Gut gelaunter Angeklagter: Vor Gericht lässt sich der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky nicht anmerken, dass er schon fast ein Jahr in Untersuchungshaft sitzt. dpa

Schatten über der Stiftung „Sonnenschein“

München - Im Korruptionsprozess gegen Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat ein Freund des Angeklagten ausgesagt. Er bestätigte den Verdacht, dass die mutmaßlichen Bestechungs-Millionen aus der Formel 1 nicht krebskranken Kindern, sondern hauptsächlich der Familie Gribkowsky zugutekommen sollten.

Die Reise sollte eine kleine Belohnung für die ehrenamtliche Arbeit sein: Für drei Tage flogen Ulrich L. und andere Bekannte von Gerhard Gribkowsky im Herbst 2008 nach Mallorca. „Wir haben hart gearbeitet und gut gegessen“, erinnert sich L. an den Ausflug. Arbeit machte damals vor allem die Stiftung, deren Name so gut zu Mallorca passt: „Sonnenschein“. In dieser Stiftung schlummerten die Millionen, die der ehemalige Vorstand der Bayerischen Landesbank beim Verkauf der Formel-1-Anteile bekommen hat. Gribkowsky muss sich derzeit vor dem Landgericht München verantworten, weil ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, dass er bei diesem Verkauf mit 44 Millionen Dollar vom Chef der Rennserie Bernie Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino bestochen wurde. Auch Untreue und Steuerhinterziehung wird Gribkowsky vorgeworfen.

Nur zur Tarnung, so vermutet die Anklage, habe er das mutmaßliche Bestechungsgeld in der Stiftung „Sonnenschein“ in Österreich geparkt. Die sollte offiziell die Eltern von krebskranken Kindern unterstützen. Doch tatsächlich gab es seit der Stiftungsgründung 2007 nur einen einzigen Fall, in dem 1400 Euro an die Familie eines kranken Kindes gezahlt wurde. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Eigentlich sollte das Stiftungsgeld nur Gribkowsky und seiner Familie zugutekommen.

Der Münchner Rechtsanwalt Ulrich L., 51, war von der Gründung der Stiftung bis Anfang 2009 Vorstand der Stiftung. Er kennt den ehemaligen Landesbanker Gribkowsky aus dem Rotary-Club, erzählt er gestern bei seiner Zeugenaussage. Als Gribkowsky ihn gebeten habe, eine gemeinnützige Stiftung mitzugründen und zu verwalten, habe er „ohne groß nachzudenken“ zugesagt. Gribkowsky habe gesagt: „Ich brauche das Geld nicht, ich brauche keine Yachten“, erinnert sich L. „Das hat mich beeindruckt, das fand ich gut.“ Doch nach der Gründung passierte lange nichts. „Wer hatte bei der Stiftung eigentlich die Hosen an?“, will der Vorsitzende Richter Peter Noll wissen. „Der Bestimmer war Herr Gribkowsky. Punkt“, sagt Ulrich L.

Die Mallorca-Reise sei der Wendepunkt in seiner Wahrnehmung der Stiftung „Sonnenschein“ gewesen, sagt L. Bei den Beratungen in einem Nobelhotel auf der spanischen Ferieninsel sei klar geworden: „Der Hauptstiftungszweck war die Versorgung des Stifters. Das stand ganz vorne.“ Einen ganzen Nachmittag sei darüber diskutiert worden, wie die damalige Freundin von Gribkowsky durch die Stiftung unterstützt werden sollte.

Richter Noll verliest später den Zusatz zur Stiftungssatzung. Darin heißt es, dass die Eltern krebskranker Kinder nur dann unterstützt werden sollen, wenn nach der Versorgung der Familie Gribkowsky noch etwas übrig bleibe von den Erträgen. Sollte Gribkowsky selbst sterben, würde seine damalige Freundin Lisa M. neben der Miete maximal 250 000 Euro pro Jahr in bar bekommen. Seine drei Kinder und zwei Neffen würden nur im Rahmen ihrer Ausbildung unterstützt.

Ulrich L. will Gribkowsky auch gefragt haben, woher der Geldsegen kam. „Er hätte die Formel 1 wieder auf die Spur gebracht“, erinnert sich L. Der Betrag sei im Verhältnis zu den sonst üblichen Summen in der Rennserie auch gar nicht besonders hoch, schließlich liege die jährliche „Wertschöpfung“ der Formel 1 bei 1,4 Milliarden Euro, soll Gribkowsky gesagt haben. Es sei ihm gelungen, eine Konkurrenzrennserie zu verhindern, dafür habe er die Millionen bekommen. Eine pikante Aussage, denn wenn Gribkowsky tatsächlich von einem so hohen Wert der Formel 1 ausging, müsste er erklären, warum er dann die Anteile der BayernLB an der Rennserie für die im Verhältnis zur angeblichen Wertschöpfung niedrige Summe von 839 Millionen Dollar an den Finanzinvestor CVC verkauft hat. Gribkowsky schweigt bisher zu allen Vorwürfen, Ecclestone hat ausgesagt, er sei von Gribkowsky erpresst worden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Philipp Vetter

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