Schlecker-Mitarbeiter schwerer vermittelbar

Nürnberg - Für die Vermittlung der Schlecker-Mitarbeiter, die jetzt vor der Entlassung stehen, sieht eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit wenig Grund zu Optimismus.

Ein Grund: Die Arbeitsmarktsituation ist schlechter als noch im März. „Der Arbeitsmarkt ist nicht so aufnahmefähig, dass er das so kurzfristig wegstecken kann“, sagte die Sprecherin am Montag in Nürnberg der Nachrichtenagentur dapd. Im März mussten etwa 11.000 Schlecker-Mitarbeiter, vorwiegend Frauen, gehen. „Bei der ersten Entlassungswelle lag bei den meisten noch ein Sozialplan zugrunde“, sagte die Sprecherin. Es seien die Angestellten mit den besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt gewesen. Da sei die Arbeitsagentur noch verhalten optimistisch gewesen.

Nach der Entscheidung zur Stilllegung des Ehinger Unternehmens vom Freitag werden jetzt weitere mehr als 13.000 Mitarbeiter voraussichtlich Ende Juni gekündigt. „Es wird jetzt nicht leichter“, sagte die Arbeitsagentur-Sprecherin. „Jetzt kommen Menschen, die zu einer Personengruppe gehören, die es per se schwieriger haben“, sagte sie weiter. Dazu zählten ältere Mitarbeiter oder solche, deren Qualifikationsniveau nicht so hoch ist.

Laut Sprecherin haben die gekündigten Mitarbeiter drei Tage Zeit, sich bei der Arbeitsagentur zu melden. Die Behörde richte sich derzeit auf den 1. Juli ein als das Datum ein, zu dem die entlassenen Mitarbeiter sich melden werden. Die reine Zahl sei zu bewältigen, da sich die Beschäftigten auf ganz Deutschland verteilten. „Das ist für uns normales Geschäft“, sagte sie.

Bisher zehn Prozent wieder in neue Jobs vermittelt

Das hatte die Agentur für Arbeit auch Ende März betont. Allerdings sind seitdem laut Sprecherin deutschlandweit 1.300 von 11.000 Mitarbeitern wieder in Arbeit vermittelt worden, also gerade mal etwas mehr als zehn Prozent.

Die Sprecherin wollte die Zahl nicht werten. „Ich gehe davon aus, dass jedem ein Angebot gemacht wurde“, sagte sie. Ob die Betroffenen den Job angenommen haben, sei die andere Frage. Dabei seien mehrere Dinge zu berücksichtigen. Gerade in ländlichen Regionen sei die Vermittlung relativ schwer, weil einige vielleicht kein Auto haben. Zudem habe Schlecker verhältnismäßig gut bezahlt, und einige Jobangebote hätten einen Lohnverzicht bedeutet.

Ein Sonderfall sei der Standort Ulm, weil dort der Stammsitz von Schlecker sowie das Zentrallager seien. Dort würden mehrere hundert Entlassungen auf einen Schlag erwartet. Derzeit liefen Abstimmungen zwischen den verschiedenen Agenturleitern, die dem Jobcenter in Ulm für ein paar Wochen Arbeitsvermittler oder Fachassistenten für den Empfang ausleihen sollen.

Gläubigerversammlung: Ver.di will demonstrieren

Die Gewerkschaft ver.di will bei der am (morgigen) Dienstag stattfindenden Gläubigerversammlung der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker in Ulm gegen die geplante Zerschlagung demonstrieren. Unter dem Motto „Wir geben nicht auf! Auch wenn Schlecker zumacht - wir sind immer noch da!“ würden ab zehn Uhr Schlecker-Beschäftigte beim Tagungslokal erwartet, teilte die Gewerkschaft am Montag mit. Anschließend spricht ver.di-Landesleiterin Leni Breymaier auf dem Ulmer Marktplatz.

Ver.di fordert die Einrichtung eines Sonderfonds bei der Bundesagentur für Arbeit zur Zahlung der Gehälter für weitere zwei Monate sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft für die entlassenen Beschäftigten. Am Freitag hat der Gläubigerausschuss die Zerschlagung von Schlecker beschlossen. Die wesentlich größere Gläubigerversammlung muss den Beschluss noch bestätigen.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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