Telekom-Schlichter schlägt 6,5 Prozent vor 

Berlin - Im Telekom-Tarifkonflikt haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft für die 17 000 Mitarbeiter der Zentrale in Bonn auf 6,5 Prozent mehr Gehalt in drei Stufen geeinigt.

Sie stimmten am Samstag einem entsprechenden Schlichterspruch des früheren Ersten Bürgermeisters von Hamburg, Henning Voscherau, zu. Das teilten sowohl die Gewerkschaft Verdi in Berlin als auch die Deutsche Telekom in Bonn mit.

Die Verhandlungen in den beiden anderen Strängen, nämlich für die 18 000 Beschäftigten bei T-Systems und die 50 000 Angestellten der Telekom Deutschland GmbH, laufen weiter. Der Schlichterspruch für die Telekom-Zentrale DTAG sei nicht übertragbar, betonten beide Seiten.

Die Einigung für die Telekom-Zentrale DTAG sieht eine Gehaltserhöhung um 2,3 Prozent zum 1. Mai 2012 vor, gefolgt von zwei weiteren Erhöhungen um je 2,1 Prozent zum 1. Januar und zum 1. August 2013. Die Laufzeit beträgt 24 Monate, nämlich bis zum 31. Januar 2014, also zwei Jahre nach Auslaufen des bisherigen Tarifvertrags.

„Damit bleiben die Beschäftigten bei der DTAG unter Berücksichtigung der besonderen Rolle dieser Unternehmenssparte auf Tuchfühlung mit der Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder laut einer Mitteilung. Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger meinte, das Ergebnis tue weh, begrüßte die Einigung aber ebenfalls: „Der Kompromiss bedeutet, dass wir die Leistungen unserer Mitarbeiter durch die Entgelterhöhung honorieren und gleichzeitig den massiven Wettbewerbsdruck auf die Telekom nicht noch weiter verschärfen.“

Telekom-Sprecher Husam Azrak betonte, die wirtschaftlichen Voraussetzungen bei T-Systems und Telekom Deutschland seien anders als in der Zentrale: „Das lässt sich weder einfach noch automatisch auf die anderen Verhandlungsstränge übertragen“, sagte Azrak der dpa.

Bei T-Systems werden die Tarifverhandlungen in der vierten Runde am kommenden Mittwoch, den 2. Mai 2012, in Berlin fortgesetzt. Am 3. Mai entscheidet die große Tarifkommission außerdem über die weiteren Schritte im Tarifkonflikt mit der Telekom Deutschland GmbH.

Der größten der drei Verhandlungsstränge betrifft die 50 000 Beschäftigten der Telekom Deutschland GmbH, zu der unter anderem der Mobilfunk und Servicegesellschaften gehören. Für sie hatte die Arbeitgeberseite Gehaltszuschläge von 3,5 Prozent in mehreren Schritten und über eine Laufzeit von 18 Monatern angeboten. Als Gegenleistung forderte die Telekom von Verdi Zugeständnisse unter anderem bei Arbeitszeiten und Pausenregelungen.

Schröder hatte diesen Vorschlag im Gespräch mit der dpa als „Frechheit“ zurückgewiesen. Nach Berechnungen von Verdi bedeute das Angebot lediglich einen Zuwachs von 1,3 Prozent, wenn man die Laufzeit von 18 Monaten und die Monate ohne Zuschläge auf ein Jahr herunterrechne. „Wenn man alles zusammen nimmt, spart der Arbeitgeber mehr, als er den Arbeitnehmern anbietet“, sagte Schröder.

dpa

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