Wichtige Leistungen fehlen

Schlechte Noten für Privatkassen

München – Privatversicherte müssen nach einer neuen Studie im Krankheitsfall teils deutliche Versicherungslücken fürchten.

Da sich Makler beim Verkauf der Policen häufiger an den Provisionen als am Kundenwohl orientierten, „werden im Ergebnis PKV-Billigtarife und andere PKV-Tarife mit teilweise existenziellen Leistungsausschlüssen im Krankheitsfall verkauft“, so die Beratungsfirma PremiumCircle und das Institut für Mikrodaten-Analyse. Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) wies die Kritik zurück.

Für die Studie wurden insgesamt 208 Tarifsysteme von 32 Versicherern untersucht. Das Ergebnis: Mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme leisten weniger als die gesetzliche Krankenversicherung. Als Beispiele nannten die Autoren Reha-Maßnahmen oder Psychotherapien.

PremiumCircle-Chef Claus-Dieter Gorr sagte, aufgrund mangelnder Vorgaben gebe es in der PKV Bereiche des Marktversagens. „Zur Korrektur sind transparente Pflichtangaben über den jeweils versicherten Leistungskatalog sowie Mindestkriterien als Richtschnur für Versicherungsbedingungen umzusetzen und Provisionsexzesse zu beenden.“ Ko-Autor Thomas Drabinski kritisierte ebenfalls die mangelnde Transparenz. So biete der Preis keine Garantie für einen umfassenden Leistungskatalog: „Es gibt teuere Tarife mit wenig Leistungen und günstige Tarife mit einem guten Leistungsangebot“, sagte Drabinski.

Der PKV-Verband wies die Vorwürfe zurück. „Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung ist die Wahlfreiheit in der privaten Krankenversicherung“, sagte der Direktor des PKV-Verbandes Volker Leienbach. Jeder könne seinen individuellen Schutz zusammenstellen.

Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) appellierte an die Versicherer, von Lockangeboten abzurücken. Einen gesetzlichen Mindestversicherungsschutz lehnt Singhammer dagegen ab. Dies müsse nicht die Politik, sondern der Wettbewerb regeln, sagte Singhammer gegenüber dem Münchner Merkur.

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dpa/sha

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