Schöner-Wohnen-Branche sucht sich neue Nischen

- München - Auf den ersten Blick haben diese Branchen nichts miteinander zu tun: Keramik, Floristik und Peanuts-Plüschtiere. Dennoch lassen sie sich auf einen Nenner bringen, den Marketingberater Armin Bastl mit dem Begriff "Wohnambiente" umreißt. Seine These: "Die Verbraucher geben derzeit kein Geld für eine neue Couchgarnitur aus _ aber sie kaufen Kerzenhalter, Kissen oder neue Gläser."

<P>Klassische Möbeleinzelhändler wie Segmüller setzen zunehmend auf solche Mitnahmeartikel. Auch Schreibwarengeschäfte erweitern ihr Angebot mittlerweile um dekorative Kerzen oder sogar kleine Einrichtungsgegenstände. Das gleiche gilt für den Blumeneinzelhandel.</P><P>Reinhard Traulsen, der das Geschäft D&T Design für Wohntextilien aus Leinen und anderen Naturfasern betreibt, bestätigt diesen Trend. "Trotz der schlechten wirtschaftlichen Gesamtsituation bin ich optimistisch", erklärt er. Um den Verbrauchern immer wieder neue Kaufanreize zu bieten, orientiert er sich an der Modebranche. Wenn Rot- und Pinktöne gefragt sind, produziert er Wohndecken, Plaids, Kissen und Tischwäsche in diesen Farben. Genau so adaptiert er Ethno-Designs und Siebziger-Jahre-Streifen. "Wir fahren gezielt auf Stoffmessen, um aktuelle Trends umzusetzen." </P><P>Die schnelle Reaktion auf Veränderungen im Konsumverhalten hat auch für Rolf Miller, Außendienstmitarbeiter bei Villeroy & Boch, oberste Priorität. So beobachtet der Porzellanfabrikant seit einigen Jahren Umbrüche auf dem Kaffeemarkt. Vor allem bei jungen Leuten ist die schlichte gebrühte Tasse Kaffee nicht mehr gefragt - damit hat dieser Konsumentenkreis auch wenig Interesse am klassischen zwölfteiligen Kaffeeservice à la "Wildrose". Gleichzeitig boomen die Spezialitäten wie Cappuccino oder Latte Macchiato. Konsequenz: Villeroy & Boch verlagert die Produktion auf diese Segmente und bietet unter dem Namen "New Wave" eigene Cappuccino- oder Milchkaffee-Tassen an. </P><P>Nach den Worten von Rolf Miller verkauft sich die Serie gut. Weiteres Absatz-Potenzial sieht man in Tischdecken, Sets und kleineren Deko-Artikeln, die farblich auf das Geschirr abgestimmt sind. Miller will sein Unternehmen denn auch nicht mehr als Porzellanfabrikant verstanden wissen, sondern als Lifestyleanbieter "rund um den gedeckten Tisch".</P><P>Und dieser Bereich wächst und professionalisiert sich. Wie Armin Bastl beobachtet, rücken die verschiedenen Branchen rund um das Thema Wohnambiente zusammen und nutzen diverse Messen als Austausch- und Informationsplattform. So verzeichnete die Münchner Messe Trendset vor wenigen Tagen rund 30 000 Fachbesucher - vor zehn Jahren waren es noch 18 000. <BR></P>

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