Schmiergeld: VW erhebt neue schwere Vorwürfe

- Braunschweig - Die Erwartungen waren groß. "Auspacken" werde der gefeuerte VW-Manager Klaus Joachim Gebauer, hieß es im Vorfeld. Er wolle Licht in die seit Wochen schwelende Schmiergeldaffäre bringen und Einzelheiten über die angeblichen "Lustreisen" für Betriebsräte preisgeben. Doch der 61-Jährige und sein Anwalt Wolfgang Kubicki hielten sich vor dem Arbeitsgericht Braunschweig bedeckt - stattdessen fuhr Volkswagen schweres Geschütz auf und legte überraschend neue Vorwürfe gegen Gebauer und den früheren Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster auf den Tisch.

Seit Wochen steht der frühere VW-Personalmanager im Zentrum des Skandals um Tarnfirmen, Korruption und "Lustreisen", für den Boulevard ist er schlicht der "Sex-Manager". Doch vor Gericht machte Gebauer einen beinahe hilflosen Eindruck. Er sei der "Sündenbock", klagt er. Und: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen." Immer wieder sucht Gebauer den Blickkontakt zu seinem Anwalt Wolfgang Kubicki, wenn etwa Fragen nach den angeblichen "Lustreisen" auftauchen. "Wir haben eine Arbeitsteilung", sagt der 61-Jährige. Kubicki solle reden, er wolle schweigen. Dann aber sagt der Ex-Manager, der 32 Jahre bei Volkswagen beschäftigt und zuletzt für die Beziehungen zum Betriebsrat zuständig war, doch einige kurze Sätze. Gebauer stellt sich als Opfer dar, macht vage Andeutungen, jemand von VW habe versucht, ihn in den Selbstmord zu treiben. Er habe doch eng mit VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz und Betriebsratschef Klaus Volkert zusammengearbeitet - beide hat die Korruptionsaffäre ebenfalls den Job gekostet.

Sein Anwalt, der FDP-Politiker und Medienprofi Kubicki, spricht derweil von "absurdem Theater": Wochenlang habe er VW aufgefordert, die Kündigung seines Mandanten zu begründen, nichts sei geschehen. Dann habe VW vor Gericht mit "unglaublichen Anschuldigungen" gegen seinen Mandanten eine "Show abgezogen".

Überraschend fuhr der Autobauer schweres Geschütz auf gegen Gebauer und die andere Schlüsselfigur der Affäre, Ex-Skoda-Personalchef Schuster. Gleich zu Beginn der nur 15-minütigen Güteverhandlung - in der die Kontrahenten eigentlich eine Einigung suchen sollten - machte der Leiter der VW-Rechtsabteilung, Michael Ganninger, unmissverständlich klar: "Wir werden uns nicht einigen."

Dabei beließ es Ganninger nicht. Er überreichte dem Richter ein Schriftstück und zitierte danach vor versammelter Presse aus dem Dossier gegen Gebauer und Schuster: Diese hätten den Konzern als "Plattform" für Geschäfte in die eigene Tasche missbraucht und dazu ein internationales Geflecht von Tarnfirmen aufgezogen. Gebauer habe zudem Schmiergeld kassiert und Dienstreisen falsch abgerechnet. Kubicki kündigte einen Gegenschlag an: Er werde VW wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten verklagen und Schadenersatz für seinen Mandanten fordern, falls sich die Vorwürfe als falsch erwiesen.

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