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"Wir haben es nicht hinbekommen": Allianz-Chef Michael Diekmann gestand das Scheitern der Allfinanz-Idee ein.

Milliardenverlust bei der Allianz

Das schmerzliche Ende der Allfinanz

München - Der Münchner Versicherungsriese Allianz hat den wohl teuersten Irrtum seiner Geschichte korrigiert. Um den Preis eines Milliardenverlustes wurde der Konzern die Dresdner Bank acht Jahre nach deren Übernahme wieder los. Die Börse spendet lauten Beifall.

Es war ein großer Plan, die Sache mit der Allfinanz: Der Versicherungsriese Allianz und die Dresdner Bank sollten unter einem Dach alles bieten, was sich ein Kunde in Finanzangelegenheiten nur vorstellen könnte - vom Ausbildungskredit bis zur Sterbegeldversicherung. Der Plan, an dessen Realisierung sich die Allianz mit der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2001 machte, ging allerdings nie auf.

"Wir müssen heute vielmehr eingestehen, dass wir es nicht hinbekommen haben, unsere Ambitionen zu verwirklichen, mit der Dresdner Bank einen Allfinanzkonzern zu schmieden", bekannte Allianz-Chef Michael Diekmann gestern in München. "Wir haben mit aller Ernsthaftigkeit versucht, das Thema Dresdner Bank in Ordnung zu bringen. Am Ende ist es nicht gelungen." Am Ende ist jetzt.

Die Dresdner Bank ist seit 12. Januar das Problem ihres neuen Eigentümers, der Commerzbank (siehe Kasten). Bei der Allianz bleibt ein Milliardenschaden - zum letzten Mal. Hätte Europas größter Versicherungskonzern nur sein Kerngeschäft betrieben, hätte er im vergangenen Jahr vier Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, wie das Unternehmen mitteilte.

Das wäre nur gut halb so viel wie im Vorjahr gewesen, aber in Zeiten der Finanzkrise eines der "weltweit besten" Ergebnisse der Branche, wie Diekmann anpries. Doch wegen der Dresdner Bank büßte die Allianz letztlich 2,4 Milliarden Euro ein. Die Nachwirkungen werden heuer noch mit 400 Millionen Euro zu Buche schlagen. Und wenn man die ganzen Jahre - in denen auch noch tausende Arbeitsplätze vernichtet wurden - ins Kalkül zieht, hat der Plan von der Allfinanz die Münchner um die 14 Milliarden Euro gekostet. Und warum?

Man sei bis Mitte 2007 auf einem guten Weg gewesen, sagt Diekmann. Man habe aber weder das Investmentbanking der Dresdner loswerden noch die Bank in eine Fusion einbringen können, die sie effizienter gemacht hätte. Und so wurde die Allfinanz der Misserfolg, der heute offenbar ist.

Diekmann gehört dem Allianz-Vorstand seit 1998 an, seit 2003 steht er als Nachfolger von Henning Schulte-Noelle an der Führungsspitze. Da drängt sich die Frage nach der Verantwortung auf. Diekmann beantwortet sie so: "Wir gehen nicht hoch erhobenen Hauptes aus der Sache heraus. Aber wir sagen auch, es ist nicht nötig, persönliche Konsequenzen zu ziehen." Immerhin habe man den Verkauf der Bank schnell durchgezogen, nachdem sich die Commerzbank als Käufer angedient hatte. Jetzt gelte: "Obwohl wir unseren Versicherungskunden in Deutschland und einigen anderen Märkten zukünftig einfache Bankprodukte anbieten, ist Banking für uns kein Kerngeschäftsfeld mehr."

An der Börse wurde das Allfinanz-Ende mit einer Kauf-Orgie gefeiert. Die Allianz-Aktie schoss um über zehn Prozent auf gut 55 Euro nach oben. Und das, obwohl die Allianz angesichts der Finanzkrise keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr wagte. Allerdings sieht sich der Konzern als finanziell stabil an. Man müsse in den kommenden Jahren kein neues Kapital aufnehmen. Und trotz des Verlustes soll eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie gezahlt werden.

Im vergangenen Jahr zeigte sich insbesondere das Geschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen als krisenfest. Dies dürfte auch weiterhin eine "stabile Plattform" bieten, erklärte Vorstandsmitglied Helmut Perlet. Er rechnet mit Preiserhöhungen in diesem Segment um 1,5 Prozent.

Auswirkungen der Finanzkrise zeigten sich dagegen bei Lebensversicherungen und Vermögensverwaltung. Das könnten auch die Kunden zu spüren bekommen. Sollten die Zinsen lange auf niedrigem Niveau verharren, könnten die Überschussbeteiligungen - also das, was auf die garantierte Verzinsung einer Lebensversicherung draufgelegt wird - unter Druck geraten, hieß es.


Dominik Müller

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