"Schneller wachsen als der Markt"

- Vorstandsmitglied der HVB über das Geschäft mit Vermögenden

Herr Wölfer, zahlreiche Finanzinstitute haben angekündigt, sich verstärkt um reiche Kunden zu kümmern. Die HVB hat zum 1. Juli einen eigenen Geschäftsbereich gegründet, den Sie leiten. Ab welchem Kontostand zählt man zur Zielgruppe?

Andreas Wölfer: Unsere Dienstleistungen bieten wir ab einem liquiden Vermögen von etwa 500 000 Euro an. Zusätzlich sind wir im Bereich des sogenannten Family Office aktiv, also der Rundumbetreuung von Familien. Hier liegt die Schwelle bei zirka 30 Millionen Euro.

Sie versorgen bereits 26 000 Kunden. Wie viele wollen Sie neu gewinnen?

Wölfer: Wir blicken in erster Linie auf das Vermögen, das wir betreuen. Derzeit sind das gut 25 Milliarden Euro. In Zukunft wollen wir schneller wachsen als der Markt. Und der legt um rund acht Prozent pro Jahr zu.

In welchen Regionen wollen Sie Geld einsammeln?

Wölfer: Wir können auf ein unglaublich starkes Bayern und ein sehr starkes Norddeutschland bauen. Potenziale sehen wir in Nordrhein- Westfalen. Das ist nicht nur das bevölkerungsreichste Bundesland, sondern auch ein sehr vermögendes, in dem wir kräftig expandieren wollen. Aber auch in Baden- Württemberg wollen wir sehr viel aktiver werden.

Denken Sie an Zukäufe?

Wölfer: Ich habe sehr ambitionierte Pläne, die nicht allein über organisches Wachstum zu realisieren sind. Wir werden im gehobenen Privatkundenbereich noch weitere Konsolidierungen sehen und da wird die HVB aktiv mitwirken.

Schade, dass Sie vor drei Jahren die traditonsreiche Privatbank Bethmann Maffei abgestoßen haben, um die Kapitaldecke der HVB zu stärken ...

Wölfer: Ja, das war einer der Gründe. Aber diese Zeiten sind vorbei. Die HVB hat ein neues Kapitel aufgeschlagen und verfügt über die ausreichende Finanzstärke.

Welche Bank mit vermögender Kundschaft würde Ihnen denn gefallen?

Wölfer: Derzeit gibt es kein konkretes Ziel. Aber ein Haus wie beispielsweise die Weberbank, die kürzlich an die WestLB gegangen ist, wäre auch für uns interessant. Dabei gilt immer: Was man kauft, muss auch integrierbar sein. Gerade im gehobenen Bereich sind die Kunden sehr sensibel bei Übernahmen.

Apropos: Während des Zusammengehens mit Unicredit haben zahlreiche Privatkunden der HVB den Rücken zugedreht. Haben Ihnen die Reichen die Stange gehalten?

Wölfer: Wir haben exzellente Betreuer, die die Entscheidung unseres Hauses, mit Unicredit zu fusionieren, erklärt haben. So ist es uns gelungen, die Kunden von unserer Strategie zu überzeugen. Die Deutsche Bank hat angekündigt, 50 zusätzliche Mitarbeiter für die Betreuung vermögender Kunden einzustellen.

Wer wird bei Ihnen das neue Vermögen verwalten?

Wölfer: Wir sind am 1. Juli mit zirka 300 Mitarbeitern an über 26 Standorten bundesweit an den Start gegangen. Darüber hinaus suchen wir natürlich auch neue Betreuer am Markt. In den nächsten ein, zwei Jahren wollen wir zwischen 30 und 40 Berater einstellen.

Während ein Heer von Arbeitslosen in Deutschland von Hartz IV lebt, wächst die Zahl der Millionäre -was Gewerkschafter und mancher Politiker ungerecht finden. Beschäftigt das einen Banker?

Wölfer: Natürlich beschäftigt es mich als Banker und Bürger, wenn so viele Menschen arbeitslos sind. Doch es ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, hierfür Lösungen zu finden. 

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