Ein Beinbruch berechtigt ein Unfallopfer in jedem Fall mehr Schmerzensgeld zu fordern, als bei einer Schürfwunde. Foto: Fotolia

Schmerzensgeld: Wem es zusteht und was man beachten muss

München - Wer einen Autounfall hat, lässt den Schaden am Fahrzeug von einem Gutachter schätzen. Doch welchen Wert hat ein gebrochenes Bein oder eine Beleidigung? Was Sie zum Thema Schmerzensgeld wissen sollten.

Wann bekommt man Schmerzensgeld?

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, aus denen Schmerzensgeld bezahlt wird. Angefangen vom Schleudertrauma bis hin zu einer misslungenen Blondierung beim Friseur. Dadurch soll der immaterielle Schaden ausgeglichen werden, den jemand durch einen Unfall, eine falsche Behandlung oder durch eine Beleidigung erfahren hat. Aber auch psychische Schäden erkennt das Gericht an. So sprach das Oberlandesgericht Schleswig einer Arzthelferin nach einem Unfall 30 000 Euro Schmerzensgeld zu, weil diese neben körperlichen Verletzungen auch an einer posttraumatischen Belastungsstörung litt (OLG Schleswig 7 U 76/07). Bei harmlosen Verletzungen, wie blauen Flecken, Kratzern oder Schürfwunden, wird in der Regel kein Schmerzensgeld bezahlt.

Wie hoch kann das

Schmerzensgeld sein?

Millionenbeträge wie in den USA gibt es in Deutschland nicht. „Die Höhe des Schmerzensgeldes bemisst sich nach der Art der Verletzung, der Dauer der Schmerzen und des Krankenhausaufenthalts, bleibenden Schäden sowie der Arbeitsunfähigkeit“, erklärt die Juristin der Münchner Rechtsschutzversicherung DAS, Anne Kronzucker. Außerdem würden die Richter in Deutschland genau unterscheiden, ob die Einschränkung den Beruf oder nur das Hobby Fußball betreffe, sagt Markus Schäpe, Jurist vom ADAC. Um einen ersten Eindruck zu bekommen, wie viel Schmerzensgeld die eigene Verletzung wert ist, stellen Gerichte und Verlage, zum Beispiel der ADAC, Schmerzensgeldtabellen zur Verfügung. So bekam eine Frau, deren Aktfoto ungewollt auf dem Titel einer Zeitung abgedruckt wurde, vom Oberlandesgericht Hamm 10 225 Euro zugesprochen. Das Gericht sah in der Veröffentlichung eine schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung (Az. 3 U 132/96). In einem anderen Fall erhielt eine Frau nach einer fehlerhaften Blondierung vom Landgericht Coburg 5000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, weil sie an einer fünf mal fünf Zentimeter großen kahlen Stelle am Hinterkopf litt (LG Coburg, Az.: 21 O 205/09). Auf beide Urteile weist die DAS hin.

„Aus den Tabellen lässt sich aber kein gesicherter Anspruch ableiten. Sie dienen nur zur Einschätzung der Schmerzensgeldhöhe“, sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale München.

Alltagsrisiko gehört

zum Leben

Es gibt aber auch immer wieder Klagen, bei denen das Gericht einen Schmerzensgeldanspruch zurückweist. Diese Fälle fallen dann unter Alltagsrisiko. Ein Beispiel: Ein Mann ist bis vor den Bundesgerichtshof gezogen, weil er sich bei einem Bäcker ein Kirschtaler-Gebäck gekauft und an einem Kirschkern im Gebäck ein Stück eines Zahnes ausgebissen hat. Hier urteilte das Gericht, dass Kirschen nun mal Kerne haben und der Mann nicht erwarten könne, dass ein Kirschtaler keine Kerne hat (Urteil vom 17.3.2009, AZ.: VI ZR 176/08).

Der Gang zum

Arzt muss sein

Ohne ein ärztliches Attest oder eine genaue Diagnose können Schmerzensgeldansprüche bei Verletzungen nicht geltend gemacht werden. Wem also nach einem Auffahrunfall am nächsten Tag der Hals schmerzt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. „Kommt man eine Woche nach einem Unfall zum Arzt, weil man Schmerzen am Hals hat, wird die Versicherung Schwierigkeiten machen, weil der Verdacht auf Betrug naheliegt“, sagt Markus Schäpe.

Ohne Anwalt

wird es schwer

Wer Schmerzensgeld einklagen will, wird um die Hilfe eines Anwalts nicht herumkommen. „Zuerst muss eine Klage bei Gericht eingereicht werden“, sagt Sascha Straub. Damit diese auch Erfolg hat, braucht man unbedingt den Rat eines Fachmanns. „Allein die Formulierung einer Klage stellt einen Laien vor fast unlösbare Probleme“, sagt Straub. Der Anwalt klärt auch bereits im Vorfeld, ob überhaupt ein Anspruch auf Schmerzensgeld besteht und welche Beweise dem Gericht vorgelegt werden müssen. „Die Kosten für den Anwalt trägt der Schädiger, wenn das Gericht dessen Schuld festgestellt hat“, sagt Straub.

Katharina Paul

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