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Das Kundenverhalten hat sich geändert. Darauf reagieren die Sparkassen, denen auch die niedrigen Zinsen zusetzen.

Banken-Gefüge gerät ins Wanken

Schließungen, Fusionen: Zeitenwende bei den Sparkassen

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München - Bayerns Sparkassen sortieren sich neu: Niedrigzinsen, eine älter werdende Gesellschaft und das Online-Banking setzen die Institute unter Druck. Im Westen Münchens könnte ein neues, bis zu zehn Milliarden Euro schweres Institut entstehen.

Die Sparkassen-Landschaft wird derzeit durcheinandergewirbelt wie seit Jahren nicht mehr: Vielerorts werden Filialen geschlossen, die Sparkassen in Weilheim, Garmisch-Partenkirchen und Schongau wollen fusionieren. Schon bald könnte es zu einem weiteren Zusammenschluss kommen: In der Sparkasse Fürstenfeldbruck gibt es bereits seit Jahren Pläne, mit dem Nachbarinstitut in Dachau zu fusionieren. „Für uns wäre das nach wie vor das zielführende Konstrukt“, sagte der Vorstands-Chef der Sparkasse Fürstenfeldbruck, Klaus Knörr, unserer Zeitung. Vorstand und Verwaltungsrat hätten sich bereits 2011 für eine „Amper-Lech-Sparkasse“ ausgesprochen.

Käme es zur Fusion, würde ein milliardenschweres Gegengewicht zu den beiden Münchner Instituten entstehen. Sofern sich die Sparkassen Freising und Landsberg-Dießen an dem Zusammenschluss beteiligen würden – was Knörr vorschwebt – läge die Bilanzsumme einer Amper-Lech-Sparkasse bei knapp 10 Milliarden Euro. Damit wäre das Institut fast genauso groß wie die benachbarte Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg (siehe Grafik oben). Gleichzeitig bekäme die Stadtsparkasse München, mit einer Bilanzsumme von 16,5 Milliarden Euro Deutschlands viertgrößte Sparkasse, im Westen einen mächtigen Nachbarn.

Sparkassen-Gefüge gerät ins Wanken

Zwar gebe es derzeit keine Verhandlungen, sagte Knörr. Alle benachbarten Institute seien aber angeschrieben und über die Pläne informiert worden. Die Sparkasse Dachau teilte gegenüber unserer Zeitung mit, dass es derzeit keine Überlegungen für einen Zusammenschluss gebe.

Trotzdem könnten niedrige Zinsen, demographischer Wandel und der Trend zum Online-Banking der Idee neuen Auftrieb bescheren. Seit Jahren bauen die Sparkassen Geschäftsstellen ab und ersetzen sie durch kleine Räume mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker, sogenannte SB-Zentren (siehe Grafik unten). Dieses Jahr hat der Umbau einen kräftigen Schub erfahren.

-Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg hat kürzlich angekündigt, 20 ihrer insgesamt 75 Filialen zu schließen und in SB-Zentren umzuwandeln. Rund 200 Stellen sollen dem Umbau zum Opfer fallen. Sozialverbände laufen seit Wochen Sturm dagegen, in Bäckereien tragen sich Kunden in Unterschriftenlisten ein, um Schließungen zu verhindern.

-Die Sparkassen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim und Schongau wollen im April zur „Sparkasse Oberland“ fusionieren.

-Die Sparkasse Erding-Dorfen will vier Geschäftstellen zu SB-Zentren umbauen; 35 Arbeitsplätze sollen in den kommenden Jahren gestrichen werden.

-Bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen sind bereits vier Filialen in SB-Center umgewandelt worden. Fusionen stehen nicht im Raum.

-In Dachau wird eine Geschäftsstelle zu einem SB-Zentrum umgebaut.

-Ruhig ist es am Tegernsee: In der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee gebe es derzeit keine konkreten Pläne Geschäftsstellen zu schließen, heißt es. Vorstands-Chef Martin Mihalovits hatte aber eingeräumt, dass sein Institut unter Kostendruck stehe.

-Die Sparkasse Freising hat den Schrumpfprozess bereits hinter sich – zumindest fürs Erste: Bereits 2014 wurden vier von 20 Geschäftsstellen geschlossen. An weitere Schließungen werde derzeit aber nicht gedacht, heißt es.

-Die Sparkasse Rosenheim-Bad-Aibling untersucht derzeit anhand von Standortanalysen, ob es „Optimierungsbedarf“ gebe. Bereits in den vergangenen Jahren seien Standorte zusammengelegt worden. Außerdem werde bei jedem Arbeitsplatz geprüft, ob er nachbesetzt werde.

-Auch bei der Sparkasse-Altötting-Mühldorf gibt es offenbar einen Stellenabbau: Personelle Veränderungen gebe es „im Rahmen natürlicher Fluktuation“, heißt es. Auch sei „die laufende Überprüfung des Filialnetzes“ zentrale Aufgabe des Instituts.

-Nach Angaben der Sparkasse Wasserburg am Inn gibt es derzeit keine Überlegungen, Filialen zu schließen. Allerdings werden Stellen auch hier abgebaut.

-Die Sparkassen Ingolstadt, Eichstätt und Pfaffenhofen erwägen einem Bericht zufolge die Fusion. Sondierungsgespräche gibt es offenbar auch zwischen den Sparkassen Neu-Ulm-Illertissen und Günzburg-Krumbach.

Durch Niedrigzinsen drohen Verluste

Die Niedrigzinsen machen den Sparkassen zu schaffen. Seit über einem Jahr verharrt der Leitzins der EZB bei 0,05 Prozent – und in den Bilanzen werden Minizinsen zur tickenden Zeitbombe, je länger das Zinstief anhält. Zwar müssen die Institute ihren Sparern derzeit kaum Zinsen auf die Einlagen bezahlen – nur werden die Kredite an Hausbauer und Firmen ebenfalls zu billigen Konditionen vergeben. Nur: Die Kunden haben auf ihre Giro- und Tagesgeldkonten jederzeit Zugriff, hingegen sind die Kreditverträge über Jahre, manchmal Jahrzehnte vereinbart. Wenn eines Tages die Zinsen wieder steigen, werden Sparer vermutlich dazu übergehen, ihr Geld zu lukrativen Konditionen anzulegen. Das Problem: Von den Kreditnehmernn kassiert man dann immer noch Minizinsen – während man den Sparern hohe Zinsen zahlen muss. Im schlimmsten Fall drohen Bayerns Sparkassen Verluste.

Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg ist schon 2014 dazu übergegangen, einen Großteil ihres Gewinns als Reserve zu parken. In Fürstenfeldbruck emmitiert die Sparkasse langfristige Pfandbriefe, um so ihre Kreditlinien zu decken – und Schlimmeres zu verhindern.

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