Schluss mit der Feierstimmung bei der Bahn: Fahrkarten erneut teurer

- Nach der Bahn-Preiserhöhung im Nahverkehr muss jetzt auch ein Großteil der Fernreisenden tiefer in die Tasche greifen. Zum 1. April werden die Grundpreise für Intercity und ICE im Schnitt um 3,4 Prozent angehoben, teilte die Deutsche Bahn mit. Abhängig von der Entfernung ändern sich die Preise aber unterschiedlich.

<P>Unter 200 Kilometern sinken die Tarife leicht. Bei mehr als 400 Kilometern steigen sie dafür im Schnitt um 5,8 Prozent. Von 700 Kilometern an greift ein neuer bundesweiter Höchstpreis von 111 Euro pro Strecke. Verbände und Gewerkschaften nannten die Erhöhung ein "falsches Signal".</P><P>Nur eine Woche nach dem Festakt zum zehnjährigen Jubiläum der Bahn als Aktiengesellschaft ist die Feierstimmung wieder vorbei: Mit dem erneuten Eingriff ins Preissystem will Konzernchef Hartmut Mehdorn den Fernverkehr nach massiven Einbrüchen endlich auf Gewinnkurs bringen - erwartet werden Mehreinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe binnen eines Jahres. Nachdem die Preise seit 1999 nicht durchgängig angehoben wurden, sei der Schritt auch wegen höherer Energiekosten nötig. Statt einer gleichmäßigen Anhebung für alle Fahrten haben die Tarifplaner das abgestufte Modell erdacht.</P><P>Wo die Konkurrenz von Auto und Billigfliegern hart ist, sollen Kunden angelockt werden, sagt Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch. So werden kurze Strecken zwischen 100 und 200 Kilometern um 1,6 Prozent günstiger. Bei sehr langen Reisen kommt am anderen Ende die neue Preis-Obergrenze zum Zug. "Keine Strecke in Deutschland wird künftig für die einfache Fahrt zweiter Klasse teurer sein als 111 Euro", wirbt Rausch.</P><P>Für 111 Euro quer durch die Republik</P><P>Auch wenn eine Ersparnis erst auf Strecken wie der Neun-Stunden-Tour von Flensburg nach München herausspringt, sei die Vereinfachung sinnvoll, sagt Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Erster Klasse liegt der Maximalpreis, der mit Bahncard-Rabatt halbiert werden kann, bei 167 Euro.</P><P>Im Gegenzug muss ein Großteil der Fernreisenden tiefer in die Tasche greifen. Verbindungen zwischen 200 und 700 Kilometern werden teils deutlich teurer - und das, obwohl viele stark gefragte Routen wie von Berlin nach Köln auch auf den Flugplänen der Billigairlines stehen. Dass viele Kunden abspringen, fürchtet Personenverkehrs-Chef Rausch dennoch nicht. Verbände meldeten dagegen prompt Bedenken an. Die Bahn verunsichere die Kunden erneut, nachdem der Streit um ihre Preise mit dem Comeback der alten Bahncard gerade erst beigelegt war. Erst im Dezember waren Nahverkehrstickets um 4,1 Prozent teurer geworden.<BR>Kritik kassierte die Bahn auch dafür, dass Reservierungen für einen Sitzplatz am Fahrkartenschalter und im Reisebüro künftig drei Euro statt 2,60 Euro kosten werden. Die Bahn verweist darauf, dass die Reservierung am Automaten und per Internet von April an gratis sei. Damit sollen Vertriebskosten gespart werden.</P><P>Ob sich die Einbrüche im Fernverkehr mit den Mehreinnahmen wettmachen lassen, muss sich rasch erweisen. Viel Zeit zum Gegensteuern bleibt dem Bahnchef nicht. Mehdorn steht für sein großes Ziel eines Börsengangs im Wort, den Konzern dieses Jahr in die schwarzen Zahlen zu steuern, nachdem für 2003 nochmals ein operativer Verlust von rund 200 Millionen Euro erwartet wird. Mit teureren Tickets sollten wohl auch Einbußen hereingeholt werden, die durch den wieder möglichen 50-Prozent-Rabatt der Bahncard entstanden sind. Wegen der flauen Konjunktur, den Attacken der Billigflieger und dem Chaos ums Preissystem war die Passagierzahl in Fernzügen 2003 bundesweit um 10 Prozent auf 115 Millionen gesunken.<BR> <BR>Die Preise im Netz: www.bahn.de/</P>

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