Schlucken oder teilen? Kampf um ABN Amro

Bankenfusion: - London - Im Kampf um die niederländische Großbank ABN Amro hat das Dreierkonsortium um die Royal Bank of Scotland (RBS) ein offizielles Gegenangebot vorgelegt. RBS bietet gemeinsam mit der belgisch-niederländischen Fortis-Gruppe und der spanischen Banco Santander 71,1 Milliarden Euro und liegt damit über dem Konkurrenzangebot der britischen Großbank Barclays. Den ABN-Amro-Aktionären werden 30,40 Euro in bar sowie 0,844 RBS-Anteile je Aktie geboten.

Die Offerte liegt nach Angaben des Konsortiums knapp 14 Prozent über dem Gebot von Barclays. Das Konsortium wurde bisher vom ABN-Amro-Management abgelehnt. Die Niederländer unterstützen eine Fusion mit Barclays, obwohl diese weniger für ABN Amro zahlen will. Das Barclays-Angebot wird auf rund 63 Milliarden Euro geschätzt. Ein formelles Gebot soll im Juli vorgelegt werden.

Das Dreierkonsortium will ABN Amro zerschlagen und unter sich aufteilen. Das RBS-Konsortium betonte, dass bei der Übernahme durch die drei Banken weniger Arbeitsplätze abgebaut würden als im Falle einer Fusion zwischen ABN Amro und Barclays. ABN hatte im April angekündigt, dann fast 11 000 Jobs zu streichen.

Das RBS-Konsortium rechnet damit, dass die Übernahme Einsparungen von 4,23 Milliarden Euro bringt. Zudem sehen die drei Banken zusätzliche Ertragspotenziale von 1,22 Milliarden Euro. Diese sollen bis Ende 2010 realisiert werden. Die Gewerkschaft Unite äußerte Bedenken und forderte die Beteiligten auf, bekannt zu geben, wie die Kosten eingespart würden.

RBS will Geschäftsteile für rund 27,2 Milliarden Euro übernehmen und hat es vor allem auf das US-Geschäft sowie die asiatischen Segmente abgesehen. Die Bank wolle für die Übernahme neue Aktien für rund 15 Milliarden Euro ausgeben.

Die Fortis-Gruppe beabsichtigt, durch die Übernahme zum Marktführer in den Benelux-Ländern zu werden und Anteile für rund 24 Milliarden Euro zu kaufen. 15 Milliarden Euro davon sollen über die Emission neuer Anteile ge\-stemmt werden.

Banco Santander will mit dem Kauf von ABN Amro-Segmenten für knapp 20 Milliarden Euro die Präsenz in Brasilien ausbauen und in Italien Fuß fassen. Die Spanier müssen sich für die Übernahme zwischen 9,5 und zehn Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgen. 

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