Schöner einkaufen im Dschungel

Karstadt-Quelle: - München -­ Wie der Tiger auf den Plakaten lauernd aus dem Bambus lugt, so setzt auch Karstadt-Quelle zum Sprung an: Der Konzern will seine Warenhäuser neu ausrichten und weitere Marktanteile erobern. "Die Investitionsstaus werden jetzt abgebaut", sagte Vorstandsmitglied Peter Wolf gestern in München. Die Sanierungsphase sei vorbei, "wir gehen wieder in die Offensive".

Die Strategie, die ab 28. Februar laufen soll, heißt: "Weniger ist mehr". Das Warenangebot soll höherwertig werden ­ nicht alles, nur das "qualitativ Interessante" will Karstadt ins Sortiment nehmen. "Wir wollen nicht mehr jeden Knopf bereithalten", so Wolf. Und statt zwischen zehn soll der Kunde nur noch zwischen fünf Radioweckern wählen können, weil etwa die Abteilung Multimedia reduziert werden soll.

Insgesamt verringere sich die Sortimentsbreite damit um acht bis zwölf Prozent, sagte Wolf. "Manche Dinge sind bei Fachgeschäften besser aufgehoben." Dafür will der Konzern Abteilungen wie Schmuck und Wohnen ausbauen. Der Umsatzanteil der Mode soll von derzeit 38 gar auf 50 Prozent steigen. Das Preisniveau indes soll "in etwa unverändert" bleiben.

Das Jubiläumsjahr 2006, in dem Karstadt 125 Jahre alt wurde, lief gut für den Konzern. Im Schlussquartal seien die Erlöse um 5,4 Prozent gewachsen ­ während die Warenhaus-Branche insgesamt nur um 0,5 Prozent zugelegt habe. "Und wir wollen uns auch weiterhin vom Markt abkoppeln", sagte Wolf.

Auch Abwechslung soll Karstadt attraktiv machen. In seinen bundesweit rund 90 Häusern will der Konzern monatliche "Themenwelten" bieten und diese groß bewerben. Der Auftakt heißt "Die Stadt wird exotisch": Zu kaufen gibt es orientalisch inspirierte Mode, präsentiert wird sie von Dschungel-Schönheiten, und der Oberpollinger hat sogar Terrarien mit Pythons aufgestellt.

Der Service soll besser werden, "der Kunde endlich wichtiger als die Ware", und der neue Slogan heißt: "Schöner shoppen in der Stadt". Zudem setzt Karstadt auf seine "Premium-Häuser", zu denen das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg, der Münchner Oberpollinger und demnächst eins an der Frankfurter Zeil gehören.

Das Gesamtkonzept soll helfen, einen allgemeinen Trend umzukehren. Warenhäuser seien "eine sterbende Gattung, wenn das Geschäftsmodell nicht dramatisch geändert wird", so Wolf. Kamen die Kauftempel 1974 noch auf einen Marktanteil von 13 Prozent, waren es zuletzt weniger als vier Prozent.

Die Branche steckt im Umbruch. Auch Metro (Kaufhof) steigerte den Umsatz, dank des "Galeria Kaufhof"-Konzepts und der Elektronikketten Saturn und Media Markt. Karstadt verkaufte jüngst 74 kleinere Häuser an die britischen Investoren Hilco und Dawnay Day, die sie ab März modernisieren und in "Hertie" umbenennen wollen.

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