer, den Überblick zu behalten und schadstoffarme und gesundheitlich unbedenkliche Produkte auszuwählen. "Bei Wandfarben ist es relativ einfach, etwas fast ohne Schadstoff zu erstehen", sagt Ludger Küper, Direktor des Paint Quality Institute in Frankfurt. Es sei bereits ausreichend, auf das Umweltzeichen "Blauer Engel" zu achten.

Weitaus schwieriger ist der Kauf von Lacken. Auch hier werden zwar Produkte mit dem "Blauen Engel" angeboten, diese dürfen aber bis zu zehn Prozent Lösemittel enthalten. Zu einem kritischen Resümee kommt daher die Zeitschrift "Öko-Test": Die meisten Verbraucher wollten die Luftbelastungen durch Lösemittel vermeiden, heißt es in der April-Ausgabe. Deshalb habe die Industrie mittlerweile auch etliche alternative Lacke auf der Basis von Wasser entwickelt. Diese Produkte seien zwar nicht frei von bedenklichen Lösemitteln. Sie könnten aber immerhin als lösemittel- und emissionsarm bezeichnet werden. Dennoch enthalten sie Wasser, weswegen laut "Öko-Test" Konservierungsmittel eingesetzt werden müssen, die problematisch sein können.

Lacke auf Wasserbasis werden Acryllacke genannt. "Diese Produkte dürfen nicht mit Alkydlack, auch Kunstharzlacke genannt, verwechselt werden", warnt Ludger Küper. Denn Alkydlacke dürften 40 bis 50 Prozent Lösemittel enthalten. "Die jetzt getesteten lösemittelhaltigen Lacke hatten einen Lösemittelanteil von 30 bis 35 Prozent", sagt Gabriele Achstetter von "Öko-Test". "Lösemittelhaltige Lacke sollten aber nur verwendet werden, wo eine besondere Oberflächenqualität erforderlich ist. Wenn ein Teil etwa häufig angefasst wird." Auch Hochglanzeffekte ließen sich nur mit Alkydlack erzielen. Innenräume sollten nach dem Streichen in jedem Fall gut gelüftet werden. In Bezug auf Haltbarkeit und Langlebigkeit seien Acryllacke den lösemittelhaltigen sogar weit überlegen, sagt Ludger Küper. Das hätten Langzeittests seines Instituts nachgewiesen.

Natur pur darf der Kunde auch bei Naturharzlacken nicht erwarten. Auch sie sind üblicherweise lösemittelhaltig, so "Öko-Test". Dabei würden meist synthetische Verbindungen wie Testbenzin verwendet, die 30 Prozent des Gehaltes und mehr ausmachen können. Einige Naturfarbenhersteller hätten aber mittlerweile ebenfalls auf wasserbasierte Lacke umgestellt beziehungsweise ihr Angebot ergänzt.

Neben Anstrichen gehören Versiegelungen von Bodenbelägen zu den gravierendsten Belastungsquellen für die Luft in Wohnräumen. "Reizungen können die Folge sein", sagt Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut in München. "Bei Parkettfußboden sollten Heimwerker deshalb immer fertig versiegeltes oder besser noch fertig geöltes Material kaufen."

"Bei Teppichböden kann oft auf auf das Verkleben des Belags verzichtet werden", fügt Helmut Klingenberger vom Deutschen Teppich-Forschungsinstitut in Aachen hinzu. Beim Kauf sollte man den Verkäufer auf diesen Aspekt ansprechen. Wer auf das Verkleben nicht verzichten kann, sollte einen sehr schadstoffarmen Kleber mit dem Kennzeichen Emi-Code "EC 1" (siehe Abbildung) verwenden.

Weiterführende Links:

http://www.emicode.com/ http://www.umweltinstitut.org/download/gesund_wohnen.pdf

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