+
Die Karstadt-Quelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz

Quelle-Erbin verklagt Finanzberater

Schickedanz fordert Milliardensumme

Köln - Madeleine Schickedanz war eine der reichsten Frauen Deutschlands - dann verlor sie ihr gesamtes Vermögen. Nun hat sie ihre ehemaligen Finanzberater vor Gericht gebracht.

Im Milliarden-Streit zwischen Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und dem Bankhaus Sal. Oppenheim beginnt an diesem Dienstag (18.12.) in Köln der Zivilprozess. Schickedanz verlangt von früheren Verantwortlichen der einst größten europäischen Privatbank und dem Unternehmer Josef Esch Schadenersatz. Insgesamt fordere die 69-Jährige von 14 Beklagten 1,9 Milliarden Euro, sagte der Sprecher des Landgerichts, Dirk Eßer.

Schickedanz hatte sich in großem Stil am Handelskonzern Arcandor - früher KarstadtQuelle - beteiligt, der 2009 zusammenbrach. Es gibt laut Gerichtssprecher aber auch mehrere Widerklagen, die von Schickedanz eine dreistellige Millionensumme verlangen. Nach Auskunft ihres Anwalts Stefan Homann wird Schickedanz am Dienstag nicht selbst vor Gericht erscheinen.

Von Apple bis Zewa: Das steckt hinter den Markennamen

Von Apple bis Zewa: Das steckt hinter den Markennamen

Durch die Arcandor-Insolvenz hatte Schickedanz, die einst zu den reichsten Deutschen gehörte, fast ihr gesamtes Vermögen verloren. Nun fordert sie Schadensersatz, auch vom Immobilienentwickler Esch. Ihre Begründung: Sie sei falsch beraten worden. Schickedanz hatte dem Gerichtssprecher zufolge ein hohes Darlehen mittelbar von Sal. Oppenheim erhalten. Dieses Geld wollte sie anlegen, und zwar nach eigener Aussage konservativ. Tatsächlich aber habe Sal. Oppenheim riskante Anlagen gewählt. Deshalb fordert Schickedanz nun 1,3 Milliarden Euro Schadensersatz.

Schickedanz will mit ihrer Klage außerdem die gerichtliche Feststellung erreichen, dass die von ihr gegebenen Sicherheiten für das Darlehen in Höhe von rund 600 Millionen Euro nicht angetastet werden. „So kommt man auf den Streitwert von 1,9 Milliarden Euro“, erklärte Eßer. Die Beschuldigten haben die Vorwürfe bereits über ihre Sprecher zurückgewiesen. Sal. Oppenheim war nach Fehlspekulationen und Milliardenverlusten 2009 fast kollabiert und gehört seit 2010 zur Deutschen Bank.

Widerklagen gegen Schickedanz

Teil des komplexen Streitfalls sind auch mehrere Widerklagen. Insgesamt fünf Personen - gegen alle richtet sich Schickedanz' Klage - verlangen ihrerseits in Summe fast 300 Millionen Euro von Schickedanz. Unter den Widerklägern sind Christopher Freiherr von Oppenheim - einer der früheren persönlich haftenden Gesellschafter - und die Ehefrau von Matthias Graf von Krockow, der Sprecher und ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter war. Die Widerkläger hatten laut Gerichtssprecher persönlich für Kreditnehmerin Schickedanz gebürgt und mussten zwischenzeitlich mit Darlehensrückzahlungen für sie einspringen. Das Geld wollen sie nun zurück. Hinzu kommt noch eine Widerklage der Bank, die sich aber nicht um die Bürgschaften dreht.

Die Zivilklage von Schickedanz ist zu trennen von dem bald beginnenden Strafprozess gegen die früheren Verantwortlichen des Bankhauses. Im Februar oder März 2013 muss sich die einstige Führungsriege wegen besonders schwerer Untreue vor dem Kölner Landgericht verantworten. Angeklagt sind Christopher Freiherr von Oppenheim, Matthias Graf von Krockow und die Ex-Bank-Manager Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt sowie Esch aus Troisdorf bei Bonn, der eng mit der Führung von Sal. Oppenheim zusammengearbeitet hatte. Ihnen wird vorgeworfen, der Bank mit Immobiliengeschäften einen zweistelligen Millionenschaden zugefügt zu haben. Die Beschuldigten bestreiten dies.

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt seit mehr als zweieinhalb Jahren gegen frühere Verantwortliche des Traditionshauses. Sal. Oppenheim hat als Tochter der Deutschen Bank eine Schrumpfkur hinter sich gebracht - mit noch knapp 900 von einst 2200 Beschäftigten. Die vier Manager hatten die Bank in Köln kurz vor dem Notverkauf verlassen.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gute Bezahlung ist den Deutschen im Job am wichtigsten
Wie gut ein Arbeitgeber bewertet wird, darüber entscheiden einer Umfrage zufolge vor allem Vergütung und Jobsicherheit. Karrierechancen oder die Vereinbarkeit von …
Gute Bezahlung ist den Deutschen im Job am wichtigsten
Fehler bei Wartungsarbeiten: Commerzbank-Geldkarten gestört
Frankfurt/Main (dpa) - Kunden der Commerzbank und ihrer Tochter Comdirect haben am Samstag über Stunden hinweg ihre Geldkarten nicht benutzen können. Ursache dafür waren …
Fehler bei Wartungsarbeiten: Commerzbank-Geldkarten gestört
Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Berlin (dpa) - Der Verband der Auslandsbanken rechnet wegen des Austritts Großbritanniens aus der EU mit Tausenden neuen Stellen am Finanzplatz Frankfurt.
Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?
Banken dürfen keine Geschäfte mit Terroristen oder Geldwäschern machen. Für Informationen nutzen sie Datenbanken wie World-Check. Doch die soll auch Unbescholtene als …
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?

Kommentare