Schmuggel: Der Zoll schlägt jetzt überall in Deutschland zu

- München - Die Freude über das Schnäppchen währte bei Klaus Olden nur Minuten. Im schwimmenden Travel-Shop auf einem Schiff auf der Oder hatte er fünf Stangen Zigaretten gekauft - zu polnischen Preisen, die weit unter den deutschen liegen. Doch kurz nach Antritt der Heimreise musste er vier Stangen nachträglich verzollen und wieder abgeben.

Mobile Zöllner hatten den Wagen des Seniors angehalten und den überraschten Raucher darüber informiert, dass aus Polen auch nach der EU-Erweiterung nur eine Stange Zigaretten eingeführt werden darf.<BR><BR>Seit 1. Mai sind zwar die Zöllner an den deutschen Grenzübergängen zu Polen und Tschechien verschwunden. Doch Freifahrt bedeutet das nicht. Die Beamten sind nun im Hinterland unterwegs - in "Mobilen Kontrollgruppen". 811 Kilometer misst die deutsch-tschechische Grenze, 442 die deutsch-polnische.<BR><BR>Rund 30 mobile Teams mit zusammen mehr als 1000 Zöllnern gibt es im Umfeld der Grenze. Selbst Bundesländer ohne frühere EU-Außengrenze haben welche - in Thüringen gibt es auch zwei.<BR><BR>"Die Zöllner können kontrollieren, wo sie wollen - im gesamten Bundesgebiet, nicht nur wenige Kilometer hinter der Grenze", erklärt Thomas Jansen, Sprecher der Oberfinanzdirektion Cottbus. Sie stehen an Landstraßen, fahren auf Autobahnen oder warten auf Raststätten ähnlich wie die mobilen Radarkontrolleure der Polizei. "Die Teams arbeiten rund um die Uhr und wechseln ständig ihren Einsatzort", sagte Jansen. Auch an den Grenzübergängen, wo offiziell nur noch der Bundesgrenzschutz kontrolliert, werden sie aktiv. "Wenn der BGS bei der Passkontrolle etwas findet, wird der Zoll gerufen."<BR><BR>Szenarien, wonach zum 1. Mai die Schmuggelaktivitäten im Grenzraum rapide zunehmen werden, sind nach Angaben der Zöllner nicht wahr geworden. Schmuggelgut Nummer eins bleiben die Zigaretten, heißt es aus den Oberfinanzdirektionen. "Besonders auf den Routen aus Polen kann seit dem 1. Mai ein Anstieg der Schmuggelaktivitäten bei Zigaretten festgestellt werden", berichtet das Hauptzollamt Dresden.<BR><BR>Genaue Zahlen über die Schmuggel-Funde im ersten Vierteljahr nach dem Schwinden der deutschen EU-Ostaußengrenze haben die Zollämter und die Zollfahnder noch nicht, nur erste Trends. "Jeden Monat finden die Mobilen Kontrollgruppen in Bayern mehrmals Heroin, Kokain, Ecstasy oder Marihuana in kleinen Mengen", berichtet Jürgen Wamser von der Oberfinanzdirektion Nürnberg. Zehn Mal hätten die bayerischen Zöllner im Mai und Juni zudem Markenpiraten geschnappt.<BR><BR>Überall entlang der Grenze nach Osteuropa müssen zudem Lastwagenfahrer damit rechnen, dass ihr Truck geröntgt wird. In jedem Bundesland gibt es eine teilmobile Container-Prüfanlage, in der der Zoll die Laster durchleuchten kann - auf der Suche nach geschmuggelter Ware oder geschleusten Menschen. <BR>

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