Schockwellen von kurzer Dauer

- Frankfurt/New York - Die Schockwellen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erfassten die internationale Finanzwelt sofort. Binnen Minuten stürzten weltweit die Kurse ab, viele Börsen reagierten mit der Aussetzung des Handels. In den folgenden Wochen gerieten Fluggesellschaften und die Reisebranche in schwere Turbulenzen, die Angst vor einem weltweiten Konjunktureinbruch ging um.

Doch letztlich erwiesen sich Aktienmärkte und Konjunktur robuster als erwartet, auch weil die Notenbanken in den USA und Europa mit kräftigen Zinssenkungen gegensteuerten (s. Kasten). Zunächst deutete allerdings alles auf eine schwere Wirtschaftskrise hin: Die Wall Street schloss gleich für sechs Tage. Nach der Wiedereröffnung sackte die New Yorker Börse binnen fünf Tagen um 1299 Punkte ab, der Deutsche Aktienindex (Dax) stürzte um knapp 900 auf 3787 Zähler. Vor allem Aktien direkt betroffener Branchen -Luftverkehrsunternehmen, Reisekonzerne und die Versicherer -gerieten massiv unter Druck.

Die Prognose der Börsenexperten lautete damals: "Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht." Doch hatte der Dax, der am Tag vor den Anschlägen bei 4670 Punkten stand, diesen Wert schon am 11. Oktober 2001 wieder überholt und notierte bei 4718 Zählern. Einen weiteren Monat später war sogar die 5000-Punkte- Hürde genommen. "Sobald der Schock vorbei ist und sich die Lage wieder einigermaßen normalisiert, wird an der Börse wieder auf die Zahlen geschaut", erklärt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz die relativ schnelle Erholung der Aktienmärkte.

Dabei habe sich gezeigt, dass die Auswirkungen auf die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, nicht so stark gewesen seien wie befürchtet. Grund also für wieder steigende Kurse. "Da reagiert die Börse ganz rational." Dass im Folgejahr 2002 ein Niedergang auf Raten der wichtigsten Börsenbarometer einsetzte, hatte andere Gründe: Nach und nach kamen bei immer mehr USGroßkonzernen Bilanztricksereien ans Licht, die das Vertrauen der Anleger zutiefst erschütterten. Für die angeschlagenen Fluggesellschaften Swissair und Sabena bedeuteten die Terroranschläge in den USA allerdings das Aus. Auch die meisten anderen Fluggesellschaften bekamen die Turbulenzen nach dem 11. September deutlich zu spüren. Mehrere US-Airlines gerieten in Finanznot.

US-Airways und United Airlines meldeten In- solvenz an und selbst die Deutsche Lufthansa schrieb 2001 erstmals seit 1993 rote Zahlen. Die großen Gewinner waren die Rüstungskonzerne sowie die Ölmultis. Die Ölpreise haben sich indes seit 2001 verdoppelt. Auch die Gold- und Edelmetallpreise schossen in die Höhe, während der US-Dollar stark an Boden verlor. US-Präsident George W. Bush reagierte auf die Terrorattacken mit ge waltigen Steuersenkungen und Ausgabensteigerungen. Die US-Wirtschaft ist seit 2001 um gut 15 Prozent gewachsen. Die Ausgabenpolitik verursachte aber auch Rekordhaushaltsdefizite. Allein für den Krieg im Irak sowie für Afghanistan hat der USKongress bisher 357 Milliarden Dollar bewilligt -in den kommenden Jahren dürften die Kosten im Kampf gegen den Terror auf über 500 Milliarden Dollar ansteigen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Studie: Milliarden-Ausgaben für Bildungssystem notwendig
Bessere Kinderbetreuung, Ganztags-Schulen, mehr Studienplätze: Ein wirtschaftsnahes Institut sieht großen Nachholbedarf bei Investitionen in die Bildung.
Studie: Milliarden-Ausgaben für Bildungssystem notwendig
Deutsche wollen weiter Autos kaufen - aber kaum noch Diesel
Kein Wunder nach dem Abgas-Skandal: Eine Studie attestiert den Deutschen weiter Lust auf den Auto-Kauf. Aber der Diesel ist massiv in der Gunst gesunken.
Deutsche wollen weiter Autos kaufen - aber kaum noch Diesel
BayernLB will ein bisschen größer werden
München (dpa) - Die vor Jahren von der EU zur Schrumpfung verdonnerte bayerische Landesbank wächst wieder. Im ersten Halbjahr stieg die Bilanzsumme von 212 auf knapp 221 …
BayernLB will ein bisschen größer werden
Weniger Baugenehmigungen - Ende des Baubooms?
Wiesbaden (dpa) - In Deutschland sind erstmals seit acht Jahren in einem ersten Halbjahr weniger Wohnungen genehmigt worden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts …
Weniger Baugenehmigungen - Ende des Baubooms?

Kommentare