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Konjunktur

Schlechte Noten für den schwarz-roten Start

Gute Aussichten für die Wirtschaft zum Jahreswechsel: Das Münchner Ifo Institut rechnet für 2014 mit einem Wachstum von zwei Prozent. Kritik übt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn allerdings am Mindestlohn und an der Rente mit 63.

Die wichtigste Zahl ist kaum mehr als eine Randnotiz. Statt über die Konjunkturerwartung spricht Ifo-Chef Hans-Werner Sinn lieber über die Eurokrise und die Beschlüsse der Großen Koalition. Der geplante gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro sei ein „historischer Fehler“, wettert Sinn bei der Vorstellung der Konjunkturprognose für 2014. Die geplante Rente mit 63 Jahren für langjährig Versicherte „fatal“. Schwarz-Rot setze den Erfolg der Reformen aufs Spiel. „Alles, was wir erreicht haben am deutschen Arbeitsmarkt, wird damit zurückgedreht.“

Bevor Sinn jedoch über die Kehrtwende bei der Agenda 2010 klagt, gibt es gute Nachrichten: Um 1,9 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr zulegen – und damit fast fünfmal so stark wachsen wie 2013. „Das ist das Geschenk vom Weihnachtsmann“, sagt Sinn. Wachstumstreiber sind der private Konsum (plus 1,5 Prozent) und die Investitionen in neue Anlagen (plus 4,5 Prozent). Auch der Export zieht um knapp sechs Prozent an.

Deutschland profitiere von der „köchelnden Krise“ – so beschreibt Sinn die derzeitige Lage an den Finanzmärkten. Die Krise in Europa sei zwar noch lange nicht überwunden, ein Auseinanderbrechen der Währungsunion aber vorerst abgewendet. Durch die latente Angst vor einem erneuten Ausbruch fließe viel Kapital zurück nach Deutschland. „Jeder sucht den sicheren Heimathafen.“ Deutschland erlebe dadurch einen gewaltigen Bauboom wie seit den 70er-Jahren nicht mehr, so der Ifo-Chef. Dies stärke die Konjunktur und schaffe Arbeitsplätze.

Sinn rechnet für 2014 mit einer weiteren Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung werde um rund 230 0000 Personen auf 42,1 Millionen steigen, die Arbeitslosenquote um 0,1 Punkte auf 6,8 Prozent sinken. Die Inflationsrate dürfte bei etwa 1,5 Prozent stabil bleiben – und damit leicht über dem Euroraum liegen. Mit der guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland dürften auch die Steuern sprudeln. Sinn erwartet, dass erstmals auch wieder die Schuldenlast reduziert werde – zumindest wenn die neue Regierung nicht weitere großzügige Geschenke verspricht.

Doch schon die bekannten Beschlüsse machen Sinn wütend – allen voran die geplante staatliche Lohnuntergrenze: „Ein Mindestlohn von 8,50 Euro ist schon der Hammer.“ Die höheren Löhne würden zwar zunächst den Konsum befeuern. „Dann kommt aber das böse Erwachen, wenn die Unternehmen Jobs streichen“, warnt der Ifo-Chef. Durch Mindestlöhne werde die Agenda 2010, die maßgeblich zum deutschen Jobwunder beigetragen habe, rückabgewickelt. Nicht besser fällt sein Kommentar zu den Rentenplänen aus. Die geplante Rente mit 63 Jahren koste langfristig mehr, als die Rente mit 67 einspare, klagt Sinn. Einzig die Mütterrente sieht er positiv. „Dafür habe ich Verständnis.“

Und die Eurokrise? Sinn lehnt sich zurück, Zornesfalten bilden sich auf seiner Stirn. „Ich glaube, wir kommen letztlich nicht drum herum, eine große Schuldenkonferenz in Europa zu haben“, sagt Sinn. Dort müsse auch über einen Schuldenerlass diskutiert werden. Mit dem derzeitigen Herumgestolpere werde die Krise auf jeden Fall nicht gelöst. Als ein Journalist nachhakt, wirkt Sinn fast dankbar und zählt seine Forderungen auf: Die Eurozone müsse verkleinert werden. „Wir brauchen eine atmende Währungsunion.“ Das bedeute, dass einzelnen Ländern die Möglichkeit gegeben werde, aus der Währungsunion auszutreten und zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzutreten. „Das jetzige System ist eine Fehlkonstruktion.“

VON STEFFEN HABIT

Rubriklistenbild: © dpa

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