Schnäppchenjagd: Händler starten vorzeitig in den Schlussverkauf

- Das Paar Damenschuhe für 79 Euro statt für 149, vier T-Shirts für 20 Euro, das Duschbad runtergesetzt von 9 auf 4,50 Euro. In Deutschlands Einkaufsstraßen geht es zu wie auf dem Höhepunkt des Sommerschlussverkaufs (SSV) - dabei hat dieser nicht einmal begonnen. Eine Woche vor dem Startschuss am 25. Juli wähnt sich mancher Kunde schon im Schnäppchenparadies. Während Verbandsvertreter noch auf dem gemeinsamen Start am nächsten Montag pochen, locken viele Händler schon jetzt mit Rabatten.

365 Schnäppchentage

Möglich macht die vorzeitige Rabattrallye der Wegfall der Ausverkaufsklausel im Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb. Damit fiel der gemeinsame Schlussverkauf 2004 weg, preisreduzierte Ware darf nun das ganze Jahr über in die Regale. Die Schlussverkäufe, die am letzen Januar- und Juli-Montag dennoch beginnen, sind freiwillige Initiativen - an die sich immer weniger Händler halten.Verbände beunruhigt

Doch was die Kunden freut, beunruhigt die Einzelhandelsverbände. Sie mahnen ihre Mitglieder zur Disziplin. "Auf keinen Fall darf es passieren, dass der Schlussverkauf nach vorne gezogen wird", bläute der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels seinen Mitgliedern ein - vergeblich. Viele tauften ihren Schlussverkauf einfach in "Sale" um und griffen zum Rotstift.Start am 25. Juli

"Es wird einen Sommerschlussverkauf geben und der startet am 25. Juli", beharrt dennoch Einzelhandelssprecher Hubertus Pellengahr vom Branchenverband HDE. Er rechne damit, dass zwei Drittel der Geschäfte mitspielen. Doch auch er muss der laufenden Schnäppchenjagd Rechnung tragen. "Natürlich nehmen die Rabattaktionen dem SSV etwas weg", sagt Pellengahr mit Blick auf Nachlässe von 50 und 70 Prozent. "Das kann man nicht toppen."Handel im Minus

Dabei rechnet der schwer gebeutelte Einzelhandel fürs erste Halbjahr 2005 erneut mit einem Minus von rund 0,75 Prozent, wie Pellengahr sagt. Schon deshalb verbreitet er Optimismus: Der freiwillige SSV werde ein Erfolg. Viel zu verdienen gebe es wegen der Rabatte zwar nicht. Doch es sei wichtig, dass die Kunden wieder in die Geschäfte kommen. Von einem Ende des gemeinsamen SSV will Pellengahr nichts wissen: "Solange wir merken, dass die Kunden in die Innenstädte strömen, solange wird es den SSV geben."Jetzt kaufen

Derweil verkünden Anzeigen und Plakate in großen Lettern den "Sale" oder den "Männerschlussverkauf", wie ein Herrenausstatter wirbt. Ein Teppichhändler schreibt "Gelegenheit des Jahres", weil er schon jetzt seine Lager räumt. Die Botschaft: Wer jetzt nicht kauft, ist selbst schuld.Mehrwertsteuer-Angst

Dennoch könnte den Schnäppchenjägern die Lust zur Pirsch vergehen, fürchten Händler - wegen der Mehrwertsteuerdiskussion. Schon die Aussicht auf höhere Steuern darauf dämpfe die Kauflust, meint Pellengahr. Auch Verbraucherschützer nehmen dem anrollenden Schlussverkauf lieber etwas Wind aus den Segeln - aber aus anderem Grund. "Man sollte nicht jedem Schnäppchen blind hinterherlaufen", sagt Christian Fronczak, der Sprecher des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. Der Kunde habe längst den Überblick verloren, weil sich Rabatt an Rabatt reihe, seit der Schlussverkauf freigegeben wurde. Deshalb raten Verbraucherschützer: Nach dem jeweiligen Bedarf kaufen, nicht nach Schnäppchen-Angeboten.

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