Schlechte Noten für die Apotheker

München - Falscher Rat zu Medikamenten, verpfuschte Rezepturen, Fehler beim Blutdruckmessen, Lichtschutzfaktor falsch erklärt: All das ist bei einer Untersuchung von 20 Apotheken durch die Stiftung Warentest passiert. Die Apotheker-Verbände sind besorgt.

Als "miserabel" beschreiben die Experten der Zeitschrift "test" (Ausgabe 07/2007) Beratung und Service in den untersuchten Apotheken. So gab es falsche Auskünfte zu Medikamenten und Sonnenschutzmitteln. Rezepturen wurden verpfuscht oder gar nicht hergestellt, beim Blutdruckmessen ging einiges schief. Einem Schüler mit Konzentrationsstörungen wurden mitunter teure Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

Für die Untersuchung fanden von Februar bis März insgesamt 160 Testbesuche in 20 exemplarisch ausgewählten Berliner Apotheken statt. Sie liegen in Einkaufszentren oder Bahnhöfen und haben viel Laufkundschaft. Nur eine wurde als "gut" bewertet, acht aber "mangelhaft". Weitere acht schnitten "befriedigend" ab, drei "ausreichend". "Diese Ergebnisse sind sehr ernst zu nehmen", betonte Thomas Metz, Sprecher des Bayerischen Apotheker-Verbandes gegenüber unserer Zeitung.

Zum vierten Mal schlechte Ergebnisse

Es ist nicht das erste Mal, dass Apotheker bei der Stiftung Warentest in punkto Beratung schlecht abschneiden - auch 1991, 1999 und 2004 fielen Pharmazeuten im Test negativ auf. Diese fehlende Qualitätsverbesserung findet Hubertus Primus, Chefredakteur der Zeitschrift "test" umso erstaunlicher, als Apotheker zunehmend als Berater gefordert seien. Weil Verbraucher immer mehr Mittel gegen leichte Erkrankungen selbst kaufen und weil Apotheker im zunehmenden Wettbewerb mit dem Versandhandel verstärkt auf ihre persönliche Beratung hinweisen.

Bayerns Apotheker im Test der Kammer

"Apotheker sind Einzelunternehmer", erklärt Katrin Gast, Sprecherin der Bayerischen Landesapothekenkammer, deren Kernkompetenz Qualität sein sollte. "Persönliche Beratung ist das A und O", fügt Verbands-Sprecher Metz hinzu, schließlich stehe der Apotheker in der Verantwortung. Die Kammer führe daher regelmäßig verdeckte Kontrollen mit Testkäufern durch: bayernweit werden so 1000 der insgesamt knapp 3500 Apotheken jedes Jahr überprüft. Eine Tendenz wie es um das Abschneiden der Gesundheitszentren im Freistaat bestellt ist, sei "nicht bekannt", meint Gast. Es könne allerdings sein, dass das von der Kammer geforderte hohe Qualitätsbewusstsein "noch nicht überall angekommen" sei.

Schwierige Laufkundschaft

Die in Berlin gestesteten Apotheken hatten viel Laufkundschaft, was die Beratung erschwert und kaum mit einer Apotheke im Umland zu vergleichen sei. Viele Laufkunden in der Stadt wollen ein bestimmtes Arzneimittel und das möglichst schnell, erklärt Metz. Auf Beratungsversuche würden sie oft unwirsch reagieren. Aber: "Auch bei Kunden, die man nicht kennt, darf die Qualität nicht schlechter sein", betont Gast.

Die gestesteten Berliner hätten demnach wissen müssen, dass Johanniskraut zur Stimmungsaufhellung nicht gleichzeitig mit Marcumar zur Thrombosetherapie eingenommen werden darf, weil es die Wirkung des Blutverdünners vermindert. Das wurde in vier Apotheken aber nicht erklärt. Und nur sechs Apotheken wiesen darauf hin, dass das Schmerzmittel Voltaren Dolo die Wirkung von blutdrucksenkenden ACE-Hemmern wie Delix mindern kann und deshalb regelmäßige Blutdruckkontrollen erforderlich sind.

Bei der Blutdruckmessung selbst - ein Standardservice - überzeugte laut Warentest keine einzige der Apotheken. So wurde nur in 16 von 40 Fällen eine Ruhephase vor der Messung eingehalten.

Es könne prinzipiell nicht sein, dass ein Apotheker mit solchen Szenarien überfordert sei, sagt Gast: "Er ist der Arzneimittelfachmann."

So werden Sie besser beraten:

-Vorbereiten: Bereiten Sie den Besuch in der Apotheke vor. Informieren Sie sich etwa online bei Gesundheitsportalen und Krankenkassen.

-Aktiv fragen: Treten Sie aktiv auf und stellen Sie klare Fragen.

-Klare Sprache: Lassen Sie sich von Fachbegriffen nicht einschüchtern. Schildern Sie Ihr Problem mit Ihren Worten.

-Nachfragen: Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Ebenso, wenn Fragen offenbleiben. Antwortet der Apotheker etwa auf die Frage, ob Sie bestimmte Medikamente zusammen einnehmen können, mit einem lapidaren "Nein". Haken Sie nach: "Ich soll also die beiden Mittel nicht zusammen einnehmen. Welches soll ich morgens und welches abends nehmen? Wie viel Zeit soll zwischen der Einnahme liegen?" Auf diese Weise erfahren Sie oft mehr Details.

-Nachschauen: In Apotheken gibt es Nachschlagewerke und Datenbanken. Bitten Sie den Apotheker, dort nachzuschauen, wenn Ihnen die Auskunft zu unsicher ist.

-Diskretion: Zwischen Kunde und Apotheker herrscht ein ähnliches Diskretionsverhältnis wie beim Arzt ­ inklusive Schweigepflicht. Wenn Sie nicht am Verkaufstresen mit dem Apotheker über Ihre Probleme sprechen möchten ­ weil Sie die vielen Zuhörer in der Schlange hinter Ihnen stören ­ können Sie darum bitten, das Gespräch an einem diskreteren Ort zu führen. "Das ist selbstverständlich", betont Katrin Gast, Sprecherin der Bayerischen Landesapothekenkammer.

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