Schieben, streichen, auszahlen: Was man mit dem Urlaub machen darf

Wer in den Urlaub aufbricht, träumt von Palmen, Berggipfeln, Stränden, Ruhe. Von Ärger träumt niemand. Doch wenn's um die Ferien geht, kommt es immer wieder mal zu Reibereien mit dem Arbeitgeber. Hier Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Jahresurlaub.

Wie viel Urlaub steht mindestens zu?

Das Bundesurlaubsgesetz sieht vier Wochen Mindesturlaub pro Kalenderjahr vor. Bei einer Fünftagewoche sind das 20 Arbeitstage, bei einer Sechs-Tage-Woche 24 Werktage; bei Teilzeitkräften und beispielsweise einer "Zwei-Tage-Woche" acht Tage, was aber ebenfalls "vier Wochen" ausmacht.

Wann gibt es zusätzliche Urlaubstage?

Wenn Tarif- oder Einzelarbeitsvertrag das vorsehen. Außerdem kann bei besonderen Ereignissen "bezahlte Freistellung" beansprucht werden, etwa wenn ein Kind heiratet oder die Großmutter beerdigt wird. Auch die eigene Hochzeit zählt dazu

Kann man durch "Sammeln" von Überstunden den Urlaub verlängern?

Im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber ist das möglich. Dazu gezwungen werden kann weder der Arbeitgeber noch der Arbeitnehmer.

Kann Urlaub "häppchenweise" genommen werden?

Nach dem Bundesurlaubsgesetz ist der Urlaub "zusammenhängend" zu gewähren, es sei denn, betriebliche oder persönliche (Arbeitnehmer-)Gründe würden eine Teilung erforderlich machen. Mindestens muss ein "Urlaubsteil" zwei Wochen umfassen.

Gibt es immer Urlaubsgeld?

Lohn oder Gehalt laufen während des Urlaubs als "Urlaubsentgelt" weiter. Dessen Höhe richtet sich nach der während des Urlaubs ausfallenden Arbeitszeit und der hierfür gezahlten Vergütung. Spesenzahlungen bleiben bei der Berechnung unberücksichtigt, weil sie nicht zum Arbeitsentgelt gehören (BAG, 5 AZR 257/00). Zusätzliches Urlaubsgeld sieht das Gesetz nicht vor. Meist ist es jedoch per Tarifvertrag (oder auch im Einzelarbeitsvertrag) festgelegt; es wird entweder als Festbetrag oder in Prozentsätzen vom Monatsverdienst gezahlt.

Für wen gelten Betriebsferien?

Zwar kann ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern nicht individuell vorschreiben, wann sie in Urlaub zu gehen haben. Doch kann er "kraft Direktionsrecht" Betriebsferien vorsehen. Hinter den damit begründeten betrieblichen Belangen müssen die individuellen Urlaubswünsche der Arbeitnehmer _ von Härtefällen abgesehen - zurückstehen (Landesarbeitsgericht Düsseldorf, 11 Sa 378/02). Betriebsferien müssen mit dem Betriebsrat abgestimmt sein und sind damit "verbindlich". Doch kann einem Arbeitnehmer Urlaub auch außerhalb der Betriebsferien bewilligt werden. Besteht dann aber während der Betriebsferien keine Beschäftigungsmöglichkeit für ihn, so hat der Arbeitnehmer keinen Entgeltanspruch.

Wer darf den Urlaubstermin verlegen?

Ein per Urlaubsliste eingeteilter Urlaub kann nur verlegt werden, wenn dringende betriebliche Gründe eintreten (etwa ein lukrativer Auftrag für den Arbeitgeber oder die Erkrankung mehrerer Kollegen) oder persönliche Gründe beim Arbeitnehmer (etwa die schwere Erkrankung des Ehepartners). Wird der Urlaub auf Veranlassung des Arbeitgebers verlegt, muss er dem Arbeitnehmer etwaige Mehrkosten ersetzen, etwa Stornogebühren oder einen Saisonzuschlag.

Ist es erlaubt, während des Urlaubs woanders zu arbeiten?

Das Bundesurlaubsgesetz untersagt Erwerbstätigkeiten, "die dem Urlaubszweck zuwiderlaufen". Aber: Gefälligkeitsarbeiten für den Nachbarn fallen nicht darunter. Auch "eigenwirtschaftliche" Tätigkeiten sind erlaubt, etwa die Arbeit am eigenen Haus. Ansonsten gilt: Wer während des Urlaubs anderswo arbeitet, der muss mit einer Kündigung seines Arbeitgebers rechnen.

Geld statt Urlaub: Geht das?

Das Bundesurlaubsgesetz verbietet die Barabgeltung von Erholungsurlaub. Ausnahme: Scheidet ein Arbeitnehmer aus dem Arbeitsverhältnis aus und steht ihm noch Urlaub zu, der bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses nicht mehr genommen werden kann, so muss der Chef ihn bar abgelten.

Rubriklistenbild: © dpa

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