Hafen von Yantian: Die chinesichen Behörden haben den viertgrößten Container-Hafen der Welt weitgehend dicht gemacht und damit dem Welthandel einen schweren Schlag versetzt.
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Hafen von Yantian: Die chinesichen Behörden haben den viertgrößten Container-Hafen der Welt wochenlang weitgehend dicht gemacht.

Corona-Chaos auf See

Mega-Schiffsstau: Lage vor China-Hafen Yantian spitzt sich weiter zu

  • Thomas Schmidtutz
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Die weitgehende Schließung des chinesischen Hafens Yantian hat die Lieferengpässe im ohnehin stockenden Welthandel weiter verschärft. Für Verbraucher verheißt das nichts Gutes.

München/Kiel – Der Schiffsstau* im chinesischen Perlflussdelta spitzt sich weiter zu. Nach einer aktuellen Auswertung des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) liegen aktuell 50 Container-Schiffe in der Region vor dem Hafen Yantian vor Anker, sagte IfW-Volkswirt Vincent Stamer am Dienstag gegenüber Merkur.de*. Dies sei der höchste Stand seit Beginn der Auswertungen. Auf dem Corona-Hoch in China vor gut einem Jahr lagen im Schnitt noch rund 30 Container-Riesen in der Region vor Anker. Zu Normalzeiten warten üblicherweise rund zehn Schiffe auf die Abfertigung an den Verlade-Kais.

Die chinesischen Behörden hatten den Mega-Hafen von Yantian in der zum Perlflussdelta gehörenden Metropole Shenzhen* nach mehreren Corona-Fällen Mitte Mai weitgehend heruntergefahren*. Zwischenzeitlich wurden über Yantian gerade noch 40 Prozent der üblichen Containermenge verschifft. Der Yantian Container Terminal in der chinesischen Provinz Guangdong* ist nach Schanghai, Singapur und Ningbo der viertgrößte Containerhafen der Welt. Der Schritt galt unter Branchenexperten als noch größere Beeinträchtigung des weltweiten Container-Schiffsverkehrs als die Blockade des Suez-Kanals durch den Container-Riesen Ever Given* und sorgte auch in vielen deutschen Häfen für Chaos*.

Corona-Chaos: Hafen von Yantian fährt wieder hoch

Seit Donnerstag haben die Behörden die geltenden Corona-Beschränkungen in Yantian aber gelockert. Doch bis sich die Lage wieder normalisiert, dürfte es wohl noch dauern. „Eine erste Entspannung ist hoffentlich in den kommenden zwei bis drei Wochen spürbar“, sagte IfW-Experte Stamer.

Einen Rückgang bei den zuletzt drastisch gestiegenen Transportkosten erwartet Stamer aber zunächst nicht. Die Frachtraten dürften wohl noch für „einige Zeit auf ihrem historisch hohen Niveau“ bleiben, warnte er. Angesicht dessen müssen sich Verbraucher wohl auch weiter auf höhere Preise einstellen. „Mittelfristig müssen Importeure die höheren Transportkosten über höhere Preise der Endprodukte an Konsumenten weitergeben“. Zuletzt kostete der Transport eines 40-Fuß-Standard-Containers von Asien nach Nordeuropa knapp 11.000 Dollar und damit gut acht Mal so hoch wie noch vor Jahresfrist.

Corona-Chaos: Spekulationen um Lieferengpässe bei Bekleidung und Gartenmöbeln

Stamer wagte zunächst keine Aussage darüber, bei welchen Produkte in den kommenden Wochen Lieferengpässe drohen könnten. Einen genaueren Überblick werde es erst geben, wenn die Schiffe in ein bis zwei Monaten nach Europa zurückkehrten. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, wonach der Nachschub bei Fahrrädern, Gartenmöbeln oder Textilien stocken könnte.

Das IfW wertet mit einem neuen Analysetool die Schiffsbewegungen in den 500 größten Häfen weltweit aus. Außerdem fließen die Daten der Schiffsbewegungen und deren Auslastung aus rund 100 Seeregionen in den „Kiel Trade Indicator“ mit ein. Von den Daten erhoffen sich die Ökonomen Rückschlüsse auf die Entwicklung der globalen Handelsströme. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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