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Still und leise hatte Maria-Elisabeth Schaeffler (heute 67) die Firmen-Gruppe in den vergangenen Jahren zu einem Weltkonzern ausgebaut.

Streit um Rettungsschirm

Schaeffler bietet Staat Conti-Aktien an

Berlin - Der wegen der Conti-Übernahme in Schieflage geratene Autozulieferer Schaeffler wirbt in den Verhandlungen mit Bund und Ländern auch für einen direkten Einstieg des Staates. Derweil mehren sich kritische Stimmen, die eine Finanzspritze für die Franken ablehnen.

Der Autozulieferer Schaeffler aus dem fränkischen Herzogenaurach will nicht nur Geld vom Staat, sondern kann sich vorstellen, den Staat direkt zu beteiligen. Schaeffler brachte neben der Anfrage nach Krediten oder Bürgschaften eine Beteiligung des Bundes mit Conti-Aktien ins Spiel, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Branchenkreisen.

Ökonomen und der Wirtschaftsflügel von CDU/CSU im Bundestag warnen davor, Schaeffler mit Steuergeldern zu helfen (siehe Interview unten). Die Allgemeinheit dürfe nicht zur Kasse gebeten werden, weil sich Schaeffler verspekuliert habe. Am heutigen Donnerstag findet in Berlin ein Spitzengespräch von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mit den Regierungschefs Horst Seehofer (CSU/Bayern) und Christian Wulff (CDU/Niedersachsen) statt.

Nach dpa-Informationen fragte der fränkische Familienkonzern Schaeffler beim Bund an, ob für Staatshilfen der neue 100-Milliarden- Schutzschirm der Koalition für die Industrie genutzt werden könne. Über diesen Weg könnte der Bund Conti-Aktien in einer Größenordnung von 3 bis 4 Milliarden Euro übernehmen, so die Überlegung. Dies wird bislang von der Bundesregierung strikt abgelehnt.

Aus dem 100-Milliarden-Euro-Topf, den die Koalition mit dem zweiten Konjunkturpaket beschlossen hat, soll es nur Kredite und Bürgschaften für Unternehmen geben. Auch wurde Schaeffler darauf hingewiesen, dass eine direkte Finanzspritze des Staates wie im Fall Commerzbank an harte Auflagen gebunden wäre. So muss die Commerzbank für die Eigenkapitalhilfen des Bundes neun Prozent Zinsen zahlen. Dies setzte die EU-Kommission durch, die Wettbewerbsverzerrungen verhindern will.

Dabei gilt die Lage bei Conti-Großaktionär Schaeffler als sehr ernst. Der Kugellager-Spezialist hält 49,9 Prozent der Conti-Aktien. Zunächst als Coup von Milliardärin Maria-Elisabeth Schaeffler gefeiert, entpuppt sich die Übernahme des viel größeren, börsennotierten Dax-Konzerns aus Hannover wegen der Finanz- und Autokrise zunehmend als Gefahr für beide Unternehmen. Schaeffler und Conti sind mit insgesamt rund 22 Milliarden Euro verschuldet und haben zusammen über 200 000 Beschäftigte.

Unterdessen berichtete die Wirtschaftszeitung "Automobilwoche", Wettbewerber Bosch wolle gegen mögliche Staatshilfen vorgehen. "Wir werden uns an entsprechender Stelle, auch politisch, dagegen aussprechen", sagte ein namentlich nicht genannter Bosch-Manager dem Blatt. Bosch werde die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern bitten, sich gegen eine Staatsbeteiligung an Schaeffler einzusetzen. VW-Vorstandschef Martin Winterkorn hingegen befürworte einen Rettungsplan für Schaeffler. "Wir haben ein Interesse daran, dass uns Continental und Schaeffler als Lieferanten erhalten bleiben", sagte Winterkorn der Zeitung.

dpa

Maria-Elisabeth Schaeffler

Die blonde, elegante Geschäftsfrau aus Herzogenaurach drängt normalerweise nicht in die Öffentlichkeit. Still und leise hatte Maria-Elisabeth Schaeffler (heute 67) die Firmen-Gruppe in den vergangenen Jahren zu einem Weltkonzern ausgebaut. Schaeffler, 1941 in Prag geboren, wuchs in Wien auf, wo ihr Vater Generaldirektor einer großen Versicherung war. Nach der Schule nahm sie zunächst ein Medizinstudium auf, das sie aber abbrach, als sie 1963 den 27 Jahre älteren Unternehmer Georg Schaeffler heiratete. Dieser hatte bereits 1946 in Herzogenaurach die INA-Schaeffler KG gegründet. Nach und nach wuchs Maria-Elisabeth in das Unternehmen hinein. Nach dem Tod ihres Mannes 1996 trat sie das Erbe an. Sie und ihr Sohn Georg, der als Rechtsanwalt in den USA arbeitet, wurden Alleingesellschafter.

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