Wie man bei der Scheidung unnötige Kosten vermeidet

- Nach einer Scheidung stehen die Geschiedenen in der Regel finanziell erst einmal schlechter da. Und das ganze Procedere kostet auch einen Haufen Geld, selbst wenn die Ehe einvernehmlich geschieden wird. Auf jeden Fall ist eine gütliche Einigung "ohne Rosenkrieg" der günstigere Weg.

Scheidungskosten

Die Höhe der Kosten bei Gericht richtet sich nach dem "Gegenstandswert" des Verfahrens. Der Gegenstandswert bemisst sich nach dem Netto-Einkommen der Eheleute bei Beginn des Scheidungsverfahrens, das mal drei genommen wird - für jedes Kind werden 250 Euro mal drei abgezogen. Dazu kommt das sonstige Vermögen, wobei ein Freibetrag von 60 000 Euro und je Kind nochmals von 30 000 Euro abgezogen und aus dem Rest 5 Prozent zum Einkommenswert addiert werden, erklärt Barbara Schiebel, Fachanwältin für Familienrecht in München.

Grundsätzlich muss jeder Ehepartner seinen Anwalt selbst bezahlen. Bei einer gütlichen Scheidung reicht es, dass nur derjenige, der die Scheidung einreicht, einen Anwalt nimmt, und der andere Ehepartner einwilligt.

Unterhalt

Der leistungsfähigere Partner muss dem finanziell schwächeren Unterhalt während des Trennungsjahres zahlen. Dieser richtet sich nach dem Einkommen der Eheleute. Nach der Scheidung ist grundsätzlich jeder für seinen Lebensunterhalt selbst verantwortlich. Allerdings gilt das nicht, wenn (meist) die Frau Kinder betreut und nicht oder nur eingeschränkt arbeiten kann. In Bayern wird laut Schiebel eine Berufstätigkeit ab der 3. Schulklasse erwartet und ab der 5. Klasse des jüngsten Kindes eine Ganztagstätigkeit. Auch starke Einkommensunterschiede, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Alter können einen Unterhaltsanspruch nach der Scheidung begründen.

Kinder

Für den Unterhalt der Kinder kommen beide Elternteile auf. Solange die Kinder minderjährig sind, muss der Elternteil bezahlen, bei dem sie nicht leben, man spricht von "Barunterhalt"; der andere erfüllt seine Unterhaltsverpflichtung durch den "Betreuungsunterhalt". Ab Volljährigkeit des Kindes müssen beide Eltern "bezahlen", das Verhältnis richtet sich nach den Nettoeinkünften. Die Höhe des Unterhaltes wird für Westdeutschland anhand der Düsseldorfer Tabelle ermittelt.

Hausrat

Der ausziehende Ehepartner darf seine persönlichen Gegenstände und mit Einschränkung die für die Führung eines eigenen Haushaltes nötigen Gegenstände mitnehmen. Er muss dabei aber auch dem bleibenden Ehepartner das Notwendige belassen.

Wohnung

Kinder gehen vor, das heißt, dass in der Regel derjenige in der gemeinsamen Wohnung bleiben kann, der die Kinder betreut. Ansonsten zieht derjenige aus, der die Trennung will. Zahlt derjenige Partner, der auszieht, Unterhalt, so sollte er sich bemühen, mit dem Vermieter eine Entlassung aus dem Mietvertrag zu vereinbaren. Dazu benötigt er die Zustimmung des in der Ehewohnung verbleibenden Partners.

Versorgungsausgleich

Die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche werden in dem so genannten Versorgungsausgleich gleichmäßig auf die Rentenkonten der beiden Partner aufgeteilt. Diesen Versorgungsausgleich muss das Gericht von Amts wegen durchführen. Er kann in der Regel nicht durch einen Ehevertrag ausgeschlossen werden, schon gar nicht, wenn dadurch ein Ehepartner der Sozialhilfe anheim fiele.

Vereinbarung

Die Eheleute können sich in einer so genannten Scheidungsfolgenvereinbarung "privat" einigen, wer was bekommt und wie hoch der Unterhalt sein soll. "Bei der Auseinandersetzung über Unterhalt, Zugewinn und Hausratsaufteilung sind die Eheleute gut beraten, dies nicht über das Gericht laufen zu lassen", sagt Schiebel. Die daraus entstehenden Kosten könne man vermeiden. Die Scheidungsfolgenvereinbarung muss, wenn sie eine Vereinbarung zum Zugewinn enthält, dann jedoch beim Notar beurkundet werden oder im Scheidungstermin vom Richter - dazu müssen beide Ehegatten anwaltlich vertreten sein. Anwaltlicher Rat beim Abschluss der privaten Vereinbarung sei jedoch allemal günstiger als langwieriger Streit vor Gericht. Auch den Wert einer Immobilie können die sich Trennenden über einen Makler oder die Hausbank ermitteln lassen. Das muss aber von beiden Seiten anerkannt werden. Gibt es darüber Streit vor Gericht, gibt dieses ein Gutachten über den Wert in Auftrag, was teuer wird.

Gerichts- wie Anwaltskosten richten sich nach dem Streitwert. Geht es etwa um 500 Euro Unterhalt, dann wird der zwölffache Monatsbetrag zu Grunde gelegt, also 6000 Euro.

Versicherungen

Am einfachsten ist es, wenn beide Ehepartner arbeiten und in einer Krankenkasse versichert sind. Es bleibt alles beim Alten. War einer nur mitversichert, so muss er/sie spätestens drei Monate nach der rechtskräftigen Scheidung die Weiterversicherung bei der Krankenkasse anmelden.

Private Haftpflichtversicherung: Der Ehepartner, der bislang mitversichert war, benötigt mit der rechtskräftigen Scheidung eine eigene Police. Kinder bleiben sowohl beim Vater als auch bei der Mutter mitversichert. Unfallversicherungen können aufgeteilt werden. Die Hausratversicherung ist personengebunden. Der Partner, auf dessen Namen sie nicht läuft, muss für seine - neue oder alte - Wohnung, sofern er es für nötig hält, eine eigene Hausratversicherung abschließen.

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