Schätzungen zur Konjunktur gehen weit auseinander

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Berlin (dpa) - Die künftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft wird in der Zunft der Ökonomen extrem unterschiedlich eingeschätzt.

Wenige Tage vor Veröffentlichung der offiziellen Konjunkturdaten für das 2. Quartal rechnen Pessimisten unter den Volkswirten mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zum Vorquartal von 1,6 Prozent, während zuversichtliche Prognosen von lediglich minus 0,6 Prozent ausgehen. Das geht aus einer Umfrage der "Welt am Sonntag" unter Forschungsinstituten und Bankvolkswirten hervor. Uneins sind die Experten auch, ob die deutsche Wirtschaft in einen Abschwung gerät oder nur eine vorübergehende Schwächephase durchmacht.

Im ersten Quartal 2008 hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Schlussvierteljahr 2007 überraschend kräftig um 1,5 Prozent zugelegt, begünstigt von einem unerwartet starken Wachstum der Investitionen und dem milden Winter. Schon wegen dieser Vorgabe war für das zweite Quartal mit einem deutlich schlechteren Wert zu rechnen. Das Statistische Bundesamt will die aktuellen Daten an diesem Donnerstag (14. August) veröffentlichen. 2007 war die deutsche Wirtschaft real um 2,5 Prozent gewachsen.

"Die Gemengelage aus Finanzkrise, teurem Öl, hohen Nahrungsmittelpreisen und Inflationssorgen war zu negativ", zitiert die Zeitung Dresdner-Bank-Volkswirt Rolf Schneider, der für das 2. Quartal ein Minus von 0,75 Prozent erwartet. Sein Kollege Michael Bräuninger vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) erwartet sogar ein Minus von 1,6 Prozent.

Für den Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide, sind zwar sowohl das erste als auch das zweite Quartal stark von Sondereffekten beeinflusst. Das lasse die ersten drei Monate etwas besser und die folgenden etwa schlechter erscheinen als angemessen. Für das zweite Quartal rechnet er mit einem BIP-Rückgang um 0,6 Prozent. "Die Konjunktur dürfte sich zwar wieder leicht erholen, aber nicht zu einem neuen Aufschwung ansetzen", sagt Scheide. Der Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels, weist darauf hin, dass das zweite Quartal nicht allein eine Korrektur darstellt, sondern zugleich auch "den Beginn einer längeren Schwächephase" markiert.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, Bert Rürup, mahnt indes zur Gelassenheit: "Deutschland ist noch vergleichsweise gut aufgestellt. Die Auftragsbestände sind noch beachtlich. Das sehr schwache zweite Quartal ist ein Ausreißer." Auch DIW-Ökonom Stefan Kooths sagt: "Das ist noch nicht der Auftakt für einen kräftigen Abschwung."

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