Schnelles Internet für alle: Freistaat drückt sich vor Förderung

- München - Ein schneller Zugang zum Internet ist für viele Gemeinden in Bayern eine Wunschvorstellung. Wo die Telekommunikations-Industrie zu wenig Geschäft vermutet, werden keine teuren Anschlüsse an die Datenautobahn gebaut.

Darunter leiden viele Unternehmen, aber auch private Haushalte auf dem Land, wie mehrfach Berichte des Münchner Merkur gezeigt haben. Der Freistaat Bayern will das ändern - nur kosten soll es nichts. Statt Fördergeld gibt es jetzt ein Aktionsprogramm.

Ob Unternehmer Projekte koordinieren, Beschäftigte von zu Hause aus arbeiten, Bürger Daten an ihre Gemeinde senden oder einfach Fotos mit Freunden austauschen - der Bedarf an schnellen Internetzugängen ("Breitband") ist vielfältig. Das sieht auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber so und bekundete: "Klar ist: Überall in Bayern müssen Bürger und Unternehmen Zugriff auf leistungsfähige Breitbandanschlüsse haben." Haben sie aber nicht.

Zwar sind nach Hubers Angaben 95 Prozent der Menschen im Freistaat mit Breitband versorgt. Allerdings teilweise nur mit schlechter Qualität. Und etwa fünf Prozent der Bevölkerung sind ganz vom Breitband abgeschnitten. Die Folge: "Wer nicht am Breitband hängt, ist von der Zukunft abgehängt", urteilt Reiner Knäusl, Geschäftsführer des Bayerischen Städtetags. Das können sich Unternehmen nicht leisten, viele private Internetnutzer wollen es nicht. Deshalb hat Huber das Ziel ausgegeben: Die Abdeckung mit schnellen Internetzugängen soll "praktisch hundert Prozent" erreichen. Allerdings scheut er vor staatlicher Förderung der wichtigen Infrastruktur zurück.

Der Ausbau des Breitband-Internets verursacht immense Kosten. "Die letzten fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung kosten so viel wie die ersten 90 Prozent", erklärt Knäusl. Denn sie befinden sich meist fernab von Ballungsräumen, wo der Anschluss zur Datenautobahn für viele vor der Tür liegt. Der Präsident des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl, schätzt, dass die Kosten für den Ausbau zur flächendeckenden DSL-Versorgung im dreistelligen Millionenbereich liegen würden.

Eine halbe Million Euro, die aus der "Hightech-Offensive" übrig geblieben ist, steckt der Freistaat jetzt in ein "Aktionsprogramm Breitband für Bayern". Das soll für den Ausbau werben und Anbieter sowie mögliche Nachfrager zusammenbringen. Eine große Hoffnung setzt man außerdem in die Alternativen zu DSL, nämlich den Internetzugang über das Fernsehkabel und Funkverbindung. Die Funktechnologien W-Lan und Wimax könnten die flächendeckende Versorgung "relativ kostengünstig" ermöglichen, sagte Huber. "Die alternativen Technologien sind zu wenig bekannt. Zu stark ist die Fokussierung auf Festnetz-DSL."

Doch diese Fokussierung hat ihren Grund. Denn Experten halten die Funktechnologien für weniger leistungsstark (siehe Kasten). Zudem gibt es - wie bei Handy\-masten - Vorbehalte in der Bevölkerung.

Auch Städtetags-Chef Knäusl zeigt sich skeptisch: "Wenn Alternativen nicht funktionieren, muss man über staatliche Förderprogramme nachdenken", fordert er. In Österreich laufe das "optimal", findet Brandl. Dort hat der Staat - auch mithilfe von Subventionen - die DSL-Abdeckung binnen zwei Jahren von etwa 70 auf 98 Prozent gebracht, wie es im Wiener Infrastrukturministerium heißt. Dies habe man aufgrund des eindeutigen Willens der Regierung und intelligenter Förderprogramme geschafft. Allerdings hatte es die Industrie in Österreich auch leichter zu investieren, weil die Kosten für DSL-Anschlüsse in der Regel über denen in Deutschland liegen. Huber hofft derweil auf sein Aktionsprogramm und will erstmal ein Jahr lang abwarten. "Ich strebe eine marktwirtschaftliche Lösung an. Alles andere wird überlegt, wenn in einem Jahr eine Bilanz vorliegt."

Funktechnologien meist schwächer als DSL

Die Alternativen zu DSL sind aus Expertensicht oft keine: "W-Lan hat maximal die doppelte Bandbreite eines schnellen DSL-Anschlusses. Aber daran hängt nicht nur ein Haushalt wie bei DSL, sondern es sind viele. So wird die Leistung für den Einzelnen in der Regel deutlich schlechter als bei einem DSL-Anschluss", erklärt Urs Mansmann von der Fachzeitschrift "c‘t". Denn die Bandbreite entscheidet über die Geschwindigkeit des Internetzugangs. Zudem komme es bei Funkverbindungen aufgrund von Störungen mitunter zu Verzögerungen bei der Datenübertragung, anders als bei kabelgeführten Anschlüssen. So bleibe die Technologie "in der Regel deutlich hinter DSL" zurück.

Dasselbe gelte für Wimax, das zwar mehr Bandbreite biete, aber auch eine größere Reichweite habe, die mehr Haushalte einschließe. So müssen sich meist auch wieder mehr Nutzer die Bandbreite teilen. Beim Internet über das Kabelfernsehen sei das Problem, dass nur etwa 50 Prozent der bayerischen Haushalte Kabelfernsehen hätten. "Und dort, wo es kein DSL gibt, gibt es meist auch kein Fernsehkabel."

Mansmann kann die Zurückhaltung des Freistaats bei der DSL-Technik nicht nachvollziehen: "Wenn man so früher vorgegangen wäre, hätten wir heute noch keine Passstraße über die Alpen."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax arbeitet sich vor - erneut MDax-Rekord
Frankfurt/Main (dpa) - Nach einem schwachen Start haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt wieder etwas aus der Deckung gewagt.
Dax arbeitet sich vor - erneut MDax-Rekord
KfW: Existenzgründungen auf Rekordtief
Der Arbeitsmarkt boomt. Viele Menschen zögern, sich selbstständig zu machen. Ökonomen betrachten die Entwicklung mit Sorge.
KfW: Existenzgründungen auf Rekordtief
Spotify legt nach Klage Millionen-Fond an
Im Streit um die Verwertungsrechte mit einigen US-Musikern hat sich der Musikstreamingdienst Spotify außergerichtlich dazu bereit erklärt, einen Fonds in Millionenhöhe …
Spotify legt nach Klage Millionen-Fond an
Ryanair legt trotz sinkender Ticketpreise zu
Dublin (dpa) - Europas größter Billigflieger Ryanair hat im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz des harten Preiskampfes zwischen den Airlines weiter zugelegt.
Ryanair legt trotz sinkender Ticketpreise zu

Kommentare