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Schwarze Schafe schaden einer ganzen Zunft. Gerade in Notfällen am Wochenende oder in der Nacht langt mancher Schlüsseldienst über Gebühr hin. Gerichte urteilen aber häufig im Sinne der Verbraucher.

Schlüsseldienste: Auch feiertags sind 1000 Euro zu viel

München - Ob unverschämte Feiertagszuschläge oder dubiose Einträge im Branchenverzeichnis: Die schwarzen Schafe unter den Schlüsselnotdiensten beschädigen den Ruf der ganzen Zunft. Vor Gericht unterliegen sie zwar meistens.

Doch nicht jeder Kunde, der geprellt worden ist, traut sich gegen die Abzocker vorzugehen. Sollten sie aber - wie folgende Entscheidungen darlegen:

Wenn die Rechnung Wucher ist

Ein Schlüsseldienst berechnete für das Öffnen und Erneuern eines Türschlosses knapp 1000 Euro, weil er an einem Feiertag tätig werden musste. Der Kunde - offenbar völlig perplex - zahlte die Summe vor Ort in bar. Mit klarem Kopf ging er später gegen die Rechnung an - und gewann vor dem Amtsgericht Bonn. Die wucherische Rechnung hatte die Positionen Anfahrt, Ersatzschloss, Arbeitszeit, Sicherheitsbeschlag und Feiertagszuschlag. Das Gericht nahm sich jede einzelne Position vor, ermittelte die üblichen Preise und stutzt die Rechnung auf 300 Euro. Die Differenz muss der Schlüsseldienst erstatten (AmG Bonn, 2 C 237/08). Ebenfalls um Wucher handelt es sich, wenn ein Schlüsseldienst für die „Notöffnung“ einer Tür 500 Euro berechnet. Vor Gericht hatte das die Folge, dass dem Kunden 300 Euro zu erstatten waren (AmG Frankfurt am Main, 32 C 3037/01-48).

Irreführung über den Firmensitz

Der Betreiber eines Schlüsselnotdienstes machte im Telefonbuch irreführende Angaben über seinen Betriebssitz. Er gab seinen tatsächlichen Standort nicht eindeutig preis. Das Oberlandesgericht Hamm urteilte, dass das unlauter sei. Schließlich sei es für Verbraucher, die einen solchen Notdienst in Anspruch nehmen müssen, enorm wichtig, dass er nah ist, schnell helfen könne und die (Fahr-) Kosten deswegen nicht allzu hoch ausfallen (OLG Hamm, 4 U 11/07).

Der Trick mit dem A

Manche Unternehmen lassen sich mit einem oder mehreren „A“ vor dem Firmennamen in regionale Telefonbücher eintragen, um alphabetisch an erster Stelle zu stehen, warnt die Verbraucherzentrale Brandenburg. Auch suggerieren einige mittels örtlicher Straßennamen und Festnetznummern einen Firmensitz vor Ort. Gerade im Notfall, wenn man schnell eine vertrauenswürdige Firma finden muss, sollte man ein bekanntes regionales Unternehmen beauftragen und gleich einen verbindlichen Festpreis vereinbaren, raten die Verbraucherschützer. Schwarze Schafe unter den Schlüsselnotdiensten agierten oft bundesweit - und sind im Schadensfall schwer zu greifen.

Kostenvoranschlag verbindlich

Hat sich eine Frau aus ihrer Wohnung ausgesperrt und beauftragt sie einen Schlüsselnotdienst, die Tür zu öffnen, so kann die Firma statt der im Telefongespräch veranschlagten 60 Euro nicht im Nachhinein eine Rechnung über 300 Euro ausstellen. Der endgültige Preis hätte lediglich 15 Prozent über dem im Kostenvoranschlag genannten Betrag liegen dürfen (Amtsgericht Leverkusen, 23 C 366/96).

Auch in einem anderen Fall, in dem die Rechnung des Schlüsselnotdienstes gut 100 Prozent über dem zuvor telefonisch vereinbarten Preis lag, musste der Kunde nicht zahlen. Er kann laut Urteil die volle und sofortige Begleichung der Rechnung verweigern - zumal dann, wenn das Schloss im Nu geöffnet worden war. Der Handwerker handelt wegen des Wucherpreises wettbewerbswidrig (OLG Frankfurt am Main, 6 W 218/01).

Kleingedrucktes gilt nicht immer

Eine Klausel in Vertragsbedingungen von Schlüsseldiensten ist unwirksam, wenn sie den Kunden bei Mängeln lediglich eine Nachbesserung einräumen; für den Fall einer misslungenen Reparatur muss das Recht der Preisminderung gegeben sein - oder ein Rücktritt vom Vertrag (Oberlandesgericht Celle, 13 U 16/00). Unzulässig ist auch die Klausel, nach der Reklamationen „innerhalb von 14 Tagen“ mitgeteilt werden müssen - auch bei späterer Entdeckung (LG Verden, 4 O 312/99).

Von Wolfgang Büser und Maik Heitmann

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