Schnäppchen gefährden Arbeitsplätze

- München - Nicht nur die "Mutter aller Schnäppchen" bereitet dem deutschen Einzelhandel Kopfzerbrechen. Rabatte und Sonderangebote sollen mitverantwortlich für den drohenden Stellenabbau sein. Trotz der erhofften Konjunkturbelebung rechnet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) mit 4500 neuen Firmenpleiten, 20 000 weitere Arbeitsplätze könnten verloren gehen.

<P>"Nach den beiden letzten schlechten Jahren sind viele Unternehmen stark geschwächt", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel dem Handelsblatt. Dabei rechnet der Verband sogar mit einer leichten Besserung der Umsatzentwicklung. Bis zum Jahresende könnte es ein Plus von 0,5 bis 1 Prozent geben, sagte Wenzel. Schuld an den Arbeitsplatzverlusten sind nach Einschätzung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht zuletzt die Rabattschlachten der Unternehmen. Der hohe Kostendruck führe zu Personalabbau.<BR><BR>Im vergangenen Jahr haben laut dem Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels bundesweit rund 13 000 Verkäuferinnen und andere Mitarbeiter im Textileinzelhandel aufgrund des Preiskampfes ihren Job verloren. Das Ausmaß der Rabattschlacht sei durch die Abschaffung des Rabattgesetzes vor rund zweieinhalb Jahren möglich geworden, sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer Siegfried Jacobs. </P><P>Er erwarte allerdings in diesem Jahr ein Abflauen der Rabattwelle. "Auch die Anführer der Rabattschlachten werden in ihren Bilanzen erkennen, dass die Erhöhung des Marktanteils und das Verdrängen von Mitbewerbern wenig erbaulich sind, wenn die Rendite gefährdet ist", betonte Jacobs.<BR><BR>Dagegen sagte der Vizepräsident des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels (LBE) Hans Jürgen Bönsch: "Der schier endlose Krieg um Prozente läuft erst so richtig heiß." Für den Lebensmitteleinzelhandel, der im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 0,6 Prozent verzeichnen konnte, sieht Bönsch die Glaubwürdigkeit durch die Rabattschlachten bedroht. Nur durch "günstige Preise, guten Service und kompetente Beratung" könne man das Vertrauen des verunsicherten Verbrauchers gewinnen und Qualität sicherstellen. <BR><BR>Nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung setzen die Verbraucher längerfristig wieder mehr auf Qualität. "Konsumenten sind der Preiswettbewerbe allmählich überdrüssig", sagte Ifo- Handelsexperte Uwe Christian Täger. Eine "Sättigung" auf Verbraucherseite sei abzusehen.</P>

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