+
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sitzt beim jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforum in Davos neben seinem argentinischen Kollegen, dem Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Dujovne.

Wirtschaftsforum

Schäuble in Davos: „You never eat as hot as it is cooked“

Davos/Berlin - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich beim Wirtschaftsforum in Davos milde im Hinblick auf die EU-Verhandlungen mit London. Dabei fiel er mit einer eigenwilligen Englisch-Übersetzung auf.

Zu Alarmismus neigt Wolfgang Schäuble (CDU) eher nicht. Und dass sein Englisch nicht das beste ist, weiß der Finanzminister selbst. Stichwort: Griechenland-Krise und das berühmte „Isch over“. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos steuerte der mit Etat-Übeschüssen glänzende Kassenwart einmal mehr eine besondere Wortschöpfung bei. 

Um Gelassenheit in der Debatte um Großbritannien und Steuerdumping zu demonstrieren, bemühte Schäuble auf dem Podium das in Deutschland bekannte Sprichwort „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Und sorgte mit seiner sehr eigenen englischen Übersetzung nun auch für internationale Verbreitung sowie Heiterkeit: „You never eat as hot as it is cooked.“ Es ging darum, ob Großbritannien nun eine Steueroase werde und mit dem Finanzzentrum Singapur verglichen werden könne.

Schäuble sprach sich gegen eine „Bestrafung“ Großbritanniens für den EU-Austritt des Landes aus. Der Schaden durch den Brexit müsse für beide Seiten begrenzt werden - für das Vereinigte Königreich und die EU, sagte Schäuble. Das von Premierministerin Theresa May angestrebte Handelsabkommen mit der EU werde sehr schwierig und dauern. Schäuble warnte vor Muskelspielen: „Wir sollten einander nicht drohen, bevor die Verhandlungen starten.“

Schäuble warnt vor Marktabschottung

Mit Blick auf den Wirtschaftskurs des künftigen US-Präsidenten Donald Trump gab sich Schäuble gelassen - warnte aber vor Marktabschottung: „Wir müssen am Freihandel festhalten.“ Diesen dürfe man nicht begrenzen, sondern man müsse ihn eher noch verbessern. Denn globales Wirtschaftswachstum sei wichtig, um nachhaltiges Wachstum zu erreichen, von dem alle profitierten.

Die Ankündigungen Trumps wolle er nicht kommentieren, sagte Schäuble. „Ich warte noch.“ Es sei ein wenig zu früh, die Politik eines Präsidenten vor dessen Amtseinführung zu kritisieren. Es sei „ein guter Weg“, wenn Trump dafür sorgen wolle, dass globale US-Konzerne in den USA mehr Steuern zahlen.

Mit Blick auf die von Trump und May angekündigten Steuersenkungen für Unternehmen warnte Schäuble aber vor einem Wettlauf unter den Top-Wirtschaftsmächten. Die Vereinbarungen der G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer im Kampf gegen Steuervermeidung durch Konzerne müssten eingehalten werden. Die G20 hätten vereinbart, Firmensteuern nicht als Instrument im Wettbewerb zu nutzen. Großbritannien könne auch nicht mit Singapur verglichen werden.

May selbst schlug in Davos einen versöhnlicheren Ton an als bei ihrer Brexit-Rede vor wenigen Tagen. Hatte sie dabei noch damit gedroht, ihr Land in ein Steuerparadies zu verwandeln, lobte sie nun die wichtige Rolle internationaler Institutionen und ihrer Regeln für Frieden und Wohlstand in der Welt. May warnte zudem erneut vor einer Trennung von der EU im Streit.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax legt zum Wochenstart leicht zu
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat zum Handelsauftakt mit moderaten Gewinnen an seine starke Vorwoche angeknüpft. Getragen von den guten Vorgaben der Wall Street und den …
Dax legt zum Wochenstart leicht zu
So soll Amazons Weihnachtsgeschäft gestört werden
Im Streit um eine Tarifbindung beim Amazon hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Montag erneut zum Streik aufgerufen. Das könnte Auswirkungen auf das …
So soll Amazons Weihnachtsgeschäft gestört werden
Zugausfall auf Strecke Berlin-München
Berlin (dpa) - Auf der Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Berlin und München hat es für manche Reisende auch zum Wochenbeginn eine unschöne Überraschung gegeben.
Zugausfall auf Strecke Berlin-München
Windenergie auf See ergiebiger als erwartet
Sollen die Ziele der Energiewende erreicht werden, müssen noch deutlich mehr Windkraftwerke in Nord- und Ostsee errichtet werden, ergab eine Studie im Auftrag der …
Windenergie auf See ergiebiger als erwartet

Kommentare