Adrian von Hammerstein

Interview mit Kabel-Deutschland-Chef

Schnelles Internet für 450 000 Bayern

München - Mit 8,5 Millionen Haushalten ist Kabel Deutschland der größte Kabelnetzbetreiber in Deutschland. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden, Adrian von Hammerstein, über schnelles Internet auf dem Land, die Zukunft des Fernsehens und seinen Machtkampf mit ARD und ZDF.

Bei den Kabelnetzen sind Sie Marktführer in Deutschland. Wann ist die Wachstumsgrenze erreicht?

Bisher sehe ich keine Wachstumsgrenzen. Wir kommen aus dem Fernsehgeschäft. Die überwiegende Zahl unserer Kunden nutzen bisher nur das Standard-Fernsehprodukt, den Kabelanschluss. Unser Ziel ist es, sie zusätzlich für Premium-TV-Dienste, wie zum Beispiel hochauflösendes Fernsehen oder Pay-TV, oder auch für unsere Telefon- und Internetangebote zu gewinnen. Wir haben ein enormes Potenzial in der bestehenden Kundenbasis.

Gibt es ein konkretes Wachstumsziel?

Eine konkrete Zahl kann ich Ihnen nicht nennen. Wir haben derzeit einen Marktanteil im deutschen Internet- und Telefonmarkt von rund 14 Prozent. In anderen Ländern wie Belgien oder den Niederlanden hat das Kabel bereits einen Anteil am Breitbandmarkt von 30 bis 40 Prozent. In diesen Ländern wurde das Kabelnetz allerdings viel früher privatisiert.

Pakete aus Telefon, Internet und digitalem Fernsehen bietet auch Ihr größter Konkurrent, die Deutsche Telekom: Was unterscheidet sie?

Unser Kabelnetz wurde von vornherein für die Übertragung großer Informationsmengen gebaut. Deshalb können wir über dieses Netz zusätzlich zu einem vielfältigen Fernsehangebot auch sehr schnelle und günstige Internetanschlüsse zur Verfügung stellen.

Davon profitieren aber nur die Kunden in der Stadt.

Nein. Wir investieren auch ganz erheblich in den Netzausbau auf dem Land. Richtig ist: In den bayerischen Städten haben wir mit rund 80 Prozent eine höhere Abdeckungsquote als auf dem Land. Aber auch auf dem Land werden wir eine beachtliche Quote von gut 60 Prozent erreichen.

Was heißt das konkret?

Bis 2013 wollen wir allein in Bayern mehr als 450 000 Haushalte zusätzlich an unser Hochgeschwindigkeits-Internet anschließen und zwar hauptsächlich in ländlichen Gegenden.

Ist Oberbayern damit flächendeckend mit Kabelanschlüssen versorgt?

Nein. Wo es bisher überhaupt kein Kabelnetz gibt, ist eine Neuverlegung heute wirtschaftlich sehr schwer machbar. Davon sind aber nur wenige Gegenden betroffen.

Deutschland gilt als schwieriger Markt für Bezahlfernsehen. Wie wollen Sie das ändern?

Das haben wir bereits geändert. Wir haben 2004 als Erste in Deutschland ein Basispaket für Familien eingeführt und sind damit sehr erfolgreich. Unser Geschäftspartner Sky Deutschland dagegen setzt seinen Schwerpunkt auf exklusive Sport- und Spielfilminhalte. So ergänzen wir uns gut.

Experten sagen: Bezahlfernsehen funktioniert nur mit Sport.

Wir liefern den Gegenbeweis.

Das heißt: Sie werden im Wettstreit um Sportrechte nicht mitbieten?

Man soll im Geschäftsleben niemals nie sagen. Derzeit haben wir keine entsprechenden Pläne.

Wie sieht die Zukunft des Fernsehens aus?

Ein wichtiger Trend ist der zum hochauflösenden Fernsehen (HDTV). Die immer günstiger werdenden Flachbildfernseher bereiten dafür den Weg. Denn auf einem großen Bildschirm wird der Unterschied zwischen hochauflösendem Fernsehen und der bisher normalen Qualität sehr deutlich sichtbar. Der zweite wichtige Trend ist die Abkehr vom starren Programmschema im Fernseher. Die Zuschauer wollen heute immer stärker selbst entscheiden, was sie wann sehen wollen. Wir bieten dafür einen digitalen Videorekorder und Video-on-Demand – also eine virtuelle Videothek.

Verschwindet damit das klassische Programmfernsehen?

Davon gehen wir nicht aus. Insbesondere die ältere Generation setzt nach wie vor auf Programmfernsehen. Aber auch Jüngere wollen oftmals nach einem anstrengenden Arbeitstag einfach den Fernseher einschalten und mit dem Programm „mitschwimmen“.

Der Trend geht zum mobilen Internet: Eine Gefahr für Sie als Kabelnetzbetreiber?

Nein. Ein schneller Internetanschluss zuhause wird immer wichtiger, weil immer mehr Geräte im Haushalt auf den Anschluss zugreifen und die darauf genutzten Anwendungen immer mehr Bandbreite in Anspruch nehmen.

Die meisten Jugendlichen surfen aber mit ihrem Smartphone im Netz.

Zuhause greifen sie in der Regel auch mit dem Smartphone über Wifi auf den Festnetzanschluss zu. Da sehe ich kein Problem. Ganz im Gegenteil: Wer künftig zuhause auch mit mehreren Endgeräten gleichzeitig hochauflösende Filme anschauen will, braucht ein sehr schnelles Internet – und das funktioniert bisher nicht zuverlässig über mobile Verbindungen.

ARD und ZDF haben Ende Juni die Einspeiseverträge mit Kabel Deutschland gekündigt, um Kosten zu sparen. Sie haben daraufhin Klage eingereicht. Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?

Wir sind offen für Verhandlungen und möchten auf diesem Wege eine Einigung mit den Öffentlich-Rechtlichen erreichen. Gleichzeitig sind wir von unserer Rechtsauffassung überzeugt und wollen sie deshalb gerichtlich feststellen lassen. Wir wollen den Konflikt, den die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten durch ihre Kündigung ausgelöst haben, nicht auf dem Rücken unserer Kunden austragen.

Falls es keine Lösung gibt, drohen Sie damit, ARD und ZDF zum Jahresende aus dem Kabelnetz zu schmeißen.

Wir drohen niemandem. Die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen jedoch, ihre privilegierte Situation gegen uns zu nützen. Als Kabelnetzbetreiber sind wir nämlich verpflichtet, ARD und ZDF in unser Netz einzuspeisen. Dafür erwarten wir eine marktübliche Vergütung. Schließlich stellen wir ein leistungsfähiges Netz und Zugang zu 8,5 Millionen Kunden zur Verfügung. Alle Sender, auch die Privatsender zahlen dafür, dass wir sie ins Netz einspeisen – im Übrigen zu wesentlich günstigeren Konditionen als die vergleichbaren Verbreitungskosten über Satellit oder über DVB-T.

Interview: Corinna Maier und Steffen Habit

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