Schnäppchen? Ein Haus kostet nur noch 31 Jahreslöhne

- München - Ein Münchner muss zehn Jahre weniger für sein Haus arbeiten als noch in den Neunzigerjahren. Nach einer Berechnung des Immobilienverbandes Deutschland Süd (IVD) kann sich der Käufer heute mit durchschnittlich 31 Jahres-Nettoeinkommen ein Einfamilienhaus leisten, 1991 musste er noch das verfügbare Einkommen von 41 Jahren aufwenden. "Die Gehälter sind schneller gestiegen als die Kaufpreise", kommentierte der Vorstandsvorsitzende des IVD Süd, Johannes Schneider, diese Entwicklung von Einkommen und Immobilienpreisen. Immobilien seien im Verhältnis zu anderen Anlagen "unterbewertet", die Chancen für Investoren gut.

Die verstärkte Immobilienkaufkraft ist eine Folge der sinkenden Immobilienpreise in München und Oberbayern. Die anhaltende Konjunkturschwäche hat die Preise "leicht bergab" geschickt, so Schneider. Für frei stehende Einfamilienhäuser sind sie in München durchschnittlich von einem Höchststand von 705 000 im Frühjahr 2002 auf jetzt 650 000 Euro gefallen, immerhin ein Abschlag von acht Prozent. Doppelhaushälften gingen von 515 0000 auf 500 000, Reihenmittelhäuser von 410 000 auf 390 000 zurück. Die Preise für Eigentumswohnungen gaben stärker um rund zehn Prozent nach, der Quadratmeter in guter Wohnlage kostet jetzt 2450 statt vorher 2700 Euro. Bei Baugrund sei allerdings die Wende schon erreicht und die Preise gingen wieder nach oben. Noch teurer als in München sind Einfamilienhäuser in Grünwald (780 000), Starnberg (775 000), Tutzing (700 000) und Oberhaching (698 000).

Hausverkäufe ziehen sich immer länger hin, der so genannte Vermarktungszeitraum wächst bis hin zu einem Jahr und mehr, weil die Preisvorstellungen weit auseinandergehen. Da es seit 40 Jahren keine wesentlichen Preisrückgänge gegeben habe, hätten die Makler bei den Verkäufern zu kämpfen, um auf ein vernünftiges Preisniveau zu kommen, sagte Alfred Paul aus Holzkirchen. Häuserkäufe scheitern immer häufiger an der Finanzierung. "Die Banken sind äußerst restriktiv", berichtete Schneider. Nachdem sich österreichische Banken mit guten Konditionen in den Markt gedrängt hätten, sei auch bei den bayerischen Banken ein Umdenken zu spüren.

Schneider setzt darauf, dass die Immobilienpreise bis zum Frühjahr 2006 nicht weiter nachgeben werden. "Bei ersten Anzeichen einer besseren Konjunktur wird dies sofort zu einem Ausschlag nach oben führen", kündigte der IVD-Vorstandsvorsitzende an. Das Geld sei da und das Geld sei billig wie nie. Die Käufer hielten aber ihr "Geld im Trockenen", weil sie um ihren Arbeitsplatz bangten und den Aufschwung abwarten wollten. Einen Anstoß erwartet die Immobilienwirtschaft durch eine Änderung des Alterseinkünftegesetzes, hier sollen Häuser und Wohnungen in Zukunft zu den geförderten Anlagen zählen.

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