Scharfer Gewinneinbruch bei Mercedes

- Sindelfingen/Stuttgart - Durch einen massiven Ertragseinbruch der Mercedes-Gruppe hat DaimlerChrysler 2004 weniger Gewinne eingefahren als erwartet. Mit einem drastischen Sparprogramm wollen Konzernchef Jürgen Schrempp und Mercedes-Vorstand Eckhard Cordes nun vor allem der Marke mit dem Stern wieder zu altem Glanz verhelfen.

<P>Der operative Konzerngewinn legte von 5,1 auf 5,75 Milliarden Euro zu, berichtete Schrempp am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Sindelfingen. Analysten hatten mit deutlich über sechs Milliarden Euro gerechnet, als Reaktion fiel die Aktie zwischenzeitlich um 1,6 Prozent auf 35,50 Euro. Auch für 2005 rechnet der Autobauer nur mit einem leichten Gewinnanstieg.<BR><BR>Während die einstigen Sorgenkinder Chrysler und Nutzfahrzeuge mit hohen Gewinnen glänzten, sackte der operative Gewinn in der Mercedes Car Group (Mercedes-Benz, smart, Maybach) um 47 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ab. Allein im vierten Quartal brach er um 97 Prozent auf nur noch 20 Millionen Euro ein. Dollarschwäche, hohe Anlaufkosten für neue Produkte, die Kosten für die Qualitätsverbesserung bei Mercedes-Benz und der deutlich negative Ergebnisbeitrag beim smart drückten kräftig das Ergebnis.<BR><BR>Schrempp zeigte sich jedoch zuversichtlich, die Ertragsprobleme von Mercedes-Benz bald in den Griff zu kriegen. "Wir werden bei der Bewältigung der Herausforderungen bei Mercedes-Benz-Pkw innerhalb von 12 Monaten deutliche Fortschritte machen", sagte er. Das Effizienzprogramm CORE habe die Schwerpunkte Qualitätsoffensive, Kostenoptimierung und Erlössteigerung. Damit sollen die Ergebnisse um mehr als drei Milliarden Euro verbessert werden. Cordes schloss Personalmaßnahmen nicht aus. Allerdings ist ein Stellenabbauprogramm wegen des mit den Arbeitnehmern im Vorjahr vereinbarten Beschäftigungspaktes an den deutschen Standorten nicht möglich. Demnach könnten allenfalls frei werdende Stellen nicht neu besetzt und Arbeitsplätze innerhalb der Gruppe verlagert werden.<BR><BR>Zur verlustreichen Kleinstwagenmarke smart sagte Schrempp: "Wir sind mit der wirtschaftlichen Entwicklung unzufrieden." Es werde an einem langfristig tragfähigen Geschäftsmodell gearbeitet. Die Wirtschaftlichkeit des geplanten Geländewagens smart formore komme nochmals auf den Prüfstand. Das smart-Produktprogramm solle im Laufe der nächsten zwei Jahre attraktiver gestaltet werden. Auch die Einführung von smart in den USA werde untersucht. "Smart hat sehr gute Produkte und die junge Marke smart hat für viele bereits Kultstatus", sagte Schrempp.<BR><BR>Der Konzernchef rechnet auch 2005 nur mit einem leichten Gewinnanstieg. "Mit deutlichen Ergebnisverbesserungen ist in den Jahren 2006 und 2007 zu rechnen." Dann werde sich die Produktoffensive voll auswirken. Herausforderungen blieben aber der schwache Dollar und die Rohstoffpreise. Die weltweite Automobilnachfrage werde sich 2005 bis 2007 voraussichtlich nur moderat verbessern. Finanzvorstand Bodo Uebber sagte, man sei 2005 zu 75 Prozent gegen die Risiken abgesichert (Hedging). Die Beteiligung an Mitsubishi werde nach der neuerlichen Kapitalerhöhung bei den Japanern von derzeit 17,9 weiter auf 13 Prozent sinken, kündigte Schrempp an.<BR><BR>Dass der Konzern im vergangenen Jahr noch glimpflich davonkam, war diesmal auch Chrysler zu verdanken. Das einstige US-Sorgenkind glänzte mit einem Gewinn von 1,4 Milliarden Euro nach einem Verlust von 500 Millionen Euro im Jahr davor. Auch die Nutzfahrzeuge konnten den Gewinn um 64 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro steigern. Bei den Dienstleistungen verbesserte sich der Ertrag im Gesamtjahr um ein Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Das Mautdebakel Toll Collect hat den Konzern im vergangenen Jahr indes mit insgesamt 472 Millionen Euro belastet.<BR><BR>Der Konzernumsatz wuchs im vergangenen Jahr um vier Prozent auf bereinigt 142 Milliarden Euro. Die Mitarbeiterzahl stieg weltweit um sechs Prozent auf 384 723. Die Einkünfte der DaimlerChryslerVorstände sank im vergangenen Jahr um 22,5 Prozent auf 31,6 Millionen Euro. Die Dividende soll unverändert 1,50 je Aktie betragen.</P>

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