Schmiergeld-Affäre: Staranwälte sollen Siemens-Chefs schützen

- München - Nachdem der ehemalige Konzernvorstand von Siemens, Thomas Ganswindt, verhaftet worden ist, rückt die Schmiergeldaffäre näher an Vorstandschef Klaus Kleinfeld und den Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer heran. Beide haben vorsorglich zwei Anwälte engagiert, die schon im "Mannesmann-Prozess" zentrale Rollen spielten.

Konzernchef Klaus Kleinfeld hat den Strafrechtler Klaus Volk gewonnen. Volk war im Mannesmann-Verfahren Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer wird von Sven Thomas beraten, der im Verfahren um die Millionenabfindungen bei Mannesmann den ehemaligen Konzernchef Klaus Esser vertreten hat.

Eine Konzernsprecherin erklärte, der Kontakt zu den Anwälten sei bereits nach Bekanntwerden der staatsanwaltlichen Ermittlungen bei Siemens vor einigen Wochen aufgenommen worden. Der Konzern habe auch in der Vergangenheit schon mit den Juristen zusammengearbeitet. In Anwaltskreisen hieß es, auch Finanzchef Joe Kaeser habe sich hochrangigen Beistands versichert.

Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft München den ehemaligen Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt in Untersuchungshaft genommen. Ganswindts Aussagen könnten daher zu einer Belastung für die oberste Führungsspitze werden, hieß es in Verteidigerkreisen.

Ganswindt bleibt vorerst hinter Schloss und Riegel. Die Ermittler gehen von Fluchtgefahr aus. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich nicht zu den Hintergründen der Festnahme äußern. Offenbar hatte ein ehemaliger Vorstandskollege in Vernehmungen gesagt, dass Ganswindt schon seit 2004 von dem Schmiergeldsystem gewusst habe. Damit hat die Schmiergeldaffäre bei Siemens die Ebene der Konzernspitze erreicht.

Ganswindt wurde auch als Nachfolger des ehemaligen Siemens-Chefs Heinrich von Pierer gehandelt, dann hatte aber Klaus Kleinfeld das Rennen gemacht. Der Manager soll nach seiner Festnahme in die Justizvollzugsanstalt Landsberg gebracht worden sein.

Die täglich neuen Hiobsbotschaften kratzen zunehmend am Ansehen von Konzernchef Kleinfeld. In einer Emnid-Umfrage im Auftrag des "Manager-Magazins" waren nur noch 28 Prozent der befragten Aktionäre der Meinung, dass Kleinfeld den Wert des Unternehmens nachhaltig steigern kann. Vor drei Monaten waren es noch 52 Prozent.

Auch Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, in dessen Amtszeit als Siemens-Chef die Affäre fiel, steht immer stärker unter Druck. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte die Ablösung von Pierers als Innovationsberater der Bundesregierung. "Bis zur vollständigen Aufklärung der Schmiergeld-Affäre bei Siemens ist Heinrich von Pierer als Innovationsberater der Bundesregierung und Vorsitzender des Rates für Innovation und Wachstum untragbar." Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger erwägt, von Pierer auf der Hauptversammlung im Januar zum Rücktritt aufzufordern. "Es wäre schön, wenn er den Weg frei machen würde", sagte Willi Bender, der Mitglied im Vorstand der Schutzgemeinschaft ist.

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