Schlechte Konsumlaune bedroht Weihnachtsgeschäft

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Berlin/Nürnberg (dpa) - Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist wenige Wochen vor Weihnachten gedämpft. Die andauernde Diskussion um weitere Preissteigerungen verunsichern nach Ansicht der Nürnberger GfK die Konsumenten und drücken deren Kauflaune.

Der Einzelhandel sieht die Kaufzurückhaltung angesichts des Weihnachtsgeschäfts mit Sorge. Selbst wenn das bevorstehende Weihnachtsgeschäft das Niveau des Vorjahres erreichen sollte, rechnet die Branche für 2007 mit einem realen Umsatzschwund von bis zu minus zwei Prozent, teilte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Mittwoch in Berlin mit.

Zum Jahresende hat sich die Konsumstimmung in Deutschland weiter verschlechtert, wie das Marktforschungsinstitut GfK mitteilte. Die Anschaffungsneigung sank auf den niedrigsten Wert seit dem Sommer 2005. Die Lust der Verbraucher, sich etwas zu kaufen, sei so niedrig wie zuletzt 2005, hieß es.

Der Einzelhandel erwartet für November und Dezember mit 75 Milliarden Euro auch nur ein ein Umsatzvolumen wie im Vorjahr. "Heute wäre es ein Erfolg, wenn wir das gute Vorjahresniveau wieder erreichen", betonte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. Im vergangenen Jahr hatten die Unternehmen noch von den vorgezogenen Einkäufen wegen der Mehrwertsteuererhöhung profitiert und beim Weihnachtsgeschäft um nominal 1,2 Prozent zugelegt.

"Natürlich stören die höheren Preise für Energie. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen", sagte der Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Vor allem Konsumartikel seien von den Preissteigerungen nicht betroffen. Der aktuelle Konsumklimaindex sei zwar ein Signal. Doch hofft die Branche darauf, dass "sich das auch wieder beruhigt". So werde für 2008 damit gerechnet, dass die Preise für Öl und Gas etwas zurückgehen und die Lebensmittelpreise moderater steigen. Dann könnte auch der Umsatz um real 0,75 Prozent auf insgesamt rund 400 Milliarden Euro wachsen.

"Die größte Gefahr für die Konsumstimmung und damit das Weihnachtsgeschäft wären weitere Preiserhöhungen", sagte indes der GfK-Experte Dirk Mörsdorf. Neuerliche Preisrunden seien Gift für den Konsum. Auf der anderen Seite habe sich der Abwärtstrend des Konsumklimas deutlich verlangsamt. Die Konsumausgaben hätten sich nach einer Delle zu Jahresbeginn im zweiten und dritten Quartal erholt.

Zugleich habe die Sparneigung nicht weiter zugenommen. "Wenn die Entwicklung so weitergeht, sieht es nicht so schlecht aus für das Weihnachtsgeschäft", ergänzte Mörsdorf. Allerdings müsse dieses ungewöhnlich gut verlaufen, um für das Gesamtjahr noch ein Wachstum von 0,6 Prozent beim privaten Verbrauch zu erreichen.

Nach Einschätzung der Gewerkschaften zehrt die hohe Inflationsrate die Einkommensverbesserungen der Tarifrunde 2007 praktisch auf. "Die durchschnittlichen Tariflohnsteigerungen liegen in diesem Jahr bei 2,4 Prozent", sagte DGB-Chefökonom Dierk Hirschel der "Berliner Zeitung" (Mittwoch). "Das bedeutet, dass die Reallohnsteigerungen nur minimal ausfallen werden". Von der Lohnseite könne es also keine Impulse für den privaten Konsum geben.

Wirtschaftsexperten befürchten angesichts des starken Inflationsanstiegs einen weiteren Preisschub. Mit drei Prozent wurde jetzt die höchste Inflationsrate seit 13 Jahren vermeldet. Der Anstieg sei bedenklich, sagte Roland Döhrn vom Rheinisch- Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) der "Bild"- Zeitung (Mittwoch). Der Chef-Ökonom der BHF-Bank, Uwe Angenendt prognostizierte im "Tagesspiegel" (Mittwoch), dass die hohe Inflationsrate das deutsche Wachstum im kommenden Jahr spürbar drücken könnte. Der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Joachim Scheide, warnte zudem davor, dass sich die Verbraucher an die hohen Inflationsraten gewöhnen und Firmen dieses Verhalten über weitere Preiserhöhungen ausnutzen könnten.

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