Schlechtes Wetter lässt die Getreide-Ernte einbrechen

- Berlin - "Ist der Siebenschläfer nass, regnet's ohne Unterlass." Das sagt eine alte Bauernregel. Ganz so schlimm kam es in diesem Jahr nicht, doch die Bauern klagen nach dem Siebenschläfertag (27. Juni) über viel zu viel Regen und kühle Temperaturen. Wettergott Petrus hatte nach dem Rekordjahr 2004 kein Einsehen mit der Landwirtschaft: "Die Bauern mussten das Getreide regelrecht vom Feld stehlen", sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner bei der Vorstellung des Ernteberichts 2005.

Bauernverband klagt über sinkende Einkommen

Die Rekordernte 2004 übertraf mit fast 51 Millionen Tonnen sogar den bisherigen Spitzenwert von 2001, der bei knapp 50 Millionen Tonnen lag. Das Wetter spielte mit - im Gegensatz zu diesem Jahr. "Wenn sich in einigen Regionen das Wetter nicht bald bessert, wird es eine Zitterpartie, bis das letzte Erntegut geborgen ist", klagte Sonnleitner. Ein Fünftel des Getreides sei wegen des Wetters noch gar nicht geerntet. Vor dem Regen machten der kalte Frühling und die Trockenheit im Juni den Bauern zu schaffen.

Doch das erwartete Ernteergebnis für dieses Jahr von rund 45 Millionen Tonnen - ein Einbruch um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr - liegt noch weit über dem, was die Bauern vor zwei Jahren einfuhren. Der heiße und trockene Sommer 2003 ließ nur rund 39 Millionen Tonnen zu. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, sagte nüchtern: "Das ist ein Berufsrisiko der Bauern und kein Grund zum Klagen." In dem Verein sind konventionell wirtschaftende und Öko-Bauern aus eher kleinen und mittelgroßen Betrieben organisiert.

Die Stimmung in vielen der rund 400 000 landwirtschaftlichen Betriebe ist nicht rosig. Der Bauernverband klagt über sinkende Einkommen und sieht eine Unsicherheit wegen der Diskussionen über eine Reform des EU-Agrarhaushalts und des Zuckermarktes, bei der die EU-Kommission die garantierten Preise für Rüben und Zucker drastisch senken will. Entsprechend groß sind die Erwartungen an eine neue Bundesregierung: Fast vier Fünftel der Bauern halten nach einer Umfrage unter 500 Betrieben die Angleichung der Wettbewerbsverhältnisse in der EU für äußerst wichtig, drei Viertel fordern Bürokratieabbau.

Der Bauernpräsident kritisierte "nationale Alleingänge" der Bundesregierung und überzogene Umsetzungen des EU-Rechts. "Damit muss Schluss sein", forderte er. "Die Landwirtschaft wurde nicht ausreichend als Wirtschaft wahrgenommen." Das Präsidium des Bauernverbands will am 6. September über Forderungen abschließend beraten. Von einem 100-Tage-Programm für die Landwirtschaft soll das Signal für einen Stimmungsumschwung ausgehen. Die Grünen-Fraktion wies die Kritik zurück: Das Gerede von Wettbewerbsverzerrungen halte den Fakten nicht Stand, weil die Beihilfen zur Sozialversicherung in Deutschland höher als anderswo seien, sagte Verbraucherpolitikerin Ulrike Höfken.

Eine Wahlempfehlung gab der Bauernverband nicht offiziell, doch CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt, im Wahlteam von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel für Agrar, Verbraucherschutz und Umwelt zuständig, kommt gut weg: "Wir wissen eins: Dass die Frau Hasselfeldt gut ist", sagte Sonnleitner.

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