Schmiergeld: Manager von Siemens packt aus

- München - In der Schmiergeldaffäre bei Siemens ist die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen vorangekommen. "Spätestens am Dienstag werden wir den neuen Ermittlungsstand veröffentlichen", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Nach Informationen des "Spiegel" hat ein Siemens-Manager erstmals konkrete Adressaten der Zahlungen genannt. Die Staatsanwaltschaft München suche außerdem beim Siemens-Buchprüfer KPMG nach neuen Hinweisen, berichtet "Focus".

Laut "Spiegel" sagte der Manager vor der Münchner Staatsanwaltschaft aus, Entscheidungsträger des griechischen Innen- und Verteidigungsministeriums seien im Zusammenhang mit einem Sicherheitssystem für die Olympischen Spiele 2004 in Athen bezahlt worden.

Laut "Spiegel" erhielt ein früherer Athener Repräsentant des Konzerns jährlich zwischen acht und zehn Prozent des jeweiligen Jahresumsatzes von Siemens Griechenland, um die Geschäfte mit Bargeld zu fördern. Dabei sei es um Beträge von rund zehn Millionen Euro gegangen. Der aussagewillige Manager, der das System der schwarzen Kassen mit aufgebaut hat, sei am vergangenen Freitag aus der Haft entlassen worden. Siemens wollte sich mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht zu dem Fall äußern.

Sollten sich die Vermutungen der Ermittler bestätigen, wonach allein in den vergangenen fünf Jahren rund 200 Millionen Euro Schmiergeld über die schwarzen Kassen geflossen sein sollen, drohen Siemens laut "Spiegel" Steuernachzahlungen von bis zu 60 Millionen Euro plus Strafen. Als Reaktion auf die Affäre wollten einige Aufsichtsräte nun bei ihrer nächsten Sitzung am 11. Dezember unter anderem verlangen, das Präsidium und den Prüfungsausschuss des Kontrollgremiums personell zu verstärken und die Korruptionsaufsicht künftig direkt bei Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld anzusiedeln, berichtete der "Spiegel".

Laut "Focus" hat die Staatsanwaltschaft am 17. November die KPMG-Firmenräume in München durchsucht. Insidern zufolge sei KPMG bei Buchprüfungen auf dubiose Geldströme gestoßen und habe diese dem Unternehmen gemeldet.

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