Schlappe für Siemens: China verschmäht den ICE

- München - Siemens hat in China eine Niederlage einstecken müssen. Auf mehreren Bahnabschnitten wird künftig ein japanischer Hochgeschwindigkeitszug über die Gleise rollen. Die Volksrepublik entschied sich damit gegen den von Siemens entwickelten ICE. Nun wird spekuliert, dass die Technik aus Deutschland auch auf anderen Strecken nicht zum Einsatz kommt.

<P>Das Projekt gilt als das derzeit zweitgrößte Investitionsvorhaben in China: Auf einer Länge von insgesamt 2000 Kilometern will das dortige Eisenbahnministerium die Geschwindigkeit verdoppeln. Statt mit 100 Kilometern pro Stunde sollen die Züge Fahrgäste und Güter künftig mit 200 Kilometern pro Stunde befördern - unter anderem zwischen Peking und Schenyang im Nordosten sowie zwischen Qingdao und Jinan in der Provinz Schandong. Das Vorhaben lässt sich die chinesische Regierung umgerechnet zehn Milliarden Euro kosten.<BR><BR>Siemens wird von dieser Summe jedoch nichts abbekommen. Denn wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, hat das Eisenbahnministerium den Zuschlag an drei Konsortien mit Unternehmen aus Japan, China, Frankreich und Kanada vergeben. Bitter für den Münchner Konzern, der sich auch beworben hatte: Es wird erwartet, dass der japanische Schnellzug Shinkansen in einer abgewandelten Version die modernisierten Verbindungen abfährt. Dieser Zug ist das asiatische Pedant zum ICE und ereicht ebenso wie der deutsche Konkurrent Geschwindigkeiten von über 300 Kilometern pro Stunde.<BR><BR>Bei Siemens wollte man die Nachricht aus Fernost nicht kommentieren. "Uns ist noch keine offizielle Mitteilung bekannt", sagte eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung. Man stehe aber im engen Kontakt mit dem Eisenbahnministerium.<BR><BR>Der erste Transfer der Shinkansen-Technik nach China gilt als Rückschlag für die Bemühungen des Unternehmens, sich an der Modernisierung der chinesischen Bahn zu beteiligen (siehe Kasten). "Da ist ihnen ein gutes Geschäft entgangen", sagte der Verkehrsexperte Hannes Geier auf Nachfrage. Zudem deuteten chinesische Medien die Enscheidung als richtungsweisend für ein anderes Eisenbahn-Großprojekt: Die geplante 1300 Kilometer lange Strecke zwischen Peking und Schanghai. Auf dieser Route hatte Siemens schon im Januar eine Schlappe hinnehmen müssen, als sich die chinesische Regierung gegen den Bau eines Transrapids entschied, den Siemens mit Thyssen-Krupp anbietet.<BR><BR>Bislang hat Siemens nur mit einer gut 30 Kilometer langen Schwebebahn-Verbindung in Schanghai im chinesischen Markt Fuß fassen können. Die ist allerdings trotz funktionierender Technik wegen der relativ hohen Ticketpreise nur wenig ausgelastet. Im Konzern setzt man dennoch auf das Eisenbahn-Geschäft im Reich der Mitte: "China hat gesagt, dass es noch einige Vorhaben gibt", heißt es im Unternehmen. Ebenso sieht es der Infrastrukturexperte Harald Güther vom Städtebauinstitut in Berlin: "Bei der Eisenbahn gibt es in China noch viel zu tun."<BR></P><P> </P>

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